Das Meiden (B259): Unterschied zwischen den Versionen

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==Inhalt==
===A Prolog===
Der Sprecher eröffnet mit der dreifachen Anrufung „O meiden, meiden, meiden“ und kündigt an, über das Meiden zu sprechen und vor der Instanz „Liebe“ zu klagen.


===B Trennungsszene===
Er berichtet, sein Leiden am Meiden habe im Mai begonnen, jener Zeit, in der Liebende sich nach winterlicher Trennung wiederfinden. Stattdessen musste er sich von der Geliebten trennen, was ihm großes Leid brachte. Ihre Tränen fließen auf seine Brust, sie wird blass vor Schmerz, und sie bittet ihn, sie im Herzen zu behalten und St. Johannes als Bürgen seiner gesunden Rückkehr zu setzen. Er verspricht es, zieht in die Fremde und fühlt sich schwach und freudlos.
===C Das Meiden===
Das Meiden erscheint wie eine Person, die plötzlich heranstürmt. In einer anaphorischen Reihe beschreibt er seine Eigenschaften: Meiden bringe Kälte und Hitze, sei ein schlechter Nachbar, aber auch gelegentlich gut für die Freude. Insgesamt erscheint es als ambivalente, aber überwiegend negative Macht.
===D Wiedervereinigung und Erfüllung===
Gefangen „in meidens Band“ wird er durch einen Brief zur Geliebten zurückgerufen. Sie klagt, wie sehr sie das Meiden gequält habe, und sehnt seine Gegenwart als Erlösung herbei. Sie umarmen sich, gehen im Garten umher, setzen sich und geben sich bis zum Einbruch der Nacht einer ehrenhaften Minne hin — Umarmungen und Küsse, ohne ihre Ehre zu verletzen. Danach führt er sie in ihr Gemach, das sie mit anderen Damen teilt, und verbringt selbst die Nacht in einem benachbarten Bett, in dem zuvor die Geliebte gelegen hatte, gedanklich mit ihr vereint.
===E Erneute Trennung===
Vom Vogelgesang geweckt, müssen sie erneut Abschied nehmen, noch schmerzlicher als zuvor. Er versichert, dass zwar sein Körper gehe, sein Sinn, Herz und Mut aber bei ihr blieben. Sie umarmt ihn mit nackten Armen, klagt Gott die Trennung, bittet ihn, sich abzuwenden, um sich anzuziehen, küsst ihn und befiehlt ihn Gott. Verstummt vor Kummer leidet er doppelt: an seinem eigenen Schmerz und am Anblick ihrer Tränen. Er wünscht ihr alles Glück, sie aber sagt, nur seine Rückkehr könne ihr helfen. Er geht und blickt hundertmal zurück.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 395f.)


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[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Klagerede]]

Aktuelle Version vom 5. Februar 2026, 21:34 Uhr

Das Meiden (B259)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung ab 1470/71
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Stuttgart, Landesbibliothek: Poet. et phil. 4° 69, 26r-249r
Berlin, Staatsbibliothek: Mgq 2370, 39v-42v
Prag, Knihovna Nárondniho muzea: Cod. X A 12, 104r-106v
Leipzig, Universitätsbibliothek: Ms. Apel 8°, 256r-259v
Berlin, Staatsbibliothek: Mgf 488, 126r-129v
Ausgaben Dorobantu, Julia/Klingner, Jacob/Lieb, Ludger (Hg.): Minnereden, S. 85-92
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Das Meiden; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 394-396

Inhalt

A Prolog

Der Sprecher eröffnet mit der dreifachen Anrufung „O meiden, meiden, meiden“ und kündigt an, über das Meiden zu sprechen und vor der Instanz „Liebe“ zu klagen.

B Trennungsszene

Er berichtet, sein Leiden am Meiden habe im Mai begonnen, jener Zeit, in der Liebende sich nach winterlicher Trennung wiederfinden. Stattdessen musste er sich von der Geliebten trennen, was ihm großes Leid brachte. Ihre Tränen fließen auf seine Brust, sie wird blass vor Schmerz, und sie bittet ihn, sie im Herzen zu behalten und St. Johannes als Bürgen seiner gesunden Rückkehr zu setzen. Er verspricht es, zieht in die Fremde und fühlt sich schwach und freudlos.

C Das Meiden

Das Meiden erscheint wie eine Person, die plötzlich heranstürmt. In einer anaphorischen Reihe beschreibt er seine Eigenschaften: Meiden bringe Kälte und Hitze, sei ein schlechter Nachbar, aber auch gelegentlich gut für die Freude. Insgesamt erscheint es als ambivalente, aber überwiegend negative Macht.

D Wiedervereinigung und Erfüllung

Gefangen „in meidens Band“ wird er durch einen Brief zur Geliebten zurückgerufen. Sie klagt, wie sehr sie das Meiden gequält habe, und sehnt seine Gegenwart als Erlösung herbei. Sie umarmen sich, gehen im Garten umher, setzen sich und geben sich bis zum Einbruch der Nacht einer ehrenhaften Minne hin — Umarmungen und Küsse, ohne ihre Ehre zu verletzen. Danach führt er sie in ihr Gemach, das sie mit anderen Damen teilt, und verbringt selbst die Nacht in einem benachbarten Bett, in dem zuvor die Geliebte gelegen hatte, gedanklich mit ihr vereint.

E Erneute Trennung

Vom Vogelgesang geweckt, müssen sie erneut Abschied nehmen, noch schmerzlicher als zuvor. Er versichert, dass zwar sein Körper gehe, sein Sinn, Herz und Mut aber bei ihr blieben. Sie umarmt ihn mit nackten Armen, klagt Gott die Trennung, bittet ihn, sich abzuwenden, um sich anzuziehen, küsst ihn und befiehlt ihn Gott. Verstummt vor Kummer leidet er doppelt: an seinem eigenen Schmerz und am Anblick ihrer Tränen. Er wünscht ihr alles Glück, sie aber sagt, nur seine Rückkehr könne ihr helfen. Er geht und blickt hundertmal zurück.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 395f.)