Von der Liebe (Heinrich der Teichner) (B287)

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Von der Liebe (B287)

AutorIn Heinrich der Teichner
Entstehungszeit Überlieferung ab 2. Hälfte 14. Jhd.
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Wien, Österreichische Nationalbibliothek: 2819, 45vb-46va
Wien, Österreichische Nationalbibliothek: 2901, 58va-59rb
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 446f.

Inhalt

A Exposition

Der Sprecher beschreibt die glühende Liebe zwischen zwei Menschen als ein natürliches Geschehen, das oft schon durch einen ersten Blick ausgelöst wird. Ein Wunder sei nicht die Entstehung dieser Liebe, sondern vielmehr, dass ihn die Frau, der er vor allen anderen den Vorrang gibt, so sehr hasst. Ihre Schönheit und Tugendhaftigkeit gefallen ihm, auch wenn ihr Verhalten dem widerspricht.

B Lob der Tugend

Tugendhafte Menschen genießen allgemeine Wertschätzung; selbst Unbekannte sind ihnen wohlgesonnen. Dieses Prinzip gelte sogar unter Tieren: Unter vielen Hunden finde sich stets einer, der durch seine Fähigkeiten hervorsticht und deshalb zu Recht Vorrang erwartet. Wer vollkommener sein wolle als seine Vorfahren, solle sich durch Tugend auszeichnen. Der weniger Tugendhafte strebe stets nach dem Besseren, während der Tugendhafte sich nicht für den Schwächeren interessiert. Der Schwächere wiederum suche Fehler beim Tugendhaften, um sich von ihm abgrenzen zu können.

C Drei Arten der Liebe

Der Sprecher unterscheidet drei Formen der Liebe. Erstens die Liebe durch Schönheit: Ein Mann wird durch den Anblick eines schönen jungen Mädchens überwältigt und kehrt, durch ihren Gruß ermutigt, immer wieder zu ihr zurück; der rosige Mund verstärkt die durch den Blick entstandene Liebe. Zweitens die Liebe durch Tugend: Ein Mensch kann durch tugendhaftes Verhalten Herzen gewinnen, die anders geartet sind; diese Liebe entsteht weder durch Natur noch durch äußeren Eindruck. Drittens die Liebe durch Natur: Sie bringt alle Lebewesen dazu, ihre Artgenossen und besonders ihre Kinder zu lieben. Der Sprecher erläutert dies am Beispiel der Raben, deren Eltern ihre Jungen trotz ihrer Hässlichkeit für einzigartig schön halten. Diese natürliche Liebe sei blind und töricht und könne dazu führen, dass ein Mann eine Frau wählt, die niemandem gefällt, wodurch er Freunde und Ansehen verliert. Die beste Form der Liebe sei daher die tugendgegründete, da sie allgemeine Zuneigung einbringe. Natürliche Liebe dagegen isoliere und mache den Menschen unbeliebt. Der Text endet mit der üblichen Schlussformel.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 446f.)