Von dem roten Mund (Heinrich der Teichner) (B274)

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Von dem roten Mund (Heinrich der Teichner) (B274)

AutorIn Heinrich der Teichner
Entstehungszeit Ca. 1350-1377
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Berlin, Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz: Ms. germ. fol. 564, 302v-304v
London, British Library: Add. 24946, 25r-26v
München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 574, 80r-80v
Wien, Österreichische Nationalbibliothek: 2819, 82ra-82va
Wien, Österreichische Nationalbibliothek: 2848, 41r-42r
Wien, Österreichische Nationalbibliothek: 2901, 95ra-95va
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 429f.

Inhalt

A Lob der erfüllten Minne

Der Sprecher berichtet, er sei einst gefragt worden, was das höchste Gut auf Erden sei. Seine Antwort: der rote Mund einer schönen Frau. Ihr Gruß, Blick, Verhalten und Reden könnten jede Traurigkeit vertreiben — etwas, das kein materieller Schatz vermöge. Fügten sich „Liebeswerke“ hinzu, sei das wertvoller als alles Gold. Lägen die Liebenden beieinander, verschwinde jedes Leid. Vogelgesang und Maienfreude seien nichts im Vergleich zur Wonne einer ehrenhaften Minneerfüllung, bei der Mund an Mund und Brust an Brust liege. Doch weitergehende Minne führe oft zu Herzensklage.

B Lehrdialog

Eine weise Frau fragt, wie eine Frau den Schatz eines reinen Lebens bewahren könne. Der Sprecher antwortet: durch Zucht, Scham und Beständigkeit. Die Frau schildert ihr Dilemma: Freundlichkeit werde von törichten Männern missverstanden, Zurückhaltung als Hochmut gedeutet. Der Sprecher rät, alle Männer gleich zu grüßen, damit niemand bevor- oder benachteiligt erscheine; ein vorenthaltener Gruß bringe Unheil. Eine Frau solle genau auf ihre Grüße achten, denn ihr Leben liege in ihrer Hand. Erkenne sie bei einem Mann echten Anstand, solle sie ihm treu sein und ihn höher schätzen als Gold. Wer jedoch ihren Ruf gefährden wolle und die „Blume ihrer Ehre“ zu Fall bringen wolle, sei zu meiden. Eine gute Frau müsse besonders vorsichtig sein, da sie von Natur aus freundlich sei und nicht leicht erkenne, wer böse Absichten habe. Ein betörter Mann könne ihre Freundlichkeit verdrehen, überall herumposaunen und behaupten, ihre Gedanken zu kennen. Solche Männer hätten eine zu lange Zunge und zu wenig Verstand. Der Text endet mit der Autorsignatur.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 430)