Wer nicht weiß, was rechte Liebe sei (B360)
|
Wer nicht weiß, was rechte Liebe sei (B360) | |
|---|---|
| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Um 1445 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Dresden, Landesbibliothek: Mscr. M 67, 2v-3r |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Achnitz, Wolfgang: Wer nicht weiß, was rechte Liebe sei; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 567f. |
Inhalt
A Vorspruch (1–2)
Der Text empfiehlt sich als Anleitung für alle, die nicht wissen, was rechte Liebe ist.
B Allegorische Lehrrede der ›Rechten Liebe‹ (3–60)
Die rechte Liebe tritt selbst als Sprecherin auf und richtet sich an einen jungen Mann, den sie durch Wissen vor erneutem Schaden bewahren will. Sie beschreibt vier Merkmale ihres Erscheinungsbildes: Sie sei nackt, blind, habe Flügel, aber keine Arme. Damit halte sie die Menschen zum Narren. Anschließend deutet sie diese Merkmale: Ihre Blindheit zeige, dass Liebe vom Herzen ausgehe und nicht auf äußere Schönheit schaue. Ihre Nacktheit stehe für die Schamlosigkeit der Liebenden, und sie tadelt den Adressaten, er sei in seiner Werbung zu zaghaft gewesen. Die Flügel deutet sie als Sinnbild dafür, dass Liebende einander innerlich zufliegen, selbst wenn sie getrennt sind; erneut kritisiert sie sein ungeschicktes Werben. Die Armlosigkeit erkläre, dass Frauen sich gegen liebevolle Annäherung nicht wehren sollten, während sie oft dem Nebenbuhler gewährten, was sie dem eigenen Freund verweigerten.
C Liebesklage eines Mannes (61–75)
Nach einem unmarkierten Sprecherwechsel klagt ein Mann über seine eigene Zaghaftigkeit, sein mangelndes Können in Liebesdingen und den daraus folgenden Misserfolg. Seine Geliebte habe ihn verspottet und ihm Undank zurückgegeben. Dennoch hofft er, von seinem Liebesleid erlöst zu werden.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 567f.)