Klage vor Frau Minne (B65): Unterschied zwischen den Versionen
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Der Sprecher | Der Sprecher wendet sich direkt an die Frau – oder an die Weiblichkeit selbst –, preist ihre Vollkommenheit und bekennt seine demütige Ergebenheit. Ihr Lob könne er kaum angemessen aussprechen, so groß sei ihre Würde. Daran schließt er ein allgemeines Frauenlob an und ruft alle liebenden Männer auf, den Frauen Dank und Ehre zu erweisen. | ||
===B Spaziergangseinleitung (33–105):=== | ===B Spaziergangseinleitung (33–105):=== | ||
Der Sprecher | Der Sprecher schildert, wie er im Mai auf einer blühenden Wiese eine festlich geschmückte Tanzgesellschaft aus jungen Frauen, Rittern und Knappen antrifft. Als Einziger ohne Blumenkranz will er sich selbst einen winden, da seine Geliebte fern ist. Auf der Suche nach den schönsten Blumen entfernt er sich ein Stück von der Gruppe und trifft auf eine Dame, die sich abseits hält – er belauscht sie. | ||
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Die Dame | Die Dame ruft Frau Minne an, preist deren Macht und klagt ihr tiefes Leid über die Trennung vom überhöht gelobten Geliebten – so groß, dass sie sich den Tod wünscht. Sie bittet Minne, ihm baldiges Wiedersehen zu schenken. In eindringlichen Bildern bekräftigt sie Treue und Sehnsucht: Ihr Glück hänge allein an ihm, kostbar wie Gold oder Edelsteine sei nur er. Doch er lasse sie lange warten, ob aus Zwang oder Willkür, wisse sie nicht. Wäre es ihr möglich, würde sie ausreiten und auf Kriegszügen und Turnieren Ruhm erringen, bis dieser zu ihm gelangte. | ||
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Der Sprecher | Der Sprecher preist die unverbrüchliche Treue der Dame und stellt sie Sigune zur Seite. Dann fordert er sein Publikum auf, dem Lob vorbildlicher Frauen Gehör zu schenken, und rät abschließend, reine Frauen zu ehren – denn ihre Wertschätzung führe dem Paradies entgegen. | ||
Lob vorbildlicher Frauen | |||
([[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 113) | (Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 113) | ||
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Aktuelle Version vom 3. Januar 2026, 20:54 Uhr
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Klage vor Frau Minne (B65) | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Vor 1348 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 717, 117v-119r |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Klage vor Frau Minne; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, 112f. |
Inhalt
A Hyperbolischer Frauenpreis (1–32):
Der Sprecher wendet sich direkt an die Frau – oder an die Weiblichkeit selbst –, preist ihre Vollkommenheit und bekennt seine demütige Ergebenheit. Ihr Lob könne er kaum angemessen aussprechen, so groß sei ihre Würde. Daran schließt er ein allgemeines Frauenlob an und ruft alle liebenden Männer auf, den Frauen Dank und Ehre zu erweisen.
B Spaziergangseinleitung (33–105):
Der Sprecher schildert, wie er im Mai auf einer blühenden Wiese eine festlich geschmückte Tanzgesellschaft aus jungen Frauen, Rittern und Knappen antrifft. Als Einziger ohne Blumenkranz will er sich selbst einen winden, da seine Geliebte fern ist. Auf der Suche nach den schönsten Blumen entfernt er sich ein Stück von der Gruppe und trifft auf eine Dame, die sich abseits hält – er belauscht sie.
C Klage einer Dame (106–242):
Die Dame ruft Frau Minne an, preist deren Macht und klagt ihr tiefes Leid über die Trennung vom überhöht gelobten Geliebten – so groß, dass sie sich den Tod wünscht. Sie bittet Minne, ihm baldiges Wiedersehen zu schenken. In eindringlichen Bildern bekräftigt sie Treue und Sehnsucht: Ihr Glück hänge allein an ihm, kostbar wie Gold oder Edelsteine sei nur er. Doch er lasse sie lange warten, ob aus Zwang oder Willkür, wisse sie nicht. Wäre es ihr möglich, würde sie ausreiten und auf Kriegszügen und Turnieren Ruhm erringen, bis dieser zu ihm gelangte.
D Schluss (243–270):
Der Sprecher preist die unverbrüchliche Treue der Dame und stellt sie Sigune zur Seite. Dann fordert er sein Publikum auf, dem Lob vorbildlicher Frauen Gehör zu schenken, und rät abschließend, reine Frauen zu ehren – denn ihre Wertschätzung führe dem Paradies entgegen.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 113)