Zwen junge fursten zu Sachsen werden gestolen und hinweggefurt (Enoch Widman)

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Zwen junge fursten zu Sachsen werden gestolen und hinweggefurt

AutorIn Enoch Widman
Entstehungszeit 1596
Entstehungsort Hof
AuftraggeberIn
Überlieferung Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Ausgaben Vgl. Chronik der Stadt Hof (Enoch Widman)
Übersetzungen
Forschung

Text

[1] Anno 1455, alß Fridericus II., churfurst zu Sachsen, einen edelman zuvor am hof gehabt, Cunrad von Kauff mit namen, ein streitbarer man, welcher im vorigen marggrefischen krig der Nürnberger krigshaubtman gewesen, meinete derselbe, er were von Friderico unbillich von seinem vetterlichen erbe vertriben und inß elend verwisen, fandte derhalben sich zu rechen diesen ranck und list. Er kam bei eiteler nacht für das hohe schloß in Meissen, Altenburg genant, in welchem Ernestus und Albertus, des churfursten Friderici söhne, unter einem praeceptore aufferzogen wurden, und stige mit hulff und anleitung desselben untreuen zuchtmeisters durch angeworfene leitter in das schloß, uberfiel die schlafenden zwen junge fürsten an der bettstat, griff sie und dräuet ihnen, wo sie sich regten, so wolt er das messer in sie stossen. Und als die bede junge fürsten, so noch knaben waren, zitternd und verzagt schwigen, bandt er sie wie die lemblein und führet sie aus dem schloß uff Behem zu, guter hoffnung, wann ihme die beut geriete, er wolt sein vetterlich erb wol wider auß ihnen schätzen und sie teuer genug verkauffen. Er kam mit ihnen in den Behemer Wald und gedacht sich dem feind aus Sachsen nunmehr entrun[S. 198]nen. Der jungere furst wegen deß weiten wegs sehr abgemattet, begerte ein wenig rhu und rastung, auch labung von speis, also das auch der edelman mit dem knaben ein erbarmung trüge und ihn neben seinem bruder gefangen zu einem köler in wald fuhrete und ihnen beiden bier und brot bringe[n] lisse. Indessen eileten die Altenburger der kundschafft und huffschlag nach und ergriffen den feind sambt dem begerten raub, den zweien fursten, bei dem köler, allda er gefangen und die gefangenen ledig gemachet und mit triumph in Sachsen widerumb heimgefuhrt wurden. Dem rauber ward aus gnaden das haubt abgeschlagen.

Anmerkungen

  1. Zitiert nach Rösler, Maria (Hg.): Enoch Widman, S. 197f.