Klage der Treue und der Gerechtigkeit (Willem van Hildegaersberch) (B448)

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Klage der Treue und der Gerechtigkeit (B448)

AutorIn Willem van Hildegaersberch
Entstehungszeit Spätes 14. Jhd.
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Brüssel, KBR: 15659-61, 102ra-104ra
Den Haag, Koninklijke Bibliotheek: Cod. 129 E 6, 108vb-110ra
Rostock, Universitätsbibliothek: Philol. 84, 61r-61v
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 785f.

Inhalt

A Traum- und Spaziergangseinleitung (1–19)

Der Sprecher eröffnet mit der Beobachtung, dass Träume Freude, Leid und auch Wahrheit enthalten können. In einem solchen Traum gelangt er an einen idyllischen Ort, den er nie verlassen hätte, wäre dort auch für Nahrung gesorgt gewesen.

B Dialog mit Treue und Gerechtigkeit (20–92)

Unter einem Baum entdeckt der Sprecher zwei weinende Damen und möchte den Grund ihres Kummers erfahren, um daraus eine lehrhafte Erzählung zu formen. Auf seine Anrede erklären sie, dass ihnen jede Ruhe entzogen sei, da sie aus ihrem Land vertrieben wurden. Sie stammen aus edlem Geschlecht und berichten, dass ihr Hof einst tugendhaft gewesen sei, bis Betrüger zurückkehrten und die Ehre des Hofes zerstörten.

C Bericht über die Vertreibung (93–246)

Auf Nachfrage nennen die beiden ihre Namen: Treue und Gerechtigkeit. Sie schildern, wie alle Tugenden, die einst am Hof wirkten – darunter Wahrheit, Maß, Ehre, Scham, Freigebigkeit, Demut und Beständigkeit – gewaltsam vertrieben wurden. Vernunft, die als Pförtnerin diente, wurde überwältigt und schwer verletzt. Die Betrüger drangen ein, und Treue sowie ihre Gefährtinnen mussten fliehen, da sie sonst nach dem Willen der Frevler hätten leben müssen. Dies sei der Grund ihrer Verzweiflung. Sie verabschieden sich, und der Sprecher verspricht, ihre Botschaft weiterzutragen.

D Schluss (247–304)

Der Sprecher erwacht und bedauert das traurige Ende der beiden Tugenden. Er beschließt, den Traum zu erzählen und rät seinem Publikum, die eigene Pforte vor bösen Gästen zu schützen. Wenn Vernunft als Pförtnerin wache, hätten Betrüger keinen Zutritt. Abschließend nennt er den Autor Willem von Hildegaersberch, der diese Rede verfasst habe, um vor Bosheit und Neid zu warnen.

(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 785f.)