Von den Alten und Jungen (Willem van Hildegaersberch) (B344)
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Von den Alten und Jungen (B344) | |
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| AutorIn | Willem van Hildegaersberch |
| Entstehungszeit | Um 1400 |
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| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Brüssel, KBR 15659-61, 324 Den Haag, Königliche Bibliothek: Cod. 129 E 6, 37rb-39rb |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 531 |
Inhalt
A Spaziergangseinleitung (1–58)
An einem frühen Hochsommertag geht der Sprecher spazieren. Lerchen, Nachtigallen und viele andere Vögel singen beim Sonnenaufgang. In einem Tal trifft er auf eine gemischte Gesellschaft von Alten und Jungen, die sich zu höfischem Vergnügen versammelt haben, darunter ausgezeichnete Sänger und Spielleute. Die jungen Leute setzen sich in einen Kreis auf den Rasen – nur eine schöne junge Frau bleibt außerhalb des Kreises und widmet ihre Aufmerksamkeit ausschließlich den Alten.
B Dialog (59–99)
Der Sprecher wundert sich über ihr Verhalten, geht zu ihr und begrüßt sie. Sie kennt seinen Namen (Willem) und sagt, sie wolle mit ihm über neue Themen sprechen, über die er später dichten könne. Auf seine Frage, warum sie sich zu den Alten setze, bittet sie ihn, aus dem, was sie ihm nun sagen werde, ein gutes Gedicht zu machen.
C Monologische Lehrrede (100–308)
Die Frau hält eine lange Lehrrede über das Verhältnis von Jugend und Alter:
- Jung und Alt seien ursprünglich gleich, aber im Leben sehr ungleich.
- Alt und weise zu sein sei ein großer Reichtum; Jugend sei angenehm, aber unbewährt.
- Viele würden durch Hochmut, Gier, Bosheit, Völlerei, Wollust und Übereilung zugrunde gehen, bevor sie alt würden.
- Wer alt werden wolle, müsse sich beherrschen – und damit schon in der Jugend beginnen.
- Die Jugend sei stark, aber nicht ausdauernd; sie könne Sorgen schlecht tragen.
- Gott habe deshalb einen alten Mann, Noah, mit dem Bau der Arche betraut.
- Gute Friedensordnungen entstünden dort, wo Recht auf Rede gegründet sei – und die Alten hätten gehört, gesehen und erfahren, was die Jungen nicht erlebt hätten.
- Im Kampf seien die Jungen kräftig, aber die Alten wüssten, dass auch die Nachhut stark sein könne.
- Seligkeit und Ehre fänden sich bei alten Menschen; man solle sie in Klöstern wie an Höfen loben.
- Wer auf seine Jugend stolz sei, vertraue auf wackelnden Grund.
- Die Jugend dauere nur kurz: bis zwanzig sei man ein Kind, um dreißig auf dem Höhepunkt, um vierzig beginne das Alter.
- Die Zeit vergehe wie der Wind.
- Alte lebten oft länger gut und gesund; die Bibel zeige, dass Gott den alten Vätern lange Lebenszeit schenkte.
- Auch viele Heilige hätten in der Jugend ihr Leben hingegeben.
- Alte seien zufriedener, weil sie die Jugend bereits erlebt hätten; die Jugend sei unbesonnen und kämpfe leichtfertig um Dinge, die die Alten nicht kümmerten.
- Weisheit und Gelehrsamkeit fänden sich häufiger bei Alten als bei Jungen.
D Schluss (309–324)
Der Sprecher wünscht der Dame alles Gute. Da er selbst alt geworden sei, halte er sich gern bei Frauen auf, die das Alter ehren. Wer alten Menschen Ehre erweise, werde selbst geehrt.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 531)