Verlorene Mühe (B53): Unterschied zwischen den Versionen

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==Inhalt==
==Inhalt==
===A Einleitung (1–12): ===
===A Einleitung (1–12): ===
Unsagbarkeitstopos: Der Sprecher thematisiert die unaussprechliche Einsicht in die ''verloren arbait'' (6), d.h. in die Vergeblichkeit jeder Anstrengung angesichts der die Welt regierenden, unausrottbaren Dummheit.
Der Sprecher betont, dass sich die Erkenntnis seiner „verlorenen Arbeit“ kaum aussprechen lässt – jede Mühe sei vergeblich in einer Welt, die von unheilbarer Torheit beherrscht wird.
 
===B Beispielreihe (12–140):===
===B Beispielreihe (12–140):===
Das Thema illustriert der Sprecher mit einer Beispielreihe
Der Sprecher veranschaulicht seine These mit einer Kette von Beispielen vergeblicher Mühe, meist aus der Tierwelt: Angeborene Triebe lassen sich nicht austreiben, Belehrung prallt an vielen ab. Gezähmte Hasen fliehen dennoch, Weihen taugen nicht zur Jagd, ein Rappe wird nie ein Schimmel, ein Falke bleibt freiheitsliebend, ein Wolf unzähmbar. Wünsche ohne Taten bleiben wirkungslos, Lügnern glaubt man nicht, Übeltäter ruinieren ihre Umgebung, ungeübte Tugend hält im Alter nicht. Kosmetik kaschiert kein Alter, und wer einem Untreuen dient, endet wie das Vögelchen, das den Kuckuck großzieht – es verliert alles.
sinn- und fruchtloser Bemühungen. Dabei werden vor allem Tiere als Exempla für
 
Unbelehrbarkeit und die Macht angeborener Triebe herangezogen: Wer andere lehren wolle, erfahre oft Widerstand – so wie es den Kranken gerade nach dem gelüste,
was ihm verboten werde. Ein Hase, der in der Jugend gezähmt wurde, laufe auch
im Alter noch davon, sobald er könne – so sei auch die Lehre bei vielen Bösen unnütz. Die Beizjagd mit einer Weihe sei erfolglos – so lasse sich auch echter Adel nicht  
vortäuschen. Ein Rappe könne sich nicht waschen, um zu einem Schimmel zu werden – ebenso sei die Taufe eines alten Juden vergeblich. Ein Falke verliere auch unter
der Haube seinen Freiheitsdrang nicht  – ebenso ließen sich junge Mädchen nicht
behüten. Ein Wolf bleibe ein unzähmbarer Schädling – so müsse auch der Mann,
der eine böse Frau heirate, immer unter ihr leiden, soviel er sie auch schlagen (73: ''geknuellen'') möge. Die Katze liebe Fische, traue sich aber nicht ins Wasser – so sei auch
der Wunsch, dem keine Tat nachfolge, fruchtlos. Dem Jagdhund, der mehrmals die
falsche Spur verfolge, traue der Jäger nicht, auch wenn er einmal die richtige verfolge – so glaube man dem Lügner nicht, selbst wenn er einmal die Wahrheit sage. Wer
den Bau des Marders im Hühnerhaus nicht zerstöre, verliere seine Tiere – so verarme
derjenige, der sich mit Übeltätern einlasse. Ein Hund, der die Leine nicht gewöhnt
sei, werde sich im Alter gegen sie sträuben – so solle man Tugenden in der Jugend
einüben. Das Fell einer Katze werde auch durch Putzen nicht schöner gefärbt – so
könne auch Kosmetik (Färben und Baden) die Falten einer alten Frau nicht verdecken. Wenn ein Vögelchen für den Kuckuck dessen Junge großziehe, werde es am
Ende doch gefressen – so verliere derjenige viel, der einem untreuen Herrn diene.
===C Minneklage (141–184): ===
===C Minneklage (141–184): ===
Statt weitere Beispiele aufzuzählen, will der Sprecher seine eigene verlorene Mühe thematisieren: Sein treuer, beständiger Dienst der Dame  
Der Sprecher bricht die Beispielreihe ab und wendet sich seinem eigenen vergeblichen Dienst zu: Trotz treuer Hingabe gewinnt er nichts, kann der Dame weder grollen noch sie vergessen. Schon ihr abweisender Gruß gilt ihm als Lohn. Doch ihre Ablehnung macht all seine Minnearbeit zunichte. Fazit: Wer dort dient, wo man ihn nicht will, lädt Schmach auf sich.
gegenüber bringe ihm nichts ein. Er könne ihr nicht böse sein und sie nicht vergessen, obwohl sie ihn abweise. Er erwarte ihren Gruß als Lohn, auch wenn der Gruß
nur ihre Verachtung ausdrücke (173: ''Si sprach zu mir ›bist aber hie‹''). So sei auch
sein Minnedienst durch ihre Ablehnung verlorene Mühe: Schlusssentenz: Wer dort  
dient, wo man ihn nicht will, erwirbt sich große Schmach.


([[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 96)
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 96)
[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Klagerede]]
[[Kategorie:Quelle Klagerede]]

Aktuelle Version vom 3. Januar 2026, 00:13 Uhr

Verlorene Mühe (B53)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung um 1425
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Karlsruhe, Landesbibliothek: Hs. Donaueschingen 104, 243va-244vb
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Verlorene Mühe; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 95f.

Inhalt

A Einleitung (1–12):

Der Sprecher betont, dass sich die Erkenntnis seiner „verlorenen Arbeit“ kaum aussprechen lässt – jede Mühe sei vergeblich in einer Welt, die von unheilbarer Torheit beherrscht wird.

B Beispielreihe (12–140):

Der Sprecher veranschaulicht seine These mit einer Kette von Beispielen vergeblicher Mühe, meist aus der Tierwelt: Angeborene Triebe lassen sich nicht austreiben, Belehrung prallt an vielen ab. Gezähmte Hasen fliehen dennoch, Weihen taugen nicht zur Jagd, ein Rappe wird nie ein Schimmel, ein Falke bleibt freiheitsliebend, ein Wolf unzähmbar. Wünsche ohne Taten bleiben wirkungslos, Lügnern glaubt man nicht, Übeltäter ruinieren ihre Umgebung, ungeübte Tugend hält im Alter nicht. Kosmetik kaschiert kein Alter, und wer einem Untreuen dient, endet wie das Vögelchen, das den Kuckuck großzieht – es verliert alles.

C Minneklage (141–184):

Der Sprecher bricht die Beispielreihe ab und wendet sich seinem eigenen vergeblichen Dienst zu: Trotz treuer Hingabe gewinnt er nichts, kann der Dame weder grollen noch sie vergessen. Schon ihr abweisender Gruß gilt ihm als Lohn. Doch ihre Ablehnung macht all seine Minnearbeit zunichte. Fazit: Wer dort dient, wo man ihn nicht will, lädt Schmach auf sich.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 96)