Von weltlicher und göttlicher Minne (Heinrich der Teichner) (B312)

Aus Brevitas Wiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Von weltlicher und göttlicher Minne (B312)

AutorIn Heinrich der Teichner
Entstehungszeit Überlieferung ab 2. Hälfte 14. Jhd.
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Wien, Österreichische Nationalbibliothek: 2819, 121rb-121vb
Wien, Österreichische Nationalbibliothek: 2901, 142va-143vb
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 486f.

Inhalt

A Kurzer narrativer Rahmen (1–2)

Ein junger Mann fragt den Sprecher, was Minne eigentlich sei.

B Gegenüberstellung von weltlicher und göttlicher Minne (3–46)

Der Sprecher unterscheidet zwei Arten von Liebe: die weltliche und die göttliche. Sie seien grundverschieden. Weltliche Minne beginne mit angenehmen Gefühlen, schlage aber rasch in Bitterkeit, Feindschaft und Schmerz um. Sie verspreche Trost, führe jedoch zu Enttäuschung – etwa wenn eine Frau untreu werde oder sich trotz langem Minnedienst einem anderen zuwende. Diese Liebe sei trügerisch: außen süß, innen bitter. Göttliche Minne hingegen sei anfangs schwer, werde aber mit der Zeit immer süßer, wie ein Tag, der sich der Sonne zuwendet. Wer in ihr „gewinnt“, gewinnt wirklich; wer in der weltlichen Minne „gewinnt“, verliert. Göttliche Minne verlangt zunächst Leiden, schenkt aber später Freude und Heil.

C Die Eheleute (47–67)

In der weltlichen Minne werde die anfängliche Süße durch Schwangerschaft, Schmerzen, häusliche Sorgen und finanzielle Belastungen getrübt. Diese Mühen seien die „Buße“ für die frühere Zweisamkeit. Dennoch sei die Ehe weder schändlich noch verderblich, sofern die Partner nach Gottes Gebot miteinander leben.

D Die Geistlichen, die untreu werden (68–110)

Besonders schwer wiege der Fall jener, die weltliche Minne suchen, obwohl sie geistlich leben und Gott die weltliche Liebe verboten hat. Sie hätten die „höchste Ehe“ mit Gott geschlossen; ihr Fehltritt sei daher schlimmer als gewöhnlicher Ehebruch. Wer geistlich lebt, sei in dreifacher Weise mit Gott verbunden – als Kind, Verwandter und Braut. Je höher der göttliche Bräutigam, desto größer die Schuld der untreuen Braut. Wer jedoch innerhalb der Regeln seines Standes bleibt, empfängt den wahren Anteil der Minne und kann auf ewiges Heil hoffen. Der Sprecher erklärt, er habe dem Fragenden nun ausreichend dargelegt, was wahre und was falsche Minne sei. Der Text endet mit der Autorsignatur Teichners.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 486f.)