Pestilentz regiret hefftig (Enoch Widman)
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Pestilentz regiret hefftig | |
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| AutorIn | Enoch Widman |
| Entstehungszeit | 1596 |
| Entstehungsort | Hof |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Ausgaben | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Übersetzungen | |
| Forschung | |
Text
[1] In diesem jhar[2] hat die pestilentz allhie hefftig regiret, welche zuvor viel ort deudsches lands durchkrochen hatte, also daß zu dieser zeit bei 1400 personen nur allein hie zum Hof gestorben sindt. Ursach dieser pestilentz hat man damalß gehalten, das zwen burgerßsöhn aus frembden landen mit einem schweitzerischen tracht (da die gantze kleidung am leib, [S. 258] die leng herab in zweien unterschidlichen farben, alß rot und gelb oder gelb und blau, biß uff die fuß, zertheilt gewesen) wider anheims kommen und also in der stad sich sehen lassen. Und diese zwen burgerssöhne haben hernach, durch die geistligkeit dazu bezwungen, wegen der ubermesigen hoffart (wie mans gedeutet) dadurch sie ein solche straf über gemeine stad verursachet, offentliche bus thun müssen, indeme sie am obern theil des leibs entblöset, drei sontag nacheinander unter dem hohen ambt der meß, für der kirchthur zu S. Michel gestanden und ein ider zwo ruten in den armen gehabt und von der burgerschafft und von einem iglichen, wer da gewolt hat, einen rutenstreich dulden mussen, Gottes zorn uff diese weis zu stillen. Daraus dann unser lieben voreltern eifer zu allen tugenden, maß in kleidung und einem erbarn wandel wol zu vermudten und abzunehmen, alß die da nicht allein für sich erbarlich gelebt und eine feine erbare kleidung, wie aus alten gemälden zu sehen, getragen haben, sondern auch von der jugendt dergleichen erfordert und es für ein greuliche grose sund gehalten, mit der kleidung hoffart zu treiben. Wann itzt die lieben alten wider auffstehen und der itzigen verwehneten jugendt uppichen und leichtfertigen tracht aus niderlendischer, spanischer, welscher, französischer, oder gar pestilentzischer und teufflischer art zusammengeflicket sehen solten, wurden sie dieselbe nicht allein für die kirchthur, allda à miserere usque ad vitulos zu geisseln, sondern gar in den abgrundt der hellen weisen. Und das uns itzt gar lecherlich duncken möchte, daß sie die arme geringe hoffart (welche gegen der unsern nur eitel kinderspil und beurisch alber ding zu rechnen gewesen) so hefftig gestraffet und anders nicht gemeinet, Gott sei eben darumb über die stad Hof zornig, dieses ist ihnen warlich, ausser dem gelechter und gespott ein sonderlicher grosser ernst gewesen, ungeachtet, daß derselben pestilentz natürliche Ursachen konnen gefunden werden und fast das gantze Deudschland dieser strafen, so uff die creutzlein und andere wunderzeichen gefolget, nicht beubrigt gewesen, und zwar die pfaffen selbsten mit ihrem gottlosen wandel, wie zuvor berurt, wol mehr ursach zu dieser seuche gegeben haben, alß die armen zwen gesellen.
Anmerkungen
- ↑ Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 257f. Marginalie: "Pestilentz regiret hefftig".
- ↑ 1505.