Klage eines Liebenden I (B34): Unterschied zwischen den Versionen

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===C Liebesgeständnis (108–180):===
===C Liebesgeständnis (108–180):===
Der Sprecher bekennt nun in direkter Anrede der  
Der Sprecher gesteht der Geliebten direkt, dass sie in seinem Herzen wohne – könnte man hineinschauen, sähe man sie darin. Er bittet um einen Gruß, der seinen Schmerz lindern möge. Da sie schweigt, will er ihr die „Klage seines Herzens“ offenbaren. Der Text setzt erneut mit einer Anrede ein: Er grüßt sie als das Paradies seines Herzens, bekennt seine bisher verschwiegene Liebe, klagt sein Leid und bittet um Erhörung und eine Antwort.
Geliebten (Apostrophe), dass sie in seinem Herzen wohne: Wenn man in ein Herz
 
hineinsehen könnte, würde man sie in seinem Herzen erblicken. Er bittet sie, ihn
durch einen Gruß von seinem Liebesschmerz zu befreien (die Passage ist insgesamt
schwer verständlich). Weil sie aber nichts sage, wolle er ihr die ›Klage seines Herzens
kundtun‹ (142). Mit Vers 143 setzt der Text neu ein mit einer direkten Anrede der
Geliebten, in der der Sprecher wieder dasselbe Thema verhandelt: Liebesgruß (sie,
das Paradies seines Herzens, sei tausendmal gegrüßt), nun erfolgende Offenbarung
seiner bisher verschwiegenen Liebe, Liebesklage und Bitte um Erhörung und Antwort.
===D Werbungsgespräch (181–304):===
===D Werbungsgespräch (181–304):===
Nach einer kurzen narrativen Andeutung der
Der Sprecher kündigt an, sein Liebesgeständnis zu wiederholen, da die Geliebte schweigt. Es folgt erneut eine überschwängliche Anrede: Er grüßt sie, rühmt ihre Vorzüge, bekennt sich zum „Band der Minne“ und bittet eindringlich um Antwort.
Situation durch den Sprecher im Präsens (die Angesprochene antworte nicht, der
Schließlich spricht die Geliebte selbst und weist ihn scharf zurück: Sie gönne ihm nichts, nennt sein Werben ein „Narrenspiel“ und „leeres Geschwätz“. Der Sprecher erwidert, Bücher lehrten doch, dass Damen redliche Männer schätzten. Wenn sie seine Worte verachte, sei die Minne ein „falscher Streit“. Dennoch wolle er sie weiter preisen wie eine Rose unter Herbstzeitlosen.
Sprecher wolle daher sein Liebesgeständnis wiederholen; 186f.: ''Jch wil mich zu jr lencken | Vnd wil aber heben an''), folgt 189–232 erneut eine direkte Anrede der Geliebte mit identischer Thematik: Er grüßt sie überschwänglich, preist ihre Vorzüge  
Sollte sie ihm dauerhaft jeden Lohn verweigern, tröste er sich damit, dass der menschliche Geist Größeres vollbracht habe, als eine Frau zu freundlicher Rede zu bewegen. Abschließend vergleicht er sie in einem gelehrten kosmologischen Bild mit den hellsten Sternen des neunten Himmels.
und bekennt, dass ihn das ›Band der Minne‹ (204) zum Dienst an ihr verpflichte.
 
Er klagt sein Minneleid und bittet die Geliebte inständig um eine Antwort. Endlich antwortet die Geliebte: In direkter Rede, eingeleitet durch die Inquit-Formel:
''Sy sprach'' (233), gibt sie ihm eine deutliche Absage (234f.: ''Ich will dir jr nicht gunnen  | Weder lützel noch vil'') und bezeichnet sein Liebesgeständnis als ''narren spil''
(236), als ''öden claff'' (239) und als unverständliche Rede eines ''toren'' (246). Der  
Sprecher entgegnet (in direkter Rede, ebenfalls eingeleitet durch die Inquit-Formel
250: ''Sprach er'' [!]), man höre doch an den buchen lesen (249), dass Damen Gefallen
''an einem red gesellen'' (251) gefunden hätten. Er stellt fest, dass die Minne ein ›falscher Streit‹ (255) sei, wenn die Geliebte seine Rede verschmähe, obwohl er sie doch
so ›hoch‹ ehre. (Der Verweis auf die Exempelfigur(en) ''Odelans fro Sabeck'' (258) ist
unverständlich.) Es wäre ›Unminne‹ (264), wenn er die Auserwählte mit falscher
Rede verlöre. Daher wolle er sie weiter vor allen Damen preisen, so wie man die
Rose vor den Zeitlosen preise. Im Falle ihrer beständigen Lohnverweigerung tröste  
er sich – erneut legitimiert durch sein Buchwissen  –, dass der menschliche Geist  
(sin) schon größere Dinge vollbracht habe, als die Geliebte zu freundlicher Rede zu  
bewegen. Es folgt (283–300) ein als Schulwissen gekennzeichneter (283f.) kosmologischer Vergleich, in dem der Sprecher die neun Himmelsphären und die Ordnung
der sieben Planeten benennt und die Geliebte mit den alle anderen überstrahlenden
Sternen des ''nünden himel'' (298) vergleicht.
===E Schluss (305–332): ===
===E Schluss (305–332): ===
Der Sprecher klagt, dass die Geliebte sich ohne Antwort von  
Der Sprecher beklagt, dass die Geliebte sich wortlos von ihm abgewandt hat. Er wirft ihr zwar mangelnde Tugend vor, leidet aber vor allem darunter, bei ihr „abgeschrieben“ zu sein – ein harter Zustand für ihn. Weil sie ihm den ersehnten Gruß verweigert, hält er dennoch an der Hoffnung fest, dass seine Beständigkeit eines Tages die Distanz zwischen ihnen überwindet.
ihm abgewandt habe. Zwar verknüpft er damit eine negative Bewertung der Frau
(308f.: ''Von ir ist aller tugent hort | Nu ze mal entwichen''), beklagt aber die Tatsache,  
nun bei der Frau ›abgeschrieben‹ zu sein (312: ''Dez bin ich laider schab ab''), als ›strengen Orden‹ (314). Da die Frau seine Herzenssehnsucht nach einem freundlichen
Gruß noch nicht gestillt habe, hofft der Sprecher dennoch auf den Tag der Erfüllung
und den Sieg der Beständigkeit über die Differenzen (326: ''grosser vnderschait'') zwischen ihm und der Geliebten.


([[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 59f.)
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 59f.)


[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Klagerede]]
[[Kategorie:Quelle Klagerede]]

Aktuelle Version vom 30. Dezember 2025, 23:33 Uhr

Klage eines Liebenden I (B34)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung ab 1425
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 313, 298r-303v
Karlsruhe, Landesbibliothek: Hs. Donaueschingen 104, 103ra-105ra
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 58-60; Klingner, Jacob: Klage eines Liebenden I

Inhalt

A Frauenpreis (1–48):

Der Sprecher bekräftigt, dass nichts schöner sei als der Anblick einer schönen Frau. Er rühmt die Geliebte in einem umgekehrten Körperlob: vom anmutigen Hals über Kinn, Wangen, Stimme und scharlachroten Mund bis zu den hermelinweißen Zähnen und sternhellen Augen. Ihre Tugend sei unaussprechlich; er ziehe sie jedem Vogel, jeder Blume und aller weltlichen Pracht vor.

B Erwägung des Liebesgeständnisses (49–107):

Sein Herz sei ständig bei der Geliebten, ohne dass sie es wisse. Mehrfach habe er ihr seine Liebe gestehen wollen, doch seine Mutlosigkeit habe ihn immer wieder zurückgehalten. Je mehr er sich abwenden wollte, desto stärker sei seine Liebe geworden, und jedes Schweigen habe ihn erneut verzagt gemacht. Da trete die personifizierte Hoffnung auf und ermutige ihn: Auch Iwein und Tristan hätten trotz schwerer Schuld die Liebe einer Frau gewonnen. Da er selbst niemandem Leid zugefügt habe, fühle er sich umso bestärkter, seiner Dame endlich sein Herz zu offenbaren.

C Liebesgeständnis (108–180):

Der Sprecher gesteht der Geliebten direkt, dass sie in seinem Herzen wohne – könnte man hineinschauen, sähe man sie darin. Er bittet um einen Gruß, der seinen Schmerz lindern möge. Da sie schweigt, will er ihr die „Klage seines Herzens“ offenbaren. Der Text setzt erneut mit einer Anrede ein: Er grüßt sie als das Paradies seines Herzens, bekennt seine bisher verschwiegene Liebe, klagt sein Leid und bittet um Erhörung und eine Antwort.

D Werbungsgespräch (181–304):

Der Sprecher kündigt an, sein Liebesgeständnis zu wiederholen, da die Geliebte schweigt. Es folgt erneut eine überschwängliche Anrede: Er grüßt sie, rühmt ihre Vorzüge, bekennt sich zum „Band der Minne“ und bittet eindringlich um Antwort. Schließlich spricht die Geliebte selbst und weist ihn scharf zurück: Sie gönne ihm nichts, nennt sein Werben ein „Narrenspiel“ und „leeres Geschwätz“. Der Sprecher erwidert, Bücher lehrten doch, dass Damen redliche Männer schätzten. Wenn sie seine Worte verachte, sei die Minne ein „falscher Streit“. Dennoch wolle er sie weiter preisen wie eine Rose unter Herbstzeitlosen. Sollte sie ihm dauerhaft jeden Lohn verweigern, tröste er sich damit, dass der menschliche Geist Größeres vollbracht habe, als eine Frau zu freundlicher Rede zu bewegen. Abschließend vergleicht er sie in einem gelehrten kosmologischen Bild mit den hellsten Sternen des neunten Himmels.

E Schluss (305–332):

Der Sprecher beklagt, dass die Geliebte sich wortlos von ihm abgewandt hat. Er wirft ihr zwar mangelnde Tugend vor, leidet aber vor allem darunter, bei ihr „abgeschrieben“ zu sein – ein harter Zustand für ihn. Weil sie ihm den ersehnten Gruß verweigert, hält er dennoch an der Hoffnung fest, dass seine Beständigkeit eines Tages die Distanz zwischen ihnen überwindet.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 59f.)