Liebesgespräch III (Z42)

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Liebesgespräch III (Z42)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung 1480
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Stockholm, Königliche Bibliothek: Cod. Vu 82, S. 48-64
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Altenhöfer, Florian: Liebesgespräch III; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 1035-1037

Inhalt

A Ausritt (Str. 1,1–4; V. 1–4)

Ein höfischer Ritter reitet auf der Suche nach Aventiure aus, begegnet der Dame, die er seit Langem verehrt, und bittet sie um Rat und Hilfe in seinen Sorgen.

B Erstes Gespräch (Str. 1,5–33; V. 5–229)

Die Dame bietet ihren Rat an, jedoch nur, sofern ihr daraus kein Schaden erwachse. Der Ritter spricht zunächst von einer anderen Frau, die ihm eine Minnewunde zugefügt habe, enthüllt aber bald, dass er in Wahrheit die Dame selbst meint. Es entwickelt sich ein traditioneller Dialog: Er wirbt, sie weist ab; beide wechseln strophenweise die Rede und verwenden die vertrauten höfischen Anreden. Die Motive folgen dem bekannten Muster: Er klagt über Minneleid, drohenden Tod, beteuert Treue und die Wahrung ihrer Ehre; sie reagiert mit Sprödigkeit, Spott, Missverständnissen und der Drohung, das Gespräch abzubrechen. Der Ritter betont mehrfach die ritterlichen Pflichten seines Standes, die die Dame dreimal einfordert. Daraus ergibt sich ein wiederkehrendes Schema: Entsendung – Abschied – sein Segenswunsch – Heimkehr. Die Bewährungsfahrten werden nicht ausgespielt, aber jeweils kurz berichtet. Die erste führt ihn an den Kaiserhof, um dort ritterliche Ehren zu erwerben. Vor dem Aufbruch erbittet er drei Farben als Zeichen ihrer Gunst; sie gewährt sie widerstrebend, betont jedoch, er solle allen edlen Frauen dienen und nach allen Tugenden streben.

C Zweites Gespräch (Str. 34–48; V. 230–332)

Nach seiner Rückkehr bleibt die Dame äußerlich abweisend. Sie gibt vor, ihn kaum wiederzuerkennen, zweifelt an seinen Ehren und weist ihm die Farbe Grau zu. Auf seine Bitte nach einer neuen Bewährungsprobe nennt sie eine Preußenfahrt, die sowohl ihm Nutzen bringe als auch dem christlichen Glauben diene.

D Drittes Gespräch (Str. 49–59; V. 333–409)

Auch nach der zweiten, härteren Bewährungsfahrt, von der er verwundet zurückkehrt, bleibt ihr Misstrauen bestehen. Seine erneuten Versicherungen von Dienst und Treue überzeugen sie nicht; sie verlangt eine dritte Probe: eine Heerfahrt zum Heiligen Grab, begründet mit einem alten Sprichwort über das Heil der Seele.

E Erhörung (Str. 60–75; V. 410–520)

Nach seiner Rückkehr von dieser letzten, gefährlichsten und zugleich geistlich verdienstvollsten Fahrt stellt die Dame ihn ein letztes Mal auf die Probe. Sie behauptet, anderweitig gebunden zu sein und ihn nur fortgeschickt zu haben, um ihn loszuwerden. Der Ritter hält dennoch stand, verspricht, seine Liebe für immer im Herzen zu bewahren und keiner anderen Frau zu dienen. Diese Treue und seine Rücksicht auf ihre Ehre bewirken den Umschlag: Die Dame gesteht ihre Zuneigung und begründet ihre Entscheidung zugleich theologisch. Es folgen gegenseitige Liebesbekenntnisse.

F Abschied (Str. 76f.; V. 521–534)

Das bisherige Abschiedsritual wird positiv gewendet: Nun ist es die Dame, die den Ritter mit einem Segenswunsch entlässt.

(Ausführliche Inhaltsanhabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 1035-1037)