Von der schwankende Brücke (Willem van Hildegaersberch) (B367)

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Von der schwankende Brücke (B367)

AutorIn Willem van Hildegaersberch
Entstehungszeit 1383-1408
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Brüssel, KBR: 15659-61, 47rb-48rb
Den Haag, Koninklijke Bibliotheek: 28vb-29va
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 578f.

Inhalt

A Spaziergangseinleitung (1–31)

An einem Maienmorgen kommt der Sprecher an einen Fluss. Die Fische schwimmen, die Vögel singen, besonders die Nachtigall, und sein Kummer weicht.

B Der Sturz von der Brücke (32–87)

Auf der anderen Seite einer stark strömenden Stelle ruft eine Frau, er solle zu ihr kommen. Er erwidert, es gebe weder Schiff noch Brücke. Daraufhin errichtet sie sofort eine Brücke und versichert, ihr Fundament sei sicher. Der Sprecher überquert sie voller Zweifel und Furcht und prüft bis zuletzt ihre Festigkeit. Er betont, die Frau habe ihn mehr geliebt als alle anderen. Doch am Ende sei er schlecht belohnt worden: Sie habe ihn von der Brücke gestoßen, sodass er ins Wasser stürzte. Wer oft klage, trage den Schaden davon. Er habe sie sehr verehrt, wolle sie nun aber nicht mehr loben; alles, was sie für ihn getan habe, sei letztlich nur Wind gewesen.

C Auslegung (88–119)

Der Sprecher erklärt, die Brücke bestehe aus den Worten, die die Frau zu ihm gesprochen habe. Später habe er erkannt, dass sie gelogen waren. Menschen seien verschieden: Den Guten, die tun, was sie versprechen, könne man glauben; ihre Brücken stünden fest. Wenn aber Herz und Mund nicht übereinstimmten, stürze man ab. Wer anders spreche, als er es im Herzen meine, baue eine schlechte Brücke, denn die schönen Worte stünden hoch oben, während das Herz tief darunter liege.

D Schluss (119–144)

Es sei daher nicht verwunderlich, dass er sich habe täuschen lassen, besonders da er sie ohne Falschheit liebte. Alle sollten darauf achten, feste Brücken zu bauen, damit niemand abstürze. Weise sei, wer rechtzeitig Vorsicht übe. Am Ende nennt sich der Sprecher: Willem van Hilgaersberghe.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 587f.)