Nurnberger laden marggraffen Casimirum uff die kirchweih (Enoch Widman)

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Nurnberger laden marggraffen Casimirum uff die kirchweih

AutorIn Enoch Widman
Entstehungszeit 1596
Entstehungsort Hof
AuftraggeberIn
Überlieferung Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Ausgaben Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Übersetzungen
Forschung

Text

[1] Anno 1502 hat marggraf Casimirus (alß sein vatter Friderich, dessen bißher offt gedacht sambt andern mehr herren, zu Erfurd, einen vertrag, der stritigen jurißdiction halben, mit den Nurnbergern zu machen, versamlet gewesen) mit seinen nachbarn, denen von Nurnberg, ein zimlich treffen gethun. Dann weil die Nurnberger uff den 19. junii, sontag nach S. Viti, in werender transaction marggraf Casimirum spotweis uff ihr kirchweih geladen, alß solt er kommen und einen kirchweihbrei mit ihnen essen und er alß ein kuner, streitbarer held, solches für einen mercklichen hohn und spot uffname, der ihm sehr wehe thet, ward er ihnen gerne zu willen. Liß derowegen den seinen bei nacht heimlich uffbiten, rüstet sich mit seinem reisigen zeug und zog zu morgens vor tag zu Schwabach aus, der meinung, so die Nürnberger aus der stadt uff die [S. 245] kirchweih zögen, ihnen der kirchweih redlich zu kauffen. Aber er kam ein wenig zu spat, da die Nurnberger (welchen er zu gefallen uff die kirchweih mit spies, buchsen und helleparten, gnad und ablas zu lösen, in guter Ordnung für Nurnberg gezogen war) sich albereit wider in die stadt begeben hatten. Doch liß er sich mit den seinen im wald vor Nurnberg sehen und hören. Die Nürnberger, nachdem sie seiner gewahr wurden und seines gewalts sich mitnichten besorgeten, fielen für die stadt hinaus, in hoffnung, des marggrafen zeuglein wurde nicht fus halten (dann sie hetten von seinem uffbiten und gesamleten volk kein wissenschafft) wurden aber in den wald hineingelocket und von des marggrafen zeug umbschrencket und die halb wehrlosen (dieweil sich ettliche uff wägen alß zu einem spectakel hetten hinausfuhren lassen, alß wann sie den feind im sack hetten) fast alle erschlagen, sintemal die Nürnberger den feind verachteten und allen vortheil alß unnötig mutwillig ubergaben. Waltzet also das spiel, so von den Nurnbergern über die marggrefischen, ihnen der kirchweih zu kauffen, angefangen war über die anfenger selbsten, also das bei 1000 mann, fast alle uff der Nürnberger seiten, erschlagen auff der wahlstat bliben, ettliche auch in der flucht gefangen wurden und blieben wenig marggrefische tod. So bekamen auch die marggrefischen der Nürnberger fannen und sechs geschutz. Geschehen, wie gemeldet, sontag nach Viti, anno 1502. Ist hierdurch dasjenige, was damalß zu Erfurd zwischen beden parteien gütlich gehandelt und verglichen worden, alles vergebens und umbsonst gewesen.

Anmerkungen

  1. Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 244f. Marginalie: "Nurnberger laden marggraffen Casimirum uff die kirchweih".