Von den guten Frauen (Willem van Hildegaersberch) (B222)
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Von den guten Frauen (B222) | |
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| AutorIn | Willem van Hildegaersberch |
| Entstehungszeit | ca. 1400 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Brüssel, KBR: 15659-61, 8ra-8vb Den Haag, Koninklijke Bibliotheek: Cod. 129 E 6, 50ra-41ra Den Haag, Koninklijke Bibliotheek: Cod. 75 H 57, S. 89f. |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 300f. |
Inhalt
A Kasus und Minnelehre (1–85)
Der Sprecher eröffnet mit der Lehre, dass ein Mann, der die Gunst einer guten Frau empfängt, ihr ebenfalls Gutes schulde. Er berichtet von einer Frau, die klagt, weil der Mann, dem sie ihre Zuneigung schenken wollte, sie kaum beachtet. Daraus folgert er: Treues Warten verdient Belohnung, und wer seinen Freunden nicht hilft, obwohl er könnte, entehrt sich selbst. Zugleich warnt er davor, dass Frauen sich von unvernünftigen, aber äußerlich ansprechenden Männern täuschen lassen. Ein törichter Mann, der nicht einmal mit Gutem umgehen kann, tauge auch nicht im Umgang mit Frauen. Ein schlichter, tugendhafter und ehrenvoller Mann hingegen solle Frauen achten. Ein Dummkopf erkenne ihren Wert nicht; Frauen seien höher zu schätzen als Gold und Edelsteine, denn sie befreien das Herz von Kummer und wecken den Mann zu ehrenhaftem Streben. Wahre Minne verlange gute Taten, weshalb der Böse wenig Anerkennung finde, anders als jener, der für eine Frau Leben und Besitz riskiert. Wer schlecht über Frauen rede, verdiene Spott. Da Marias Heilstat den Sündenfall ausgleiche, solle ein treuer Mann guten Frauen dienen.
B Klage der abgewiesenen Dame (86–121)
Der Sprecher kehrt zum eingangs erwähnten Fall zurück. Die Frau habe sich bei ihm über den abweisenden Mann beklagt und erklärt, sie werde ihn dennoch weiter verfolgen wie ein Jäger das fliehende Wild. Wer die Jagd zu früh aufgebe, verliere die Beute. Sie wolle alles riskieren, ob sie gewinne oder verliere. Danach trennen sich Sprecher und Jungfrau.
C Kommentar (122–145)
Der Sprecher will sie nicht von ihrem Vorhaben abbringen, denn ein Liebender solle seine Sache entschlossen verfolgen. Er erläutert dies mit Bildern und Sprichwörtern: Wo Wille, Hoffnung und Freude zusammenkommen, entsteht Stärke; Liebe kehrt zum Ursprung zurück; der Kranke sehnt sich nach Gesundheit; wer halb über den Graben ist, geht weiter; wer halb durch die Furt ist, schreitet voran, auch wenn er nass wird. Klug sei, wer vor dem Ankern prüft, ob der Grund Halt bietet; wo der Boden trägt, darf der Schiffer mutig sein.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 300f.)