Orgelmacher krieget seinen abschied und wird das werck einem andern angedingt (Enoch Widman)
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Orgelmacher krieget seinen abschied und wird das werck einem andern angedingt | |
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| AutorIn | Enoch Widman |
| Entstehungszeit | 1596 |
| Entstehungsort | Hof |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Ausgaben | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Übersetzungen | |
| Forschung | |
Der Text folgt direkt nach Seltzame fantasen (Enoch Widman).
Text
[1] In diesem monat hat Gabriel Raphäel, der alte orgelmacher, weil er seine angediengte arbeit nicht zum endt bringen, auch die register, die er zu etlichen stimmwercken machen laßen, nicht nennen, vielweniger abrichten können, seinen abschied bekommen, alß er bei 3 1/2 jahren im spital neben seinen gesellen eßen und trincken gehabt und ihme darneben aller vorrath an zin, blei und allem erz zum orgelwerck gehörig, ja mehr dann ihme versprochen, für die hand geschaffet und noch darzu 300 fl, die er mehrerßtheils ufgehoben (sintemal er nach dem ersten geding, anno 1601, den 27. maii, geschehen, ein ganzes werck von 30 registern zu machen sich ferner anerboten) zum machlohn verheisen worden. Do er zwar vier windladen und die stimmwerck mehrerstheils doch alles betrüglich falsch und unrichtig gemachet. Dadurch dann ein erbar rath in grosen schaden gesetzt worden und man nothalben daß folgende jahr den 2. martii daß werck Timotheo Kumpen, von Königsperg in Francken bürtig, alles miteinander ufs neu zu machen andingen mußen, der sich darum erkleret, oben in die grose laden zu setzen 1. principal aequal 2. grob gedackt, 3. groß quintaden, bedes dem principal gleich, 4. octaf von zweien ellen, 5. nachthorn von zweien ellen, 6. superoctaf von einer ellen, 7. quint nach art und grös der andern stimmen, 8. flachflötern von 1 ellen, 9. mixtur achtfechtig, 10. cimbeln zwifechtig in die baßladen, 1. subbaß, ein octaf nidriger denn der principalbaß, 2. posaunen, 3. zincken oder offen octaf, 4. schweitzerbaß, 5. gros octaf von 8 schuhen.
Im ruckpositif sollen stehen 1. principal von 2 elln, 2. kleine flöten 1 elln, 3. klein gedackt 1 elln, 4. trommeten 2 eilen, 5. Quintaden 1 elln, neben einen guten tremulant, vogelgesang, stern, neuen clavier und neuen blasbelgen.
Dafür ihme zu geben versprochen worden 450 fl, 6 schöffel korn, ein ehrlich tranckgelt, die alten pfeiffen an zin und bleiwerck und wann daß werck verfertigtet, ein wohnung zu aufrichtung deßelben, sowol brennholtz und kölen und was zum löten notwendig.
Ungeachtet aber, daß obgedachter alter orgelmacher und sein gesell (Her- man Barnickel, ein unnutzer plauderer, welcher etliche monat vor dem alten, alß den 23. maii, sich aus dem staub gemacht) einen erbarn rath, wie zuvorn gemeldet, in mercklichen grosen, doch vergebenen Unkosten gebracht, hat gleichwohl derselbe zum uberflus und zum abzug [S. 571] (damit er mit ehren weiterkommen möchte) ihme noch 5 fl zur zehrung verehrt. Hette aber, do man nach verdinst mit ihme handeln sollen, billich einen strick an den halß oder zum wenigsten einen stadtschilling erlangen sollen, damit er und andere land- und leutbetrieger sich inkunftig fur solchen öffentlichen bubenstucken zu hutten gewust.
Anmerkungen
- ↑ Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 570f. Marginalie: "Orgelmacher krieget seinen abschied und wird das werck einem andern angedingt".