Totenklage um Graf Wilhelm III. von Holland (B477)
|
Totenklage um Graf Wilhelm III. von Holland (B477) | |
|---|---|
| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Um 1337 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Berlin, Staatsbibliothek: Mgf 922, 14rb-17rb Berlin, Staatsbibliothek: Mgq 284, 57ra-60ra Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 112, 123v |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 873-875 |
Inhalt
A Prolog (1–25)
Der Sprecher richtet sich mehrfach an Gott und erklärt, dieser habe ihm ein wunderbares Erlebnis offenbart. Er bedauert, nicht die Deutungskraft eines berühmten Dichters zu besitzen, verspricht aber, dennoch sein Bestes zu geben.
B Spaziergangseinleitung (26–97)
Nachts wird der Sprecher von einem Unwetter überrascht und flieht in einen wilden, unwegsamen Wald, aus dessen Felsenhöhlen das Gebrüll gefährlicher Tiere dringt. Er meidet einen Sumpf, steigt ins Gebirge und gelangt schließlich zu einem idyllischen Ort mit Quelle und Vogelgesang. Dort entdeckt er eine verzweifelte Dame, die laut ihr Unglück beklagt.
C Gespräch mit Frau Tugend (98–157)
Die Dame begrüßt ihn und setzt ihre Klage über ihr freudloses Leben fort. Sie nennt sich Frau Tugend und berichtet, einst hier geherrscht zu haben, nun aber durch den Tod eines geliebten Menschen alles verloren zu haben. Nach einem Ohnmachtsanfall, aus dem der Sprecher sie mit Quellwasser erweckt, verweist sie ihn an ihre Schwester Frau Ehre, die noch tiefer trauere. Sie segnet ihn und weist ihm den Weg weiter hinauf ins Gebirge.
D Gespräch mit Frau Ehre (158–230)
Nach einem beschwerlichen Aufstieg erreicht der Sprecher eine Wiese, wo ihm sieben schwarz gekleidete Damen begegnen. Sie wundern sich über sein unversehrtes Erscheinen. Eine von ihnen klagt über den Tod eines Mannes, und der Sprecher erkennt, dass es Frau Ehre ist. Sie nennt die Namen ihrer Begleiterinnen, die alle denselben Verlust betrauern: Treue, Freigebigkeit, Mannhaftigkeit, Demut, Wahrheit und Beständigkeit.
E Hyperbolische Totenklagen der Tugenden (231–330)
Die Tugenden rühmen nacheinander die außergewöhnlichen Eigenschaften des Verstorbenen und beklagen den Verlust als weltverändernde Katastrophe. Jede betont, wie eng sie mit ihm verbunden war und wie sehr sein Tod ihr Wesen beschädigt hat. Auf die Frage nach seinem Namen verweisen sie den Sprecher an einen syrischen Sterndeuter, der noch höher im Gebirge lebe.
F Gespräch mit dem syrischen Sterndeuter (331–436)
Der Sprecher steigt weiter hinauf und findet auf dem Gipfel einen alten Mann mit Turban, der über einem Buch sitzt und ein Astrolabium hält. Dieser erklärt, dass die Himmelsbewegungen durch den Tod eines mächtigen Mannes gestört worden seien. Der Sprecher erkennt darin den Grafen Wilhelm von Holland und beklagt ihn. Der Sterndeuter zeigt ihm einen Stern, der die Aufnahme der Seele des Verstorbenen in den Himmel anzeige, und bittet um eine Beschreibung seines Wappens.
G Wappenlegende und Blasonierung (437–480)
Der Sprecher erzählt eine legendäre Herkunft des Wappens: Es stamme aus Arabien und sei von den Heiligen Drei Königen gefertigt worden, mit vier steigenden Löwen und einem prächtigen Helm mit rubinroter Krone und Pfauenwedel. Der Sterndeuter kündigt an, dieses Wappen aus Gold und Edelsteinen nachzubilden, um die Erinnerung an den Verstorbenen zu bewahren. Der Sprecher bestätigt die Angemessenheit dieser Ehrung und empfiehlt den Toten der Dreifaltigkeit.
(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 873-875)