Turck erlegt die Christen fur Varna (Enoch Widman)

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Turck erlegt die Christen fur Varna

AutorIn Enoch Widman
Entstehungszeit 1596
Entstehungsort Hof
AuftraggeberIn
Überlieferung Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Ausgaben Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Übersetzungen
Forschung

Text

[1] In diesem jhar,[2] den 10. novembris, am abend Martini des heiligen bischoffs, haben die Christen einen grossen schaden erlitten, bei der stad Varna am Euxinischen meer ungefehr 20 meilen von Constantinopel, welche stadt vor Zeiten Dionysiopolis genant worden. Bei dieser stad, so in Bulgaria gelegen, alß die Christen mit Amurathe II. dem turckischen keiser, drei tag und nacht aneinander hefffig gestritten und fast die oberhand gehabt, haben ettliche bischoff (welche billich daheimen bei ihren kirchen bleiben, lehren und beten sollen) aus leichtfertigkeit der Christen Schlachtordnung entblöset, daß Amurathes sein krigßvolk an ihre stat hineingebracht und also der Christen Ordnung zertrennet, das ein grausam und erbermlich blutvergisen daraus erfolget, in welchem der konig Ladislaus in Ungern, welcher bei 40000 Behem, Ungern und Poläcken beisammen hatte, ist erschlagen worden sampt dem Cardinal Juliano, des babsts Eugenii legaten, der sich im Hussitischen [S. 182] krig auch hette weidlich gebrauchen lassen und den könig Ladißlaum geursachet,[3] den bund und friden nicht zu halten, den er neulich zuvor mit Amurathe uff zehen jhar lang gemachet hette. Johann Hunniades, ein Verwalter in Siebenbürgen und graf zu Pistritz, keiser Sigismundi unehlicher sohn, den er mit einer Grichin gezeuget, sahe diesen zug wider den Turcken (weil Ladißlaus demselben einen eid bei dem lebendigen wahren Gott geschworen, uff 10 jhar lang mit ihme friden zu haben), sehr ungern und darumb halff ihm Gott, daß er in dieser blutigen schlacht, darinnen zu beden theilen viel tausend menschen erschlagen wurden, durch die flucht davon kam, darinnen doch die bischoffe und pfaffen neben dem Cardinal Juliano j emmerlich umbkamen und im schlam und kot ersticken musten, alß die da Ladißlao zu einem meineid ursach gegeben hatten.

Man schreibet, daß Amurathes, der turckische keiser, alß er ein crucifix gesehen, welches die Christen in der Schlachtordnung vorangetragen, mit lauter stim geschrien hab: „Du gecreuzigter Christe, bistu ein warer Gott, so schütte deinen zorn aus über dein volk, welches den eid, in deinem namen geschehen, so schendlich ohne ursach gebrochen hat.“ Und hat also Gott im himel sein ehr gerettet und der feinde gottslesterung dadurch gestillet, doch das Amurathes, welcher den sieg erhalten, in seinem volk bei 30000 man eingebusset und nach erlangtem sieg nimmer frölich worden, sagte auch, er begerte nicht offt also zu siegen, da er mehr an leut und gut verlohren dann gewonnen. Machte derowegen seinen eltern sohn Mahomethem II. zum keiser an seine stadt, wolte das gluck nicht ferner versuchen, meinete, er hett genug gethan und nam einen mahometischen orden in Asia an und ward ein turckischer monch.

Es hat auch Dracula, ein sighaffter tyrann und herr in der Walachei, [S. 183] dem könig Ladißlao diesen zug wider den Turcken hefftig widerrathen, idoch aus grosser bit seinen sohn mit 200 pferden mit gesandt und zu Ladißlao gesagt, er schencke ihm himit ein schnell kostlich pferd, dergleichen er seinem sohn auch eins gegeben, uff daß, wann sie siegloß in die flucht geschlagen wurden, wie er sich dann besorge und nicht anders gedencke, sie bede uff diesen pferden in der flucht möchten entreiten. Es halff aber solches schnelles pferd könig Ladislaum nichts,[4] sondern er muste sein leben neben den pfaffen schendtlich einbussen, da doch Johann Hunniades, der ihme alß ein sighaffter trefflicher held und weidlicher krigsman anfangs treulich beigestanden durch die flucht neben 10000 Walachen und Ungarn, davonkommen und hernach durch Gottes segen das Ungerland wider den türkischen keiser Mahometem II. beschützet und ihme in der belagerung vor griechischen Weissenburg 40000 man erleget, wie er dann auch zuvorn dem Turcken ettliche sieg aberhalten und derwegen nicht unbillich der Turcken donner und plag genennet worden ist.

Es ist aber bei dieser niderlag der Christen sonderlich zu mercken, das nach deme der turckisch keiser Amurathes vernommen, wie Ladißlaus meineidig worden und ihme in sein land Bulgariam gefallen, er sich auffgemachet hab seinem feind zu begegnen und doch bekümmert gewesen, wie er über das meer Hellespontum, welches Asiam von Europa scheidet, ungehindert und ohne der Christen widerstandt kommen möchte. Da ihm dann die Welschen schiff, die treulosen geltsuchtigen Genueser auffgenommen und sampt seinem volk an einem engen ort deß meers bei der stad Calliopoli, da das meer nicht über 5 stadia oder roßlauff breit, sonder am engsten ist, ubergefuhret haben. Dann es namen die Genueser alß böse verruchte Christen von einem iden Turcken 1 goldgulden und fuhreten den feindt des christlichen namens der Christenheit uff den halß umb das schnöde gelt und ward ihnen zum schifflon 100000 fl, welches der Turck gerne gegeben und durch diese und andere gelegenheit sampt seinem sohn Mahomete hernach fast das gantze Grichenland in seinen gewalt bekomen, wie in des herrn Philippi Chronico weitleufftig zu lesen ist.

Anmerkungen

  1. Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 181-183.
  2. 1444.
  3. Marginalie: "Nota bene Uff der wahlstadt hat man gantze berge mit begrebnus der todten cörper geschüttet und die felder mit den langen rören der bein oder schenckel umbzeunet".
  4. Marginalie: "Dergleichen rede setzen ettliche, soll Dracula gegen keiser Sigmund sich haben vernemen lassen, alß derselb wider den Turcken gezogen".