Gedicht auf Kaiser Ludwig IV. den Bayern (B471)
|
Gedicht auf Kaiser Ludwig IV. den Bayern (B471) | |
|---|---|
| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung 2. Viertel 14 Jahrhundert |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 5153g, 1r-13v; 14r-17v; 18r-18v |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 857-861 |
Inhalt
A (Englert I)
Ein Turnier wird geschildert, das unter den Augen von Frau Ehre und ihrem Gefolge stattfindet. Die Ritter kämpfen mit großer Entschlossenheit, angetrieben von höfischer Haltung und dem von Frau Ehre ausgelobten Lohn. Der Sprecher preist die strahlende Erscheinung der Königin, die ihre Gesellschaft zu einer Tribüne auf einer Wiese führt. Eine Beschreibung ihrer kostbaren Kleidung wird angekündigt, bricht jedoch aufgrund einer Textlücke ab.
B (Pfeiffer II)
Der Sprecher unterbricht die Turnierschilderung zugunsten eines überschwänglichen Lobs der Hofgesellschaft. Frau Ehre zieht sich mit ihrem Gefolge auf die Tribüne zurück, während der Sprecher von Herrn Velox zu Frau Venus geführt wird, die ihm Unterstützung bei Frau Ehre zusagt. Gemeinsam treten sie vor die Königin, die von Tugendpersonifikationen umgeben ist. Der Sprecher beschreibt ihre Schönheit und Tugend, bevor Frau Venus die Königin über das Fehlverhalten des Sprechers informiert. Eine längere Textlücke folgt.
C (Pfeiffer III)
Frau Ehre fordert den Sprecher auf, vom Ruhm seines Fürsten zu berichten, den sie als ihren Geliebten bezeichnet. Nach einem Bescheidenheitstopos schildert der Sprecher die außergewöhnliche Tugend und den Aufstieg seines Herrn, der zum Kaiser gewählt wurde und sich gegen politische Gegner behaupten musste. Der erwähnte Konflikt erlaubt die Identifikation des Kaisers als Ludwig IV. Eine weitere Textlücke schließt sich an.
D (Pfeiffer V)
Frau Ehre oder eine andere Tugendpersonifikation lobt den Kaiser für seine ritterlichen Leistungen, seine Tapferkeit und seine Bereitschaft, Konflikte zu befrieden. Seine Freigebigkeit und sein maßvolles Verhalten werden hervorgehoben. Eine Textlücke folgt.
E (Pfeiffer VI)
Der Sprecher wird von Frau Ehre getadelt, weil er schweigt, verweist jedoch darauf, dass ihr eigenes Lob des Kaisers nichts mehr hinzuzufügen lasse. Daraufhin äußern mehrere Tugenden in kurzen, gereimten Abschnitten hyperbolisches Lob für den Kaiser. Eine weitere Textlücke folgt.
F (Pfeiffer IV)
Der Sprecher berichtet, was er über die Kaiserin lobend sagen kann, und Frau Ehre ergänzt dies durch eine ausführliche Würdigung ihrer Loyalität, ihrer Geduld in schweren Zeiten und ihrer vorbildlichen Tugend. Ihre Rolle als Stütze des Kaisers wird betont. Eine Textlücke folgt.
G (Englert II)
Frau Ehre preist die Kaiserin als Quelle der Freude und als Vorbild aller Tugend. In einer ambivalenten Anrede bezeichnet sie sie zugleich als Rivalin und Freundin, da beide dem Kaiser in Liebe verbunden seien. Der Sprecher erbittet die Erlaubnis, dieses Lob weiterzutragen, und Frau Ehre wiederholt ihre überschwängliche Wertschätzung. Trotz der festlichen Stimmung denkt der Sprecher an sein eigenes Anliegen, ein Schwert zu erhalten, und Frau Ehre verspricht, dies nicht zu vergessen. Die Gesellschaft begibt sich zum Abendessen und später zur Heimfahrt.
H (Pfeiffer I)
Nach einer Nacht beginnt ein neuer Tag mit Gottesdienst und einem pfingstlichen Turnier, an dem alle teilnehmen. Es folgt ein höfisches Mahl, prachtvolle Kleidung wird gezeigt, und Fahrende erhalten Geschenke. Die blütenbedeckte Tribüne dient als zentraler Aufenthaltsort. Eine Textlücke folgt.
I (Pfeiffer VII)
Während die Vögel im Baum über der Tribüne singen, wird Frau Ehre ihre Krone zurückgebracht, was als gelungener Beitrag zur höfischen Unterhaltung gewürdigt wird. Nach dem Mahl verzichtet der Sprecher auf weitere Details, um das Publikum nicht zu ermüden. Er wird aufgefordert, Frau Venus zu folgen, um bei Frau Ehre Erlösung von seiner Bürde zu erhalten, die mit dem fehlenden Schwert zusammenhängt. Herr Velox begleitet sie. Eine Textlücke folgt.
J (Pfeiffer VIII)
Frau Ehre beschließt, ein Schwert für den Kaiser anfertigen zu lassen, das geeignet sein soll, Feinde des Glaubens zu befrieden und zu bekehren. Gemeinsam mit ihren Hofdamen beginnt sie die Arbeit und verwendet kostbare Materialien wie Edelsteine und feine Stoffe. Eine Textlücke folgt.
K (Thoma)
Frau Ehre fordert, die Scheide des Schwertes besonders prächtig auszustatten. Edelsteine, Perlen und kunstvolle Metallarbeiten werden verarbeitet, und ein reich verzierter Goldstoff ersetzt die Seide. Auf der Scheide erscheint das kaiserliche Wappen mit einem lebensecht gestalteten Adler. Eine Textlücke folgt.
L (Pfeiffer IX)
Der Sprecher reflektiert über die Schwierigkeiten des Ratgebers und kündigt eine Fürstenlehre an, die er im Auftrag Frau Ehre vorträgt. Er mahnt zu gerechter Herrschaft, Schutz der Schwachen, maßvoller Steuerpolitik und ehrlicher Münzprägung. Eine umfangreiche Textlücke folgt.
M (Pfeiffer XI)
Der Sprecher mahnt die Fürsten zur Friedensliebe und erinnert an die göttliche Belohnung für jene, die Gottes Willen erfüllen. Frieden müsse jedoch oft durch entschlossenes Handeln erzwungen werden. Er bezeichnet die Lehre als Auftrag Frau Ehre und bittet in einem Bescheidenheitstopos um Nachsicht für seine Ausführungen. Eine Textlücke folgt.
N (Pfeiffer X)
Der Sprecher erklärt, er sei bereit, auf kaiserlichen Befehl über zwei Schwerter zu dichten, deren Konflikt die Christenheit und besonders die Reichsstädte belaste. In direkter Anrede fordert er den Kaiser auf, den wahren Gottesdienst wiederherzustellen und den beklagenswerten Zustand des Reiches zu beenden. Nach einem Unfähigkeitstopos nennt er den abschließenden Titel der Dichtung und verweist Kritiker an den Kaiser selbst.
(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 857-861)