Totenklage um Herzog Johann I. von Limburg und Brabant (B474)

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Totenklage um Herzog Johann I. von Limburg und Brabant (B474)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Um 1294
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 717, 119va-122rb
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 865-868

Inhalt

A Exposition (1–27)

Der Sprecher befindet sich in heiterer Stimmung und fühlt sich von früherem Schmerz befreit. An einem Maientag begegnet er fünf schönen Damen, denen er zunächst unbefangen entgegentritt. Nach dem höfischen Gruß erkennt er jedoch, dass sie in tiefer Trauer stehen.

B Klagereden der Damen (28–244)

Frau Ehre stellt die vier anderen Damen vor und erklärt, dass sie gemeinsam gegen Frau Minne klagen, weil diese ihnen einen geliebten Ritter genommen habe. Jede der Damen verbindet ihre Trauer mit einem ausführlichen Lob seiner ritterlichen Tugenden. Frau Ehre betont seine enge Bindung an sie und seinen Mut im Kampf, Frau Treue hebt seine Unerschütterlichkeit hervor, Frau Saelde erinnert an seine fromme Haltung und seine ersten ritterlichen Weihen, und Frau Milte beklagt den Verlust eines außergewöhnlich freigebigen Ritters, dessen Großzügigkeit und Fürsorge für die Ritterschaft unerreicht gewesen seien. Sie unterstreicht, wie sehr sein Tod die höfische Welt verarmt habe und macht Minne für das Unglück verantwortlich.

C Verteidigungsrede der Frau Minne (245–262)

Frau Minne weist die Vorwürfe zurück und erklärt, sie habe den Ritter stets unterstützt. Da er sich von Jugend an in ihren Dienst gestellt habe, betrauere auch sie seinen Tod zutiefst.

D Versöhnung und Fürbitte (263–278)

Die Damen akzeptieren die Verteidigung der Minne. Gemeinsam richten sie eine Fürbitte an Maria, den verstorbenen Ritter für seine guten Taten zu belohnen.

E Klagerede des Sprechers (279–359)

Der Sprecher, der selbst zum Gefolge des Ritters gehörte, bestätigt dessen Tugenden aus eigener Erfahrung. Er beschreibt die enge Verbindung des Ritters zu den Tugenden Ehre, Treue, Saelde, Milte und Minne und betont, dass dieser sein Leben bereitwillig für die Minne eingesetzt habe. In einer Reihe hyperbolischer Klagen hebt er hervor, dass mit dem Ritter ein unvergleichlicher Vertreter des ritterlichen Ideals gestorben sei.

F Blasonierung (360–387)

Der Sprecher beschreibt die heraldischen Zeichen des Verstorbenen und verbindet sie mit einer Totenklage: Schild, Wappen und Helmzier seien nun bedeutungslos geworden, da niemand mehr da sei, der sie tragen könne.

G Namensnennung (388–401)

Der Verstorbene wird als Herzog Johann von Limburg und Brabant identifiziert. Sein Tod wird als Folge eines gefährlichen Unternehmens dargestellt, zu dem ihn die Minne getrieben habe. Der Sprecher schließt mit einem persönlichen Segenswunsch.

H Epilog (402–405)

Der Sprecher beendet seine Rede mit einer Schlussformel und wünscht sich, dass ihr ehrender Inhalt verbreitet werde — jedoch nur unter jenen, die ihm wohlgesinnt sind.

(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 865-868)