Wolff Wilhelm von Wildenstein, haubtman, stirbt (Enoch Widman)
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Wolff Wilhelm von Wildenstein, haubtman, stirbt | |
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| AutorIn | Enoch Widman |
| Entstehungszeit | 1596 |
| Entstehungsort | Hof |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Ausgaben | Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman) |
| Übersetzungen | |
| Forschung | |
Text
[1] Anno 1588, den 6. maii montag nach Cantate ist der edle und gestrenge Wolff Wilhelm von und zum Wildenstein, haubtman allhie, in unsers gnedigsten fursten und herren geschefften neben herren Adam Dantzern, furstlicher durchlaucht Brandenburg secretarien zu Onoltzbach, und andern von hinnen nach Prag gezogen, luna tenente aquarium, leoni nostro signum oppositum.[2] Ist hernach allda kranck und den 8. junii, fru umb 6 hor, in wahrer anruffung Gottes christlich und wol verschiden. Von dannen ist sein leichnam weggefuhret und den 12. junii uff den abendt (da die kirchen und schuldiener, sowol die schuler und burgerschafft sich draussen bei dem gericht versamlet hatten) hiher gebracht und in die Closterkirchen begleitet und gesetzt und darauff ferner den 14. tag gedachtes monats in S. Michelskirchen in der chor neben den Wallenröder mit menniglichs trauren und hertzlichen weinen begraben worden.
Dieser haubtman ist ein tapfferer, christlicher, gottsfurchtiger und der geistlichen personen ein liebhabender mann gewesen, ein guter kirchen- und schulfreundt, der sich des gemeinen nutzes sehr anname, hette gute achtung uff die becken und metzger, war offtmals selbsten bei dem brotwegen, besahe die Fleischbenck, ging die donnerstag manchmal selbsten zum mark und sahe, wie das getreid und andere ding verkauffet wurden. Er besuchete alle kirchenactus zu S. Michel, im spital und der Closterkirchen, auch die frumessen.
Sein söhnlein Wolffgang Emeranus ist den 18. martii, den 19. augusti aber hernach sein hinterlassene witfrau gestorben und sindt auch bede in das chor zu S. Michel gelegt worden, wie dann auch sein bruder Hanns Joachim in der Pfaltz 2 monat vor ihme todes verschiden, alles in diesem 1588. jar geschehen.
Bei diesem verstorbenen gottseligen haubtman mus ich auch seines freudenmachers, des narren Thomaßen gedencken,[3] welcher in seinem albern und, wie es sich ansehen lesset, groben beurischen verstandt bedes seines herren haubtmans und seiner frauen der haubtmännin tod zuvor gewust und angezeiget hat.[4] Dann er nicht allein bald nach abreisen des herren [S. 448] haubtmans und in seinem abwesen ettlichmal über tisch und sonsten die frau gestrafft, daß sie ihren herren hab lassen allein zihen und ihn nicht begleitet, er werde nicht mehr widerkommen, sie werde ihn nicht mehr sehen etc. Sondern da auch ehrengedachtem herren haubtman sein ruhstedtlein in der kirchen zu S. Michel gegraben und außgemauert worden, hat der narr zugesehen und gesagt, das grab sei gar zu klein und zu enge, die dicke (also nennete er die frau haubtmännin) musse auch hinein zu ihrem herren, welches sich dann bederseits in der warheit also befunden hat. Es ist aber nichts neues, daß solche arme nerrische leut je bißweilen von kunffitigen dingen ettwas zuvorsagen, sintemal weil sie gemeiniglich von leib unförmlich oder ungestallt und euserlich dem verstandt nach thoren sindt, ihnen Gott offtmals innerlich an der seelen desto mehr zulegt und indeme ihre sinn und gedancken uff euserliche scharfsinnige hendel und sachen nicht gewendet werden und unterdessen ruhen, so hat alßdann die seele ihre innerliche und verborgene werck für und gebrauchet ihre von Gott gegebene und mitgetheilte gaben in sich selbsten, redet sie auch zu zeiten aus und gibt sie den leuten zu verstehen, ungeachtet daß mans für unbedechtige leppische einfäll heltet und ihnen nicht glaubet oder beifall gibt, bis es ettwan ins werck gerichtet wirdt, wie dessen ein exempel an dem weisen und verstendigen, aber dem euserlichen ansehen nach törichten und scheußlichen Claus Narren, so bei dem alten churfursten herzog Friderich zu Sachssen gewesen, zu befinden ist.
Anmerkungen
- ↑ Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 447f. Marginalie: "Wolff Wilhelm von Wildenstein, haubtman, stirbt".
- ↑ Marginalie: "Plato: „Quando vult deus benefacere civitati, viros praestantes mittit, quando vero vult punire civitatem, avocat ex ca bonos viros“."
- ↑ Marginalie: "Des narren Thömels reden".
- ↑ Marginalie: "Moritur hic Thomas curiae anno 1598 die 12. januarii cum utrique domino praefecto Wolffgango Wilhelmo eiusque fratri Adamo a Wildenstein multos annos fideliter servisset.".