Hof und die Hussiten (Enoch Widman)

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Hof und die Hussiten

AutorIn Enoch Widman
Entstehungszeit 1596
Entstehungsort Hof
AuftraggeberIn
Überlieferung Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Ausgaben Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Übersetzungen
Forschung

Text

[1] Anno 1430, alß die behemischen ketzer oder Hussiten den 25. tag januarii die benachbarte stad Plauen außgebrandt, sind ihre vorreuter an bemeltem 25. tag januarii, alß am tag Conversionis Pauli, welcher damalß an einer mitwoch gefiel, von Plauen hiher kommen und haben sich bedraulich sehen lassen, auch zu endt des januarii und anfang des hornungs, nachdeme die Hussiten mit hellem haufen bald nach mehrgedachten 25. januarii (daran sonn und mond im 15. gradu aquarii fere coniungiret unserm himlischen Lewen und stadzeichen entgegen stunden, auch zugleich dies Aegyptiaca ein verworffener unglücklicher tag mit einfiele) sich hernacher gemachet und gleichfalß zum Hof ankommen, gemeine stad semptlich vergewaltsamet eingenommen, geplündert, viel volks erschlagen, einstheils weggefurt und bedes alte und neue stad zu grund ausgebrandt, auch der kirchen und gottsheuser nicht verschonet, sondern dieselben gleichfalls beraubet und allen kirchenschmuck, so viel sie dessen bekommen mögen, hinweggenomen.

Von dannen kamen sie gen Culm[b]ach und brandten die stad ebener gestallt aus. Am dinstag nach Lichtmeß den 7. februarii hernach zogen sie gen Bamberg und Nürnberg, welche bede stedte sich gleichwol mit einer mechtigen summa geldes abkaufften, sonsten aber unbeschedigt blieben. Uber zwei jhar hernach, da die stad Hof ein wenig widerumb zugerichtet worden, ward sie von den Hussiten abermal belagert, die hatten ihr lager bei dem gericht, zogen aber damalß nach einem monat wegen gepflogener gutlicher Unterhandlung und gegebenen gelds ohne sonderlichen schaden widerumb ab.

Und damalß, weil es an allen orten wegen der feind so übel zuginge, haben unsere liebe voreitern ihre schetz an sielber und gold in das feld,[2] [S. 164] in die keller und anderswo an heimlichen winkeln vergraben, damit sie, wann das ungluck furuber, widerumb auffbauen und sich ehrlich nehren köndten, alldieweil aber viel burger umbkamen und erschlagen wurden und die nachkommen umb das vergraben geldt kein wissenschafft hetten, sind uff diese weis viel schetz verborgen blieben, welche zum theil über lang hernach gefunden und erhaben, zum theil auch noch zur zeit unerforschet gelassen worden, daher man dann bißweilen in feldern und sonst an andern orten nachmaln gelt und alte muntz anzutreffen pflegt.

Die ursach aber des raubens, plündern, morden und brennens der Hussiten war diese,[3] daß ihr treuer lehrer und prophet magister Johann Huß, so des babstumbs irrthumb gestrafft hatte, anno 1415, den 8. julii, wider Gott, alle billigkeit und das gebene keiserliche öffentliche geleid zu Costenz im Concilio verbrandt war. Daher dann dasselbige jhar zu Thabor,[4] einer stad in Behemb, 3000 Hussiten zu hauf kamen und bereiteten im weiten feld 300 tisch, hilten allda ihr nachtmal, gaben bede gestallt ihrem brauch nach und sterketen sich teglich mit viel volks, wüteten aus Gottes verhengnus, alß weren sie unsinnig, und erregeten mord und auffrhur inn Deutschlandt, fielen auch in die kirchen und worffen die bilder heraus.

Anno 1416 samlete ihr haubtman Zischa, ein greulicher tyrann und sighaffter krigsman, mehr dann 40000 Hussiten. Mit denselben durchschweifet er Deudschlandt, verheret und verbrandt alles zu grundt und boden in Österreich, Schlesien, Meissen, Francken etc., furnemlich aber die stedte, darinnen closter waren; dann die Barfusser- und Predigermönchen waren sonderlich hart wider Johann Hussen im concilio zu Costentz gewesen und hatten am allermeisten zum feuer geraten und weidlich zugeschurt, dessen dann unser Stadt auch entgelten müssen.

Obwol aber keiser Sigmundt mit dreien mechtigen haufen, auch mit einem Cardinal, wider die Hussiten in Behemb zog, flohen doch die Deudschen davon, alß sie durch den Behemischen Wald kommen und gehöret hatten, daß sich die Hussiten zur gegenwehr rüsteten, auch ehe sie den feind sahen, und lisen buchsen und alle krigsrustung dahinden und wur[S. 165]den bei 12000 Deudscher von den Hussiten in der flucht erschlagen. In diesem heerzug wider die Behemen fuhrete Fridericus I., herzog und churfurst zu Sachsen, die seestedte, Sachsen, Meissen und Thüringen. Friderich, churfurst und marggraf zu Brandenburg, fuhrete die Francken und Nortgauer. Otto, bischoff zu Trier, fhurete die Rheinlender, Bayern und Schwaben. Und weil die Hussiten die oberhandt behüten, rechten sie sich hernach weiter an ihrer widerwertigen land und leuten und theten ihnen mechtigen schaden, wie dann unser stad auch jemmerlich von ihnen tractirt wurde, wie neulich gemeldet. Endtlich, alß Gott durch die Hussiten sund mit sunden ein lange zeit wol gestraffet hatte, wurden zu Prag in der kleinern Stadt sontag nach Ascensionis anno 1434 der Hussiten bei 22000 umbgebracht und bald darauff auch in andern stedten das mehrertheil außgerottet und Deudschland widerumb befridigt, alß sie zuvorn ohn allen widerstand bei 18 jharen hefftig getobet und sampt ihrem einäugigen haubtman Zischa wunderlich gluck und sieg gehabt hatten.

Dieser Zischa, da er das ander aug in diesem gegenwertigen und langwirigen Hussitenkrig auch verlohren,[5] liß sich also blindt mit dem heer umbherfuhren und gab ihnen anschleg und glucket ihm uberal; befahl auch, da er sterben wolt, man solte sein haut über ein paucken zihen anstad des pergamens, so wurden die feindt, wenn sie den hall oder klang davon höreten, feig und verzagt werden, und erfund sich solches im werck und in der that also.

Obwol aber, wie itzt gedacht, die Hussiten in diesem jhar sehr geschwechet und gedempfft wurden und von ihrem krig abstehen musten, blieben doch die übrigen bei ihrer leer und glauben und wolte weder des babstes bann noch des keisers gewalt ettwas helffen oder bei ihnen fruchten, also daß sie zu beden theilen an ihnen verzweiffeln und nachlassen musten.

Anno 1430, montag nach Invocavit den 6. martii,[6] haben Friderich und sein sohn Johannes, marggrafen zu Brandenburg etc., demnach gemeine stad mit raub und brandt von den Hussiten mercklichen beschedigt und [S. 166] ohne der herschafft hulff ihre heusser nicht auffbauen noch die stadt, so hefftig verderbt, widerumb zurichten mögen, der burgerschafft zehen jhar die nechsten nacheinander alle steuer und bete nachzulassen bewilligt.

Zu dieser zeit ist Caspar von Waldenfelß haubtman allhie gewesen.[7]

Anmerkungen

  1. Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 163-166. Marginalie: "Hof wird von den Hussiten ausgebrandt".
  2. Marginalie: "Schetz werden vergraben".
  3. Marginalie: "Ursach des Hussitenkrigs".
  4. Marginalie: "Hinc vocantur Thaboritae".
  5. Marginalie: "Zischa wird blinct".
  6. Marginalie: "Stad Hof sitzet zehen jhar lang steuerfrei".
  7. Marginalie: "Haubtman".