Klage einer älteren Frau (B220): Unterschied zwischen den Versionen

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==Inhalt==
Die Sprecherin schläft vor Kummer auf einer Wiese ein, bis sie von einer freundlichen Stimme geweckt wird. Ein junger Mann fragt nach ihrem Leid. Sie erkennt in ihm den Knecht der Welt und erklärt, sie habe zwar Freude und Besitz, müsse sich aber wegen ihres Alters und ihrer Hässlichkeit von der fröhlichen Jugend zurückziehen und einsam bleiben. Er widerspricht und rät ihr, sich einen jüngeren Gefährten zu suchen und das Leben zu genießen. Sie lehnt ab, denn sie habe einst eine treue und ehrenhafte Liebesbeziehung geführt, bis äußere Umstände sie trennten. Während sie glaubte, beide würden den Schmerz für immer tragen, habe er bald anderswo sein Glück gesucht. Sie selbst habe lange alle neuen Liebesangebote abgewiesen, bis ein minniglicher Held ihr seine Liebe gestand, die sie so tief ergriff, dass kein anderer Mann sie je wieder berühren könne; sie hoffe, Gott möge ihn ihr gönnen. Der junge Mann fragt, ob sie alle Männer für so wankelmütig halte. Sie antwortet mit einer Klage über die heutige Jugend, die unbeständig, prahlerisch, trinkfreudig und indiskret sei, statt gottesfürchtig, verschwiegen und ritterlich. Er entgegnet, die Frauen selbst bevorzugten reiche, aber untüchtige Männer gegenüber tapferen, wenn auch armen Kämpfern. Die Sprecherin stimmt zu und beklagt den Verfall weiblicher Tugenden, seit Ehre käuflich geworden sei; früher habe man noch den tapferen, wenn auch armen Mann geschätzt, heute zählten äußerliche Moden. Der junge Mann warnt sie vor Männern, deren Herzen von Neugier und Unbeständigkeit beherrscht seien, und bietet ihr seinen Dienst an. Sie erinnert ihn an ihr Treueversprechen und erklärt, sie wolle ihre Zeit mit dem verbringen, den Gott ihr bestimmt habe, und allein bleiben, da die Liebe nicht mehr sei wie früher. Er bittet Gott, ihre Treue zu stärken, verabschiedet sich und kündigt an, ihre Reinheit überall zu preisen. Abschließend wird der Titel genannt: ''Die Rede heist du hast mein hertz allein''.


(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 296f.)


[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Klagerede]]
[[Kategorie:Quelle Klagerede]]

Aktuelle Version vom 3. Februar 2026, 23:01 Uhr

Klage einer älteren Frau (B220)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung nach 1473
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 439, 47r-51v
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Klage einer älteren Frau; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 296f.

Inhalt

Die Sprecherin schläft vor Kummer auf einer Wiese ein, bis sie von einer freundlichen Stimme geweckt wird. Ein junger Mann fragt nach ihrem Leid. Sie erkennt in ihm den Knecht der Welt und erklärt, sie habe zwar Freude und Besitz, müsse sich aber wegen ihres Alters und ihrer Hässlichkeit von der fröhlichen Jugend zurückziehen und einsam bleiben. Er widerspricht und rät ihr, sich einen jüngeren Gefährten zu suchen und das Leben zu genießen. Sie lehnt ab, denn sie habe einst eine treue und ehrenhafte Liebesbeziehung geführt, bis äußere Umstände sie trennten. Während sie glaubte, beide würden den Schmerz für immer tragen, habe er bald anderswo sein Glück gesucht. Sie selbst habe lange alle neuen Liebesangebote abgewiesen, bis ein minniglicher Held ihr seine Liebe gestand, die sie so tief ergriff, dass kein anderer Mann sie je wieder berühren könne; sie hoffe, Gott möge ihn ihr gönnen. Der junge Mann fragt, ob sie alle Männer für so wankelmütig halte. Sie antwortet mit einer Klage über die heutige Jugend, die unbeständig, prahlerisch, trinkfreudig und indiskret sei, statt gottesfürchtig, verschwiegen und ritterlich. Er entgegnet, die Frauen selbst bevorzugten reiche, aber untüchtige Männer gegenüber tapferen, wenn auch armen Kämpfern. Die Sprecherin stimmt zu und beklagt den Verfall weiblicher Tugenden, seit Ehre käuflich geworden sei; früher habe man noch den tapferen, wenn auch armen Mann geschätzt, heute zählten äußerliche Moden. Der junge Mann warnt sie vor Männern, deren Herzen von Neugier und Unbeständigkeit beherrscht seien, und bietet ihr seinen Dienst an. Sie erinnert ihn an ihr Treueversprechen und erklärt, sie wolle ihre Zeit mit dem verbringen, den Gott ihr bestimmt habe, und allein bleiben, da die Liebe nicht mehr sei wie früher. Er bittet Gott, ihre Treue zu stärken, verabschiedet sich und kündigt an, ihre Reinheit überall zu preisen. Abschließend wird der Titel genannt: Die Rede heist du hast mein hertz allein.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 296f.)