Marggraf Georg nimbt den kirchenschatz zu sich (Enoch Widman)

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Marggraf Georg nimbt den kirchenschatz zu sich

AutorIn Enoch Widman
Entstehungszeit 1596
Entstehungsort Hof
AuftraggeberIn
Überlieferung Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Ausgaben Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Übersetzungen
Forschung

Text

[1] Anno 1530, dinstag nach Erhardi, den 11. januarii, hat marggraf Georg, unsers gnedigsten herren, Georg Friderichs marggrafen zu Brandenburg herr vatter (der in seinem gantzen landt die geistlichen gutter mehrerstheilß in die cammer gezogen, aus den kirchen und stifften alle guldene und silberne geschmeid, an kelchen, monstrantzen, bildern und andern, seines verstorbenen herrn bruders Casimiri schulden damit zu bezahlen, hinweg nach Culmbach, Onoltzbach und Schwobach fuhren lassen und ein zeitlang darvon gemuntzet) auch unsern kirchenschmuck allhie zum theil bekommen und aus beden clöstern und den kirchen zu S. Lorentzen, S. Michel an sielbern und gulden geschmeid, zwo gantzer schleiffen wolbeladen, zusammengebracht, darunter gewesen ein silbern Marienbild einer ellen lang, welches einen gantz guldenen Jesus in den armen gehabt [S. 327] und ist solches bild aus dem nonnencloster genommen worden. Ist also solcher kirchenornat allhie zimlich geleutert und in einer iden kirchen mehr dann ein kelch selten gelassen worden.

Zu Schwerzenbach an der Saal lies man alles bleiben,[2] zu einer beisteuer, eine steinerne Brucken über die Saal zu machen. Doch hat gemeine stadt für solche silberne geschirr und zirliche geschmeide guldene priester, aus vorsorg der hohen obrigkeit, bekommen, durch welcher muhe und vleiß sie zum reinen wort Gottes und beförderung ihrer seelen seligkeit gebracht worden ist und anstat der bäbstischen zird und nerrischen kirchengebrengs den wahren himlischen schath[3] erlangt hat. Vor Zeiten waren guldene prister und höltzene kelch, nun seind die priester höltzen und die kelch gulden, sagt der edle und berumbte prediger doctor Johann Geiler von Keisersperg, seine ungelerte Papisten dadurch verstehende. Itzt Gott sei lob haben wir in unserer gnedigen herschafft landen, widerumb guldene prister und sindt gleichwol die kelch auch nicht höltzen, sonder von silber also bereitet, daß man sich derselben in der kirchen Gottes nicht zu schemen.

Anmerkungen

  1. Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 15. Marginalie: "Marggraf Georg nimbt den kirchenschatz zu sich".
  2. Marginalie: "Egregium dictum Keiserspergii".
  3. Schatz? Ggf. Fehler in der Edition.