Tumult in der stadt erregt (Enoch Widman)
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Tumult in der stadt erregt | |
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| AutorIn | Enoch Widman |
| Entstehungszeit | 1596 |
| Entstehungsort | Hof |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Ausgaben | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Übersetzungen | |
| Forschung | |
Der Text folgt direkt auf Verenderung der kirchenordnung (Enoch Widman).
Text
[1] Den 16. martii[2], am Palmsontag, zu abends umb 8 hor, ist uff der Rabensteiner malzeit im spital umb einer nichtigen ursach wegen (da der edelleut diener furgegeben, alß hett man ihnen nicht gnug futter gereichet) ein unbesunnener tumult und ufflauffen in der stad entstanden, daß man uff S. Michelßkirchen und uff dem Untern Thor sturm schlagen lassen, dergleichen ausser feuersbrunsten in 49 jharen seindt dem gefehrlichen aufflauf anno 1551 am abend Jacobi, nicht geschehen, da über dieses die schröter bedes, uff dem marck und in der Closter- und Mordgassen, die burger mit ihren besten waffen für dem Untern Thor zu erscheinen bei 10 und 20 fl straff uffgefordert und also nicht wenig erschrecket, daß sie hin- und hergelauffen und nicht gewust, was furhan[S. 518]den sei, dann einstheilß furgegeben, der herr haubtman (welcher gleichwol der malzeit denselben tag nicht beigewohnet) were im spittal umbgebracht, einstheils man hette den spitalmeister erstochen, andere, weil man ein latern oben an S. Michelßthurn außgehenckt und die leuchten oder feuerpfennlein an den ecken der gassen angezundet, vermeinten, es were feuerßnot furhanden. Die vierdten macheten ein geschrei, die Spanier weren heimlich durchs landt kommen und hetten albereit die Vorstadt eingenommen. Do es doch nur ettliche volle seu angetroffen, die umb angeregter ursach willen der Sachen uneins worden und zur wehr gegriffen, darauff der spitalmeister, gegenschreiber, wagmeister und stadschreiber (welchen die edelleut deß lermens einen anfenger beschuldigten) dem trüben wetter zu entgehen sich in ein kammern versperret, welches dann ursach gegeben, weil man derselben keinen fast bei einer stundt lang gesehen, daß ettliche gedacht, es muste mit ihnen nicht recht zugehen. Stunde also die burgerschafft, so ins spital gelauffen waren, in schrecken und gefahr, in deme aus ihrem mittel (obgedachte vier personen und andere des raths zu retten) ettliche die stigen im spitalhof hinauffgeschossen, dadurch sie doch ebensobald freundt alß feindt treffen und uff solche weis in leibs- und lebensgefahr hetten kommen können, aber Gott verhütet allen fernem unrath und wurden die Rabensteiner ungefehr umb 9 hor bei nacht hinauff uff das schloß gefuhret und dem herren haubtman vorstellig gemacht, welcher dann, nach erkundigung und befindung allerhandt verlauffener sachen, sie alßbalden in ihre herberg gelassen und daselbsten verstricket biß uff nechstfolgenden mitwoch, den 19. martii, da bedes gedachte vom adel und ein erbar rath, uff dem schloß nach notturfft gehöret und miteinander widerumb verglichen worden.
Anmerkungen
- ↑ Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 517. Marginalie: "Tumult in der stadt erregt".
- ↑ 1600.