Herr haubtman stirbt (Enoch Widman)
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Herr haubtman stirbt | |
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| AutorIn | Enoch Widman |
| Entstehungszeit | 1596 |
| Entstehungsort | Hof |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Ausgaben | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Übersetzungen | |
| Forschung | |
Text
[1] Den 15. augusti, am tag Assumtionis Mariae, zu nacht nach 10 hor, ist der edel und gestreng herr Adam von und zum Wildenstein uff Strolenfels, fürstlicher durchlaucht Brandenburg rhat und haubtman alhie, ein gar christlicher und verstendiger herr, so der burgerschafft sehr wol gewogen, in Gott seeliglichen entschlaffen und folgenden 28.3084 augusti, am 10. sontag Trinitatis, zu S. Michel ins chor zu seinem herren bruder begraben worden. Der leichproceß wurde bald nach mittag also verrichtet von schloß auß biß in die kirchen.
Erstlich ginge die gantze schulmeng und nebenher die schuldiener mit trauerbinden, bedes die superiores und inferiores collegae und sungen ordentlich biß zur pfarrkirchen.
„Mitt friedund freud ich fahr dahin.“
„Media vita“ und zwischen dem sanctus alle zeit ein gesetzlein auß dem deutschen, mitten wir im leben sind, wechselweiß.
Si bona suscepimus.
Nach den schulern und ihren praeceptoren folgeten 10 kirchendiener, deren einstheils vom land herein beschriben waren, beneben dem herrn Superintendenten mit weisen chorröcken, und trugen unsere minis- tri ecclesiae auch trauerbinden umb die hüte.
2. Darauff folgete die adeliche leich von 8 adelspersonen, ohne abwechß[S. 563]lung biß in das chor zu S. Michael getragen. Uff dem schwartzen lundischen leichtuch, mit einem weißen daffeten creütz waren 10 schöner wappen gehefftet, nemlich vier an den enden des creützes und 6 andere zwischen dem creütz. Neben der leich gingen 6 edle knaben mit brennenden schwartzgeferbten fackeln, daran kleine wappenschildtlein waren, und hielten hernach unter dem gantzen kirchenactu solche fackeln bei der baar brennendt. Neben diesen knaben gingen 8 fürneme burger, die da uff den fall hetten sollen tragen helffen, und blieben hernach sambt den knaben bei der leich stehend biß zu end des kirchenactus, alßdann liesen sie die adeliche leich ins grab.
3. Der leich folgete des herrn haubtmans leibroß, gantz schwartz biß uff den huf verkleidet, welches uff der Stirn das wildensteinerische uff beden seiten und hinten, die andern der acht anen und der frau haubtmännin wappen angehefftet hatte und wurde das pferdt, biß zum Hohen Altar nach der leich von deß herrn hauptmans Stallmeister und leibjungen, beeden mit verdecktem angesichten, geführet.
4. Nach dem roß ging Christoff Heinrich von Failtschs, alß verordneter marschalck allein, deme die klag folgete, alß funff fürnehme adeliche blutfreund in dem ersten glied, 3 im andern zwen mit verdeckten angesichten, darnach andere adelspersonen unverdeckt. Darauff des herrn hauptmans und anderer vom adel hofgesind und diener, ferner die ambtsbevehlhaber, burgermeister und rhat sowol die burgerschafft, doch ist die gemeine burgerschafft an handtwercksleüten und sonsten, sowoln die bauerschafft mehrertheils uff dem marck und in den gassen gestanden, die procession zu sehen, welche nachmals einestheils vor, einestheils nach der procession sich in die kirchen gefunden, da dann ein solche meng der personen an jungen und alten vorhanden, dergleichen in vil jaren nicht geschehen.
5. Nach den mannßpersohnen ging Friderich Weigand von Redwitz alß verordneter hofmeister, auch allein. Nach diesem wurde des herrn haubtmans hinterlaßene wittib von zweien adelspersonen mit verdecktem angesicht gantz traurig anzusehen, geführt. Darauff noch 7 adeliche nahendt verwandte frauen und jungfrauen, jegliche von einem vom adel mit verdecktem angesichten geführet wurden. Disen folgeten andere adeliche frauen und jungfrauen, alle mit weissen langen trauerzügeln, dann letzlich der burgerschafft weiber und töchter.
6. In der kirchen wurde gesungen: „Herr Jesu Christ wahr mensch und Gott.“
Darauff ein lection auß dem II. capittel Johannis von der erweckung Lazari. Ferner: „Gott der vatter wohn unnß bei“, dann die predigt auß dem 7. capitel lob, warumb des menschen leben einem streit zu vergleichen, und war der anfang des textes dieser, „Muß nicht der mensch immer im streit [S. 564] sein?“ Ende: „Deine äugen sehen mich an, darüber vergehe ich.“
Nach gehaltener predigt sungen die discantisten bei dem Hohen Altar: „Mitt fried und freud in guter rhu,“ das erste gesetzlein.
Der gantze chor: „O wie seelig ist der todt“
Discantisten: „und leg mich schlafen in mein grab“
Der gantze chor: „O wie seelig ist der tod“ und also fortan, wechselsweiß biß zu end deßelben gesengleins. Dann wurde die collecta pro defunctis vom diacono gesungen und nach derselben vom gantzen chor „Von allem übel unnß erlöß etc.“
Alß die leich ins grab vor der herren capellanen stül gelassen, hat man uff das grab ein zugespitzteres viereckichtes holtzwerck gesetzet und darauff das leichtuch mit den 10 wappen gelegt, und ist solches also stehend bliben, biß uff S. Michaelisabendt, da das grab zugepflastert worden.
In diesem monat sind vil feuerzeichen oder chasmata etliche nächt über mit grossem schrecken gesehen worden,[2] über das haben auch die leüt in der Vischergassen und zu eüsserst in der alten stad den galgen gleichsam brennen und den daran gehengten dieb hefftig hin und wider schwancken gesehen, welches sonders zweifels nichts anders denn teüfel gespenst gewesen, dergleichen man vil bei den gerichten erfahret.
Anmerkungen
- ↑ Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 562-564. Überschrift: "Herr haubtman stirbt". Marginalie: "Herr haubtman Adam von und zum Wildenstein etc. verschiden".
- ↑ Marginalie: "Wunderzeichen".