Streit über Liebe und Schönheit (B411)

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Streit über Liebe und Schönheit / Ob lieb oder Schön baß zuͦ loben sey

AutorIn Heinrich Kaufringer (Zuschreibung zweifelhaft); Heinrich der Teichner (Berlin, Staatsbibl., mgf 564, fol. 292r)
Entstehungszeit
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Berlin, Staatsbibl., mgf 564, fol. 290v–292r [1] [2]
Ausgaben Sappler, Paul (Hg.): Heinrich Kaufringer. Werke, S. 263-269
Übersetzungen
Forschung Heiles, Marco: Heinrich Kaufringer Bibliographie 1809–2018; Klingner, Jacob: Streit über Liebe und Schönheit; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 673f.; Jurchen, Sylvia: Kaufringer; Sappler, Paul: Streit über Liebe und Schönheit;

Inhalt

Eine Frau fragt, ob Liebe oder Schönheit höher zu schätzen sei. Der Sprecher entscheidet sich für die Liebe, weil sie aus Tugend hervorgeht und an moralische Bindung geknüpft ist, während Schönheit nur äußeren Glanz und Stolz bietet und keinerlei Garantie für innere Qualität. Schönheit ohne Tugend führe zu Hochmut und werde von Klugen gemieden; lobenswert sei nur, wer Schönheit mit Tugend verbinde. Die Frau widerspricht heftig und erhebt die Schönheit über alles Geschaffene: Die ganze Welt begehre sie, Gott habe sie eingesetzt, sie präge jedes höfische Vergnügen, entzünde Minne und körperliche Lust und schmücke den Menschen mit sichtbarer Anmut. Der Sprecher gesteht zu, dass die Verbindung von Schönheit und Tugend ein Glücksfall sei, erklärt aber jede Schönheit ohne Tugend für trügerisch und schädlich, ein glänzendes Gefäß mit bitterem Inhalt. Er entfaltet dann einen Katalog der Vorzüge der Liebe: Sie ist tugendhaft, wohltätig, tröstend, gottgefällig, beständig, überall geschätzt und allein fähig, treue Bindungen zu schaffen; Schönheit dagegen vergeht rasch und kann ohne Liebe keinen festen Freund gewinnen. Auch ohne äußere Schönheit könne ein Mensch fein und tugendhaft sein. Am Ende markiert der Sprecher sich selbst als Autor.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 673f.)