Juristerei und schultheologia kombt auff (Enoch Widman)

Aus Brevitas Wiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Juristerei und schultheologia kombt auff

AutorIn Enoch Widman
Entstehungszeit 1596
Entstehungsort Hof
AuftraggeberIn
Überlieferung Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Ausgaben Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Übersetzungen
Forschung

Text

[1] Zu dieser zeit nemlichen unter der regirung des keisers Lotharii II. hat die juristerei angefangen, dann Wernerus bracht die römischen rechtsbucher, in den bibliothecken gefunden, wider an das licht und befahl Lotharius [S. 64] dieselben in den schulen zu lesen und in keiserlichen gerichten darnach recht zu sprechen, gebot auch, daß alle landt darnach richten solten. Da fingen die studia iuris mit gewalt an und studirte iderman zu dieser zeit iura (wie man denn zu thun pflegt, wann ettwas neues auffkombt) und wurden bald viel grosser juristen, die das recht erklereten und widerumb in schwang brachten, wie hiebevorn Servius und Ulpianus, die alten juristen.

Damalß ward furnemlich berumbt Azo, hernach Accursius, Bartholus, Gratianus etc. Die mönchen furen zu, wolten solche disputation und subtile, spitzige griff und argumenta auch in die theologiam zihen, schlugen viel disputationes an und wolten also den juristen nichts zuvor geben. Finge also die scholastica theologia und das schulgezenck an und ging die rechte theologia, mit menschlichen glossen nun gantz und gar verfinstert, zu grund und boden.

Anmerkungen

  1. Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 63f. Marginalie: "Juristerei und schultheologia kombt auff".