Totenklage um Graf Wilhelm IV. von Holland (B478)
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Totenklage um Graf Wilhelm IV. von Holland (B478) | |
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| AutorIn | Vruodengber |
| Entstehungszeit | Überlieferung 1440-1475 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Den Haag, Koninklijke Bibliotheek: Cod. 128 E 2, 22rb-26rh |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 875-877 |
Inhalt
A Spazierritt (1–74)
Der Sprecher erwacht in einer Maiennacht aus einem Traum, der ihm alle Liebessorgen genommen hat, und beschließt, aktiv nach Freude zu suchen. Am Morgen reitet er los und gelangt rasch zu einem idyllischen Ort voller Vogelgesang, Quellen und blühender Bäume. Dort fühlt er sich völlig sorglos, wundert sich jedoch, dass die höfische Gesellschaft diesen Ort offenbar meidet.
B Gespräch mit Frau Höfischheit (75–225)
Er entdeckt eine fröhliche Gruppe und wird von einer Dame angesprochen, die nach Neuigkeiten fragt. Er nennt sich Vruodengher, ein wandernder Edelmann auf der Suche nach guter Gesellschaft. Die Dame beschreibt ihm eine nahe Burg, die ausschließlich von Damen bewohnt wird und nur ehrenwerte Männer einlässt. Sie erklärt die höfische Ordnung des Empfangs: Tugend und Huote am Tor, Klugheit im Saal, Scham vor der Kammer der Herrin. Die Herrin sei die Kaiserin Frau Ehre, unterstützt von Frau Minne und zahlreichen weiteren Tugenden. Schließlich nennt sie sich selbst Frau Höfischheit. Der Sprecher verabschiedet sich und folgt ihrer Spur zur Burg.
C Begegnung auf der Burg (226–370)
Auf der Burg wird er von den wachenden Tugenden freundlich empfangen, die ihm das baldige Ende seines Leids ankündigen. Im Saal überwältigt ihn der Anblick der Herrscherinnen. Frau Ehre fragt nach Neuigkeiten, doch sie fordert ihn zugleich auf, sich der Freude der Gesellschaft anzuschließen, da auf der Erenborch nur Wohlwollen und Heiterkeit gelten. Der Sprecher fühlt sich wie im Himmel unter unbeschwerten Rittern und Damen, die durch die Blicke von Ehre und Minne in Hochstimmung versetzt werden.
D Todesnachricht und Totenklagen (371–549)
Ein schwarz gekleideter Bote überreicht Frau Ehre einen Brief, worauf sie ohnmächtig zusammenbricht. Nach dem Erwachen liest sie unter Tränen weiter und gibt den Brief an Frau Minne und die anderen Tugenden weiter. Jede der anwesenden Personifikationen beklagt den Tod eines vorbildlichen Ritters und preist seine Bedeutung für ihr eigenes Wesen: Ehre sieht sich zerstört, Minne rühmt seine Hingabe, Freigebigkeit seine Gaben, Reinheit seine untadelige Haltung, Würde sein Ansehen, Freude seine Geselligkeit. Weitere Tugenden werden summarisch erwähnt, ebenso die namenlose Minnedame, die den Verlust ihres treuen Dieners beklagt.
E Tatenerzählung, Blasonierung und Fürbitte (550–647)
Frau Mannhaftigkeit schildert die historischen Taten des Verstorbenen: Feldzüge in Preußen und Litauen, Kämpfe gegen Frankreich mit Nennung mehrerer Schlachten, eine Jerusalemfahrt, Belagerungen und Kriegszüge bis nach Friesland. Nach der Erwähnung seines Todes vor Staveren folgt eine kurze Blasonierung seines Wappens mit vier Löwen auf goldenem Grund. Sie schließt mit einer Fürbitte für den Ritter und alle Gefallenen.
F Schluss (648–657)
Im allgemeinen Wehklagen verlässt der Sprecher die Burg und reitet heimwärts.
(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 875-877)