Von den zweien todten kindlein, so zur Himelcron gezeiget werden (Enoch Widman)
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Von den zweien todten kindlein, so zur Himelcron gezeiget werden | |
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| AutorIn | Enoch Widman |
| Entstehungszeit | 1596 |
| Entstehungsort | Hof |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Ausgaben | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Übersetzungen | |
| Forschung | |
Text
[1] Zwei todter kindtlein zeigt man im closter Himmelkron, ein kneblein und ein mägdlein, derer vatter gewesen ist Otto graf von Orlamund, des closters Stifter. Sein gemahl aber frau Beatrix, Ottonis Magni, deß herzogen von Meran tochter, kan dieser kindlein mutter nicht gewesen sein, weil sie zur zeit, da diser mord geschehen, schon über die 60 jhar muste erreichet haben, da dann ein junger freudiger herr sich umb ein solche alte wittwe nicht sehr wurde haben verlangen lassen. Ist derowegen glaublicher, daß gedachter graf von Orlamundt nach absterben seines ersten gemahls ihme ein ander fürstlich gemahl genommen (deren namen und geschlecht man gerne verschweigen wollen) mit welcher er in seinem alter noch zwen junge erben, ein knäblein und mägdlein gezeuget und hernach bald verschiden ist. Die hinterlassene wittfrau aber alß noch ein junges, freches und [S. 84] stoltzes weib, nachdem burggraf Albrecht zu Nürnberg sich vernehmen lassen, wann es ohne vier augen were, wolt er sie zur ehe nehmen, hat sie aus unsinniger lieb gegen dem burggrafen, und weil ihr seine wort: „Freulein von Orlamundt, were es ohne die zwei kindt“ sehr tieff im hertzen lagen, ihre zwei kindlein, deren keines zwei jhar erreichet, mit einer grossen nadel oben uff den heubtlein in die hirnschalen gestochen und sie also getödtet. Damit, wann kein anzeigen einiger wunden oder des bluts vorhanden were, es die leut dafür hilten, sie weren natürliches todes gestorben. Ist aber dieser mord durch Gottes Schickung endtlich an tag komen und diese gräfin nicht unbillig die deudsche Medea genant und sonders zweiffel von Gott greulich gestraffet worden. Die todten kindlein sind in das closter Himelkron geschaffet worden, damit sie frembden leuten, so an das ort kommen, zum ewigen gedechtnus gezeiget wurden.
Diese mordthat ist geschehen zu Blassenburg, da die wittfrau ihren sitz gehabt, nach absterben ihres ersten gemahls ungefehr umb das jhar Christi 1298. Dann gedachter Albertus, burggrafen Friderici primi jüngster sohn, ist zu der zeit nicht viel über 18 jhar alt gewesen, sintemal er von Beatrice, der herzogin aus Sachsen, erzeuget worden, sowol seine bruder Fridericus secundus, Cunradus und Johannes. Mit seinem ersten gemahl frauen Elisabeth, herzogin von Meran, hat Fridericus I. keinen erben bekommen und diese hat anno 1275 noch gelebet. Es ist aber vermutlich, das sein sohn Albertus die kindermörderin nicht zur ehe wird genommen haben, alldieweil weder von ihme noch von ihr ettwas ferners auffge[S. 85]zeichnet ist und Gott ohne zweifel mit seiner straf nicht wird aussenbliben sein, sonderlich weil bei dem 1298. jhar gemeldet wird, daß zwene burggrafen zu Nürnberg erschlagen sein, mus nothalben dieser Albertus und sein bruder Johannes dabei verstanden werden, weil die andern bede bruder Fridericus und Conradus lange zeit nach dieser that in Gott selig entschlaffen sindt.
Anmerkungen
- ↑ Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 83-85.