Totenklage um die Herzogin Beatrix von Tirol (B476)

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Totenklage um die Herzogin Beatrix von Tirol; rede auf Beatrix; Klage um eine edle Herzogin

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Nach 1334
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Karlsruhe, Landesbibliothek: Hs. Donaueschingen 104, 116vb-120va
Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 313, 303v-314r
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Totenklage um die Herzogin Beatrix von Tirol; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 870-872

Inhalt

A Spazierritt (1–24)

Der Sprecher reitet eines Morgens auf einem steinigen Pfad durch gebirgiges, unwirtliches Gelände und folgt seiner Lust auf Aventiure, während er sich durch eine karge, schwer zugängliche Landschaft hocharbeitet.

B Auftritt der Personifikationen (25–151)

Er hört lautes Klagen, bindet sein Pferd an und entdeckt hinter einem Felsen zwei Damen, die er zunächst für Geister hält. Beide wünschen sich im Schmerz über einen Verlust den Tod. Trotz ihrer Trauer erkennt er ihre außergewöhnliche Schönheit. Auf ihren schwarzen Witwenkleidern tragen sie goldgestickte Verse, die ihre Namen — Ritterschaft und Freude — und ihre Klage offenbaren. Der Sprecher freut sich, ihre Identität entziffert zu haben.

C Belauschte Klagen (152–466)

Frau Freude erklärt, aller höfischen Freude beraubt zu sein. Frau Ritterschaft beklagt ausführlich den Niedergang ritterlicher Tugenden: vernachlässigte Rüstungen, verfallene höfische Kultur, verblichene Wappen, fehlende ritterliche Haltung und ein nahezu erloschenes Turnierwesen. Sie schildert die einst prachtvolle Ausstattung der Ritter, die kunstvollen Wappenkleider, die Musik, die festlichen Aufzüge und die leidenschaftlich geführten Kämpfe. Beide Damen betonen, dass mit dem Tod ihrer Herrin der Sinn aller ritterlichen Bestrebungen verloren gegangen sei. Frau Freude beschreibt anschließend das frühere höfische Leben und das dramatische Begräbnis der Verstorbenen, bei dem Ritter und Damen in maßloser Trauer zusammenbrachen. Nun sei der Hofstaat zerstreut und verwaist. Frau Ritterschaft fällt schließlich in Ohnmacht, und Frau Freude sinkt verzweifelt neben sie.

D Begegnung und Gespräch mit den Frauen (467–638)

Der Sprecher tritt hervor, holt Wasser und belebt die beiden Ohnmächtigen mit feuchtem Gras. Frau Freude dankt ihm, während Frau Ritterschaft lieber gestorben wäre. Auf seine Nachfrage erklären sie, dass sie um eine hochgeborene Dame trauern, die sie als Herzogin von Tirol und aus savoyischer Herkunft identifizieren. Der Sprecher mahnt zur Rückkehr in die Welt, doch die Damen wollen in der Einöde bleiben und ein Einsiedlerleben führen. Sie schließen eine Fürbitte für die Verstorbene an. Frau Freude gibt dem Sprecher den Auftrag, überall von ihrem Zustand zu berichten, und er verabschiedet sich mit einem Segenswunsch.

(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 870-872)