Schiller wird im quas erschlagen (Enoch Widman)

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Schiller wird im quas erschlagen

AutorIn Enoch Widman
Entstehungszeit 1596
Entstehungsort Hof
AuftraggeberIn
Überlieferung Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Ausgaben Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Übersetzungen
Forschung

Text

[1] Anno 1566, den 28. februarii, donnerstag nach Faßnacht, ist Hanns Schiller, ein tuchmacher und damals welker uff der Spitalwalkmul, zu nacht zwischen 10 und 11 hor, kurtz vor mitternacht, erschlagen worden mit solcher gelegenheit. Alß die metzger nach altem brauch ihren quaß zu Faßnacht gehalten, bei ihrem wirth ein außgefulletes kalbsheutlein an den fussen mit kartenblettern gebutzet an stadt eines kegels außgehencket und am donnerstag nach Faßnacht zu fru einen aus ihrem mittel mit einer rauhen ochsenhaut und hörnern uff dem kopff vermummet oder verbutzet hatten, welcher von einer gaß zu der andern nicht anders alß ein leibhafftiger teuffel umblieffe und sonderlich das bauersvolk mit stoßen wol vexirte. Ferner am donnerstag zu nachts (do gleich die tuchmacher und knappen ihren vor alters hergebrachten laterntantz dißmal hielten) die metzger mit ihren kuglocken, schaffschellen und knutteln abermal alle gassen außliefen und tantzten und den vorzug vor den tuchmachern haben wolten; und weil ihnen derselbige nicht zugelassen, immerdar einen alten neid und grollen uff die tuchmacher hetten, haben sie sich im gemelten 1566. jar donnerstag nach Faßnacht zu abends mit ihren knutteln, stechmessern und andern waffen wol versehen, auch andern geselschafft und [S. 397] nachtraben an sich gehencket in willens den tuchmachern, welche ihren zeunertantz ohn alle wehr und waffen verrichteten und nimandt schedlich waren, ein pancket zu schenken. Do nun beede parteien oben in der stadt nicht fern vom schönen zihbrunnen zusammenkommen und die metzger mit ihrem anhang sich zu den wehrlosen tuchmachern mussigten und sie umbringeten, die tuchmacher aber uff kein weis dann mit auffgeklaubten steinen sich schutzen mochten und zu beden theilen ein grosser tumult und lermen entstunde, dazu auch ander leut zulieffen, ist gedachter Hans Schiller in solchem wilden wesen jemmerlich erschlagen worden, unwissendt, wer es aus dem gegentheil gethun. Obwol aber hirauff die tuchmacher mit den metzgern, deren ettliche gefangen gehalten wurden, lang zu thun hetten und doch in solcher grossen menge sich der thäter nicht wolt finden lassen, hat die obrigkeit die sach endtlich vertragen und aus weisem rath, fernere unrichtigkeit zu verhuten, den tuchmachern ihren quaß eine zeitlang, den metzgern aber ihr unsinniges wesen gantz und gar erleget, wie dann auch fast alle Faßnacht kurtzweil abgeschaffet worden, weil in kurtzer zeit nacheinander sich mancherlei böse fäll zutrugen. Da Philipp Ranck, ein tuchscherer, welcher zweien schreibern (alß des herren haubtmans und alten ambtschreibers) ihr stechbier helffen außtrincken und sich darüber zu tod gefallen. Item Michel von Glauga, ein burger in der Mordgassen, der sich diese zeit uber vermummet, sein leben auch einbussen müssen, daß lungen und leber von ihm gangen, weil der teuffel, wie man sagte, bei dem rörkasten in der Mordgassen feuer uff ihn und in sein vermumtes angesicht gespeiet hatte, darob er sich hefftig entsetzet und wenig tag hernach seinen geist auffgegeben hat.

Anmerkungen

  1. Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 396f. Marginalie: "Schiller wird im quas erschlagen".