Klage vor Frau Minne (B65): Unterschied zwischen den Versionen

Aus Brevitas Wiki
Zur Navigation springen Zur Suche springen
 
(Eine dazwischenliegende Version desselben Benutzers wird nicht angezeigt)
Zeile 19: Zeile 19:


===C Klage einer Dame (106–242):===
===C Klage einer Dame (106–242):===
Die Dame richtet sich an ›Frau Minne‹ (106f.: ''Ei sinen maisterinne | Frawe minn min fraw min''), deren Macht sie hervorhebt (110: ''wie wol geschriben stat din rodel''). Sie klagt ihren Kummer und bittet um Hilfe: Wegen
Die Dame ruft Frau Minne an, preist deren Macht und klagt ihr tiefes Leid über die Trennung vom überhöht gelobten Geliebten – so groß, dass sie sich den Tod wünscht. Sie bittet Minne, ihm baldiges Wiedersehen zu schenken. In eindringlichen Bildern bekräftigt sie Treue und Sehnsucht: Ihr Glück hänge allein an ihm, kostbar wie Gold oder Edelsteine sei nur er. Doch er lasse sie lange warten, ob aus Zwang oder Willkür, wisse sie nicht. Wäre es ihr möglich, würde sie ausreiten und auf Kriegszügen und Turnieren Ruhm erringen, bis dieser zu ihm gelangte.
der Trennung von Ihrem Geliebten, den sie hyperbolisch preist, leide sie unbeschreibliche Schmerzen – sie wünscht sich sogar den Tod (176f.). Sie fleht die Minne an, ihr
 
dazu zu verhelfen, dass der Geliebte mich ''schier geseh'' (182). Bildreich beteuert sie ihre
Treue und ihre Sehnsucht, sie versichert, dass ihr Glück nur an ihrem Geliebten läge
(Kaisertopos 195: Sie zieht ihn allem Gold vor) und dass ihr nichts anderes – genannt
werden u.a. Edelsteine (199: ''aller kritosoliten kraft'') und der Mai – zur Freude verhelfen könne. Leider lasse der Geliebte sie warten (214: ''Er lat mich lang baiten''), sie wisse
aber nicht, ob er das gezwungenermaßen oder ohne Not tue. Wenn es ihr erlaubt
wäre, würde sie ausreiten und sich auf Heereszügen (236: ''war man die marschen naem'')
und Turnieren (237: ''div guoten tauelronden'') so lange um Ruhm bemühen, bis dieser  
zu ihrem Geliebten dringen würde.
===D Schluss (243–270):===
===D Schluss (243–270):===
Der Sprecher lobt die reine Treue der Dame und vergleicht
Der Sprecher preist die unverbrüchliche Treue der Dame und stellt sie Sigune zur Seite. Dann fordert er sein Publikum auf, dem Lob vorbildlicher Frauen Gehör zu schenken, und rät abschließend, reine Frauen zu ehren – denn ihre Wertschätzung führe dem Paradies entgegen.
diese mit Sigune: ''Ich bruoft si soelch trwen phlegen | Das ich si wol gelichen mag | Der div des grozen iamers pflag | Durch gross lieb stark | ob ires frundes fart | Siguomen [=Sigunen] der vil rainen'' (254–259). Er fordert sein Publikum auf, bereitwillig dem  
Lob vorbildlicher Frauen zuzuhören und schließt mit dem Rat, reine Frauen zu verehren, da dies der Weg zur Seligkeit sei: ''Ert werdin wib in aller wise | das nahent iv dem paradis'' (269f.).


([[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 113)
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 113)


[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Klagerede]]
[[Kategorie:Quelle Klagerede]]

Aktuelle Version vom 3. Januar 2026, 20:54 Uhr

Klage vor Frau Minne (B65)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Vor 1348
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 717, 117v-119r
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Klage vor Frau Minne; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, 112f.

Inhalt

A Hyperbolischer Frauenpreis (1–32):

Der Sprecher wendet sich direkt an die Frau – oder an die Weiblichkeit selbst –, preist ihre Vollkommenheit und bekennt seine demütige Ergebenheit. Ihr Lob könne er kaum angemessen aussprechen, so groß sei ihre Würde. Daran schließt er ein allgemeines Frauenlob an und ruft alle liebenden Männer auf, den Frauen Dank und Ehre zu erweisen.

B Spaziergangseinleitung (33–105):

Der Sprecher schildert, wie er im Mai auf einer blühenden Wiese eine festlich geschmückte Tanzgesellschaft aus jungen Frauen, Rittern und Knappen antrifft. Als Einziger ohne Blumenkranz will er sich selbst einen winden, da seine Geliebte fern ist. Auf der Suche nach den schönsten Blumen entfernt er sich ein Stück von der Gruppe und trifft auf eine Dame, die sich abseits hält – er belauscht sie.

C Klage einer Dame (106–242):

Die Dame ruft Frau Minne an, preist deren Macht und klagt ihr tiefes Leid über die Trennung vom überhöht gelobten Geliebten – so groß, dass sie sich den Tod wünscht. Sie bittet Minne, ihm baldiges Wiedersehen zu schenken. In eindringlichen Bildern bekräftigt sie Treue und Sehnsucht: Ihr Glück hänge allein an ihm, kostbar wie Gold oder Edelsteine sei nur er. Doch er lasse sie lange warten, ob aus Zwang oder Willkür, wisse sie nicht. Wäre es ihr möglich, würde sie ausreiten und auf Kriegszügen und Turnieren Ruhm erringen, bis dieser zu ihm gelangte.

D Schluss (243–270):

Der Sprecher preist die unverbrüchliche Treue der Dame und stellt sie Sigune zur Seite. Dann fordert er sein Publikum auf, dem Lob vorbildlicher Frauen Gehör zu schenken, und rät abschließend, reine Frauen zu ehren – denn ihre Wertschätzung führe dem Paradies entgegen.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 113)