Wanschlechtige Ostern (Enoch Widman)

Aus Brevitas Wiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Wanschlechtige Ostern

AutorIn Enoch Widman
Entstehungszeit 1596
Entstehungsort Hof
AuftraggeberIn
Überlieferung Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Ausgaben Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Übersetzungen
Forschung

Text

[1] Den 4. aprilis,[2] am heiligen Ostertag, uff den abendt, alß sich jederman vollgesoffen, hat ein bauer den andern zu Gotsmansgrün nicht weit von Berg gelegen, erstochen. Item zu Flirßberg ist auch ein bauer erstochen worden. Den nechsten tag hernach, den 5. aprilis, hat sich ein enck- oder roßbub (weil er einen harten edelman zum herren gehabt) zu Mönchberg bei burgermeister Hans Thalman, in seinem stadel jemmerlich erhencket. Item ein bauer zu Brombach ist erstochen worden.

[S. 532] Den 7. aprilis hat Georg der Jünger, Peter Schötels burgers- und thuchmachers sohn alhie, seinen vettern Davidt Schötel zu Dreisendorff (mit dem er geschwisterkind gewesen) uf seines vattern geheiß erschossen, daß er den 10. tag hernach vom schuß gestorben. Darauff vatter und sohn gefenglich angenommen und in verhafftung gelegen, auch endtlichen im hauß ein zeitlang verstricket gewesen, und obwol des entleibten vatter Hanns Schötel anfangs hart darauff gedrungen, daß seines bruders sohn den theter alßbalden enthauptet, und also die vettern in ein grab geleget würden, hat doch die obrigkeit, damit nicht ferner haß und feindschafft unter den brüdern und derselben kindern wegen des scharffen rechtens verursacht wurde, dißfalls ein bedencken getragen. Und nachdem der kroll bei des entleibten vatter und kindern sich etlicher massen gelindert, sich in das mittel geschlagen, die zornigen parten verglichen und den theter sambt seinem vatter widerumb uf freien fus gestellet und der verstrickung ledig gezehlet. Geschehen am Grünen Donnerstag, den 21. aprilis, anno 1603.

Anmerkungen

  1. Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 531f. Marginalie: "Wanschlechtige Ostern".
  2. 1602.