Von margraff Albrecht dem Deudschen Achille (Enoch Widman)

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Von margraff Albrecht dem Deudschen Achille

AutorIn Enoch Widman
Entstehungszeit 1596
Entstehungsort Hof
AuftraggeberIn
Überlieferung Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Ausgaben Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Übersetzungen
Forschung

Der Text steht direkt nach dem Memorabile Hertzog Albert von Sachsen (Enoch Widman).

Text

[1] Zu dieser zeit ist in Deudschland sehr furtrefflich und berumbt gewesen marggraf Albert von Brandenburg (welcher hernach anno 1471 nach seinem bruder Friderico die chur erlangt) und hilt sein hoflager zu Onoltzbach, sein bruder aber marggraf Hans war herr über das Voytlandt und wohnete uff Plassenberg. Dieser löbliche held marggraf Albrecht hatte uff einmal und zugleich 14 fürsten, grafen und bischoffe zu feinden, welche er doch alle mit starcken kecken mut und furtrefflicher weißheit erlegete, sintemal er ein sighaffter held und großmutiger furst war also daß er auch sagete: „Je mehr feindt, je mehr rhumb und ehr“, und ward seinesgleichen zu dieser zeit nicht gefunden. Dann er zöge den krigen von jugent auf in alle land nach, furete krig in Polen, Preussen, Schlesien und in Behem, sigete allenthalben und lies keinen winckel in Germania dahinden, dahin er nicht sein gewaltige faust und wafen wendete. Stunde in allen schlachten forne an der spitzen, warff viel Städte mit sig unter sich, ward alle zeit der letzte aus dem feld, in sturmen der erste uff der mauer. Zu einem sonderbaren kampff ist er offtmalß angemanet und einem iden zugefallen worden. Iderman wolt an ihm ehr erlangen und zu ritter werden, aber er ist nie untergelegen. In ritterlichen spielen, thurnieren, stechen ist er nicht einmal vom pferd kommen, er aber hat vielen vielmalß viel settel geraumet und in allen thurniren und ritterspielen sieg und ehr eingelegt. Siebenzehenmal hat er allein ein tartschen vor ihm und einen heim auffgehabt, sonst aller ding bloß und wehrlos, hat aber nichtsdestoweniger mit seinen auffbitern und anreitzern, welche mit gewohnlicher rustung angethun und wol verwart gewesen, scharff gerennet und dieselben allweg hinter das pferd gestossen, er aber ist nie vom pferd kommen, durch welchen rhum er der Deudsche Achilles genant wurde. Dazu war er, neben seiner kunmutigkeit und heldenhertz von leib ein schöne, gerade furstliche person, ein guter redner, starck und fast ein göttliche person, wie [S. 189] Aeneas Sylvius in seinem „Europa“, in dem 29. capittel schreibt.

Dieser freudige held hat anno 1449 sowol das vorgehend und folgende jhar neun krieg und feldschlachten mit den von Nürnberg gethun[2] und in den achten allweg obgesiget und das feld erhalten, zwei jhar lang umb Nürnberg alles verheret und verbrandt, was den Nurnbergern zugehörig. Ihme stunden anno 1449 bei seine bede bruder Friderich und Johannes, item der landgraf von Hessen, herzog Otto und Wilhelm von Sachsen, die bischoffe Bamberg, Aistet und Mentz, hertzog Albrecht von Österreich, keiser Friderici III. bruder, graf Ulrich von Wirtenberg, marggraf von Baden und andere herren, zerstöreten viel Schlösser umb Nürnberg, gewonnen auch Heideck und Lichtenau. Die Nürnberger mit ihren anhengigen Stedten alß Ulm, Augspurg, Nördlingen und Memmingen zogen widerumb ins marggrafen landt, verbrandten auch viel Schlösser, und alß sie von Langenzenn, davor sie gelegen waren, heimzogen und viel volles dahinden blieb (dann der ander zeug war schon in die Stadt Nürnberg hinein), den gensen und hunern nachlifen, kam deß marggrafen haufen und erstachen 81 hennenkriger und genßfeindt, namen ihnen auch 2 geschutz und 40 wagen.

Anno 1450 zoge marggraf Albrecht abermal für Nürnberg und fodert sie heraus, und indeme sie mit 500 pferden und 3000 man zu fus heraus fielen und die neundte schlacht liferten, lag der marggraff unten, wurden seinstheils 80 erstochen und 100 gefangen, unter welchen bei 24 edler waren. Endtlich alß sie zu beden theilen schir land und leut verkriget hatten und deß geldes, alß des krigs nerven, zu wenig werden wolt, ging marggraf Albrecht aus rath der fürsten, deren er einen grossen anhang hatte, mit der stad Nürnberg in einen vertrag und ward also mit ihnen widerumb verglichen anno 1450.

Damalß ist auch marggraf Albrecht zu Geroltshofen durch den mund geschossen und hernach von seinen widerwertigen Albert mit dem krum[S. 190]men maul genant worden.

Alß marggraf Albert anno 1461 wider herzog Ludwig in Beyern krigen wolt, kam er persönlich gen Nürnberg uffs rathhaus mit bit, ihme einen beistandt zu leisten. Und alß die Nürnberger ihn mit der antwort lang uffzogen, ging er selbsten ungefordert in die rathstuben zu hören, waß sie zu thun in willens. Der rath sprach, warumb er ungefordert in die rathstuben gegangen, sie hetten keiserliche freiheit, daß, wenn einer, so sie zu rath sessen, ungefordert in ihr rathstuben ging, hette er den kopff verfallen. „Mir nicht, mir nicht!“ saget marggraf Albrecht und trat wider ab. Do sie nun lang deliberirt hatten, ward er gefordert und ihme durch Nicol Muffel, einen des raths, geantwortet, ein erbar rath hette beschlossen, in diesem krig still zu sitzen und niemand zu helffen. Darauff sprach marggraf Albert: „Sihe, du Muffelsmaul, wie hastu so lang daran gemuffelt, eh du es herausgemuffelt hast!“ Damit schid er ab, saß alßbalden auf und ritt wider gen Onspach. Und soviel von dem Deudschen Achille, bei welchem gemeine stad allhie in seinen krigen viel zugesetzt und darüber in grosse schulden geraten ist.

So haben auch sonsten viel furtrefflicher leut und gelerte menner umb diese und die folgende zeit florirt, sind auch derselben viel damalß geborn worden, so hernachmaln berumbt gewesen, darunter furnemlich keiser Friderich der dritte, keiser Maximilianus I., Aeneas Sylvius, Laurentius Valla, Theodorus Gaza, Georgius Trapezontius, Bessarion, Johannes Argyropylus, Johannes Regiomontanus und andere mehr, dahin [S. 191] auch doctoris Lutheri, Philippi Melanchthonis, Johannis Reuchlini, Erasmi Roterodami und Philippi Paracelsi geburt zu zihen ist.

Anmerkungen

  1. Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 188-191.
  2. Marginalie: "Achilles Germanicus krigt mit den Nurnbergern".