Furstilche versamlung (Enoch Widman)

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Furstilche versamlung

AutorIn Enoch Widman
Entstehungszeit 1596
Entstehungsort Hof
AuftraggeberIn
Überlieferung Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Ausgaben Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Übersetzungen
Forschung

Text

[1] Dieweil ettliche fursten untereinander beschlossen, sich allhie groser und wichtiger sachen halben zu bereden, ist unser gnedigster herr, marggraf [S. 613] Christian zu Brandenburg etc., neben herrn Johann Georgen herzogen zu Sachssen den 29. januarii,[2] dann den 2. februarii marggraf Johann Sigmund churfurst zu Brandenburg und ferner den 3. februarii unsere gnedigste landsfurstin bei uns ankommen. Den 4. februarii, am sontag Septuagesima, haben sie den gottesdinst zu S. Michel sämptlich besuchet, folgends nach anhörung Gottes worts von vorstehenden wichtigen sachen, doch mehrerstheils vergeblich deliberiret, sind darauf herzog Johann Georg zu Sachssen, den 5. februarii unser gnediger herr und sein gemahlin (alß sie die vorgehenden tage eine herrliche schlittenfarth durch alle gassen gehalten) beneben dem churfursten zu Brandenburg den 8. februarii widerumb von hinnen gereiset.

Die ursach aber dieser zusammenkunfft ist gewesen,[3] daß nach absterben herren Johann Wilhelm hertzogen zu Gulch, Cleve und Berg etc. das herzogthum, graff- und herschafften daselbsten (weil kein männlicher erbe mehr vorhanden) erledigt und Johann Sigmund churfurst zu Brandenburg, auch pfaltzgraf Philipp Ludwig zu Neuburg wegen ihrer gemahlin, alß nechste erben sich solcher angenommen und in völlige possession dem rechten gemes dieselben zu bringen unterfangen, denen sich hernach der churfurst zu Sachssen, herr Christianus II., weiln er zu gedachtem furstenthum Gulch, Cleve und Berg etc. auch einen rechtmesigen zuspruch zu haben vermeinet, adjungirn wollen und derowegen tractation allhie furgenommen. Es haben aber indessen die Papisten unter keiserlicher maiestet autoritet und namen, obgedachte fursten eigenes gewalts und ohne erkandtnus ordentlichen rechtens de facto zu entsetzen sich unterstanden, wie dann Leopoldus, ertzherzog zu Österreich, bischoff zu Straßburg und Passaü etc., heimlicher und unversehenerweis der festen Gulch sich gemechdget und das land in sein gewalt zu bringen hefftig bemühet, dannen herzu beiden theilen krigsrustung furgenommen und den bemelten beden fursten zu Brandenburg und Neuburg vom könig in Franckreich und Engeland, auch andern chur und fürsten sowol ettlichen reichsstedten assistentz geleistet worden.

[S. 615] Do nun solches Leopoldus und seine adhaerenten zeitlichen vermercket, hat er im bisthumb Straßburg ettlich krigsvolck werben und samlen lassen in hoffnung, den unirten königen, chur und fürsten, gnugsamen widerstand zu thun, die heimgefallene lande den rechten erben mit gewalt abzudringen, die lutherischen ketzer zu demütigen und in sonderheit der stad Straßburg ein feder zu zihen etc., welchen gleichwol des churfursten zu Heidelberg, des marggrafen zu Durlach und endtlichen des marggraffen zu Onoltzbach herrn Joachim Ernsten, volck uff den dinst gewartet und das stedtlein Dachstein, Motzig und Moltzheim, darinnen sie sich mehrerstheils uffgehalten, ritterlich eingenommen und entzogen, biß sie endtlich zu beiden theilen uff vorhergehend gepflogene gütliche handlung widerumb aus dem bisthumb Straßburg (welches mit solchem krigswesen zum hefftigsten beschweret und beschediget worden) ein ide partt an ihr ort sich begeben.

Mitlerweil, alß herzog Leopoldus gespuret, daß ihme die verheisene hulff und zusagung aus dem bisthumb Straßburg und anderßwo nicht schleunig wie er vermeinet folgen wollen, und allerhand mangel und ungelegenheit furgefallen und dargegen beder fürsten des marggrafen zu Brandenburg und pfaltzgrafen zu Neuburg und ihres anhangs macht und ernst augenscheinlich vermercket, hat er für rathsam angesehen, sich mit ihnen zum gütlichen vertrag einzulassen, welches doch, alß des königs in Franckreich Heinrici IV. tod offenbar worden,3274 alles wider in den brunnen gefallen, darauff er sich gen Prag zum keiser eine zeitlang gewendet.

Es haben aber bede fursten von Dusseldorff, allda sie sich diese zeit über mehrerstheils uffgehalten, furst Christianum von Anhalt mit ettlich taussend mann zu roß und fus nach der festung Gulch abgeordnet, der belagerung daselbsten einen anfang zu machen, zu welchem auch bald darauff graf Moritz von Nassau, wegen der herren staden etc. mit 138 fännlein zu fus und 3000 ausserlesenen reutern sambt 48 grob geschutz und 1000 wägen voll profiant und krigsmunition sich geschlagen, die sich dann sehr ritterlich und männlich gegen der festung erzeigt und ohne auffhören weidlich darauff geschossen, dargegen die in der besatzung gleicherweis nicht gefeiret, und hat solches von 18. julii an biß uff den 23. augusti altes calenders gewehret, da sich die in der besatzung uff vorgeschlagene mittel den fürsten ergeben. Ist also die festung Gulch innerhalb 5 wochen [S. 616] erobert und eingemommen worden. Darauff zu Cölln eine versamlung der fursten angestellet, dahin der graf von Hohenzöllern, die churfurstliche sächsische, furter die königliche französische, engellendische, churpfälzische und stadische, auch des landgrafen von Hessen, Mauritii, gesandten ankommen, dahin auch bede fürsten Brandenburg und Neuburg ihre gesandten abgefertiget, wegen der posession obgedachtes herzogthumbs Gulch alles in richtigkeit zu bringen, da dann viel bemelte bede fursten, alß possidentes das land innen behalten, der churfurst zu Sachssen aber dasselbige von keiserlicher majestet zu lehen empfangen. Darüber ferner sehr gefehrliche spaltung zwischen beden heussern Sachsen und Brandenburg enstanden, welche endtlich nach langer tractation zu Jutterbock, 4 meil von Wittenberg ligend, durch Gottes gnad und mitgetheilten segen, allgemeinem vatterland deudscher nation zu mercklicher wolfart, fridlich auffgehoben und die strittigen herren den 21. martii, welches war der Grüne Donnerstag, anno 1611, uff gewise conditiones verglichen und der churfurst zu Sachssen in gemeine possesion mit eingelassen worden.

Anmerkungen

  1. Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 613-616. Überschrift: "Furstilche versamlung".
  2. 1610.
  3. Marginalie: "Herzogthum Gulch wird strittig".