Magister Sorgel und der Schwarze Mönch (Enoch Widman)
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Magister Sorgel und der Schwarze Mönch | |
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| AutorIn | Enoch Widman |
| Entstehungszeit | 1596 |
| Entstehungsort | Hof |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Ausgaben | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Übersetzungen | |
| Forschung | |
Text
[1] In diesem jhar[2] ist verschiden der ehrwirdige und hochgelarte herr magister Johann Sörgel, vicarius oder prediger zu S. Michel, ligt daselbsten begraben für der capellen divi Hieronymi, welche er mit meßhalten versorgt hatte, darinnen man unter der communion zu singen pflegt.
Dieser magister Sörgel ist ein gelerter, verstendiger und gottsfurchtiger mann gewesen, so dieser kirchen treulich vorgestanden und seine ungeschickte meßpfaffen, weil sie mehr dem bauch dieneten, alß in der Heiligen Schrifft studirten, offtmalß gestrafft hat, auch ettlich mal diese wort von sich hören lassen:[3] „Ihr mussigen, faulen meßpfaffen habt itzt S. Paulum mit seinen heilsamen schrifften unter die banck gesteckt, dencket aber an mich, es wird die zeit bald kommen, daß er wieder herfurkrieche und euch hinunter stecke.“[4] Dieser weisen rede gedencket auch Johann Spangenberger in seiner vorred über die außlegung der epistel an die Römer unser stad zu sonderlichem rhum,[5] dann diese wort sind nicht ohne eingebung des heiligen geists von diesem mann geredet, sonder haben gedeutet uff das schirkommende ende des babsthumbs und offenbarung des heiligen evangelii. Wie dann zur selben zeit andere heilige menner mehr gewesen, alß Johann Hilten, ein mönch zu Eisenach, doctor Andreas Proles, vicarius Augustinianorum in Germania, und dergleichen mehr, welche von der priester reformirung und verenderung der bäbstlichen religion vielmalß geweissaget haben, auch die zeit und person ettlichermassen benambt, daß nemlich ein schwartzer mönch, das ist ein Augustiner, kommen werde, der deß babsts Satzung und möncherei werde ab thun. Item im jhar 1516 werde der geistlichen reformirung sein. So sagt auch Johann Huß, do er anno 1415 zu Costentz verbrandt werden solte: „Heut bratet ihr mich Hussen alß ein ganß, über 100 jar wird ein schwann kommen, [280] den ihr wol ungebraten lassen werdet. Item, über 100 jar werdet ihr Gott und mir müssen antwort geben.“
Diese und andere Weissagungen sind unsern voreltern wolbekandt gewesen, also daß man an manchen orten, und sonderlichen umb Wittenberg und zur Zana (ein meil wegs von Wittenberg) von der zukunfft des schwartzen mönchs zu sagen gewust und es die eltern ihren kindern, wann sie an gebotenen fasttagen zu viel gessen oder ettwas von uberbliebenen fleisch heimlich verzehret haben, sehr übel außgelegt, alß wurden sie demselben mönchen, der das babsthumb angreifen solte, auch nachlauffen und solche gottlose buben werden. Hirauff hat nun doctor Martinus Lutherus, ein augustinermönch zu Wittenberg, anno 1517 des babsts greuel das erste mal zu straffen öffentlich angefangen und also dieser heiligen menner Weissagung erfüllet, ungeachtet, daß Johann Huß ettwan zwei jar, Johann Hilten aber ein jar zu fru die zeit bestimbt, welches dann bei menschen so genau nicht soll gerechnet werden, weil sich sonsten ihre prophezei aus Gottes eingebung geredet, im werck und der warheit gemes erfunden haben.
Wiewol herr Matthesius in seinen predigten „De vita Lutheri“ 1848 setzet,[6] das doctor Luther albereit anno 1516, da Johann Detzel seinen ablaßkram erstes mal außgelegt hat, in seinem closter zu Wittenberg den leuten solche ungewise kauffmanswahr widerrathen haben. Obgedachter magister Sorgel aber (welcher in seinem testament, do er noch wolauff gewesen, dreihundert gulden zu einer meß gestifftet) ist den 21. februarii, dinstag nach Sexagesimae, zur erden bestattet worden, als er am sontag zuvor das evangelium von viererlei samen herrlich erkleret und sonderlich den spruch desselben: „Wer ohren hat zu hören, der höre“, mit einem grossen eiver und mit lauter erhabener stim den zuhörern eingebildet hatte, da er sich dann so hefftig beweget, daß er dadurch, nachdeme er von der cantzel gestigen vom schlag geruret und bald darauff denselben tag in Gott verschiden ist.
Diesem magister Sörgel (so meines vattern seligen, Hansen Widmans, tauffbat gewesen)[7] hat Pankratius Neidecker von Weißmain succedirt und ist vicarius zu S. Michael worden.
Anmerkungen
- ↑ Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 279f. Marginalie: "Magister Sorgel stirbt am sontag Sexagesimae, den 19. februarii, anno 1514".
- ↑ 1515.
- ↑ Marginalie: "Magister Sörgelß prophezei vom end des babsthumbs".
- ↑ Marginalie: "Andere Weissagung des babsts fall".
- ↑ Marginalie: "Johannes Hil-tenius: Anno MDXVI erit reformatio cleri, posthaec XXX annos erit regnum christianorum, qui numerus sese extendit usque ad annum obitus Lutheri. Istud autem vaticinium editum est circa annum Christi 1483".
- ↑ Marginalie: "Legatur XV et XVI concio Johannis Matthesii, de vita Lutheri".
- ↑ Marginalie: "Prediger und vicarius".