Der unentschlossene Minner (B50)

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Der unentschlossene Minner (B50)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung um 1425
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Karlsruhe, Landesbibliothek: Hs. Donaueschingen 104, 101rb-103ra
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Der unentschlossene Minner; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 88-90

Inhalt

A Einleitung (1–15):

Der Sprecher schildert das außergewöhnliche Leid von Herz und Körper, noch in der dritten Person. Ein Übergang zu B fehlt.

B Dialog zwischen Körper und Herz (16–252):

Der Körper fordert das Herz auf, seine Treue zur Geliebten endlich aufzugeben: Nur ein Esel trage eine schwere Last ohne Lohn, und er selbst sei ein solcher, weil er trotz erkennbaren Schadens nicht aufhöre. Hoffnung habe ihn getäuscht; Trost sei unerreichbar. Das Herz sei schuld, und wenn es nicht nachlasse, würden beide zugrunde gehen. Das Herz gesteht, dass Ruhe nur durch Aufgabe der Liebe möglich wäre, doch es könne das auferlegte Joch nicht mehr abwerfen. Es sei zu schwach geworden, um die Minneverstrickung zu lösen. Der Körper wirft ihm daraufhin vor, nie wirklich aufhören zu wollen. Das Herz entgegnet, der Körper habe durch seinen Blick die Wunde erst geschlagen; die Schönheit der Dame halte es unentrinnbar fest. Der Körper mahnt zu Widerstand: Er selbst leide unter dem Minneband, die Dame gebe keinerlei Hoffnung, und dennoch müsse er seinem Herzen Untreue empfehlen, so sehr quäle ihn die Not. Seit Kindheit diene er ihr ohne Dank; wenn das Herz sterben wolle, solle man eben gemeinsam ausharren. Das Herz überbietet: Sein Leid sei größer, es wache, wenn der Körper schlafe, und werde von Liebeshunden gehetzt. Der Anblick der Dame wirke wie unlöschbares Seefeuer. Die Meister hätten die Macht der Liebe längst beschrieben. Lieber verliere es das Seelenheil, als von ihr zu lassen. Der Körper sei feige; das Herz bleibe treu, komme was wolle. Der Körper verteidigt sich: Immer wenn er sprechen wolle, erschüttere das Herz ihn und hindere ihn. Und selbst Mut würde nichts nützen, da die Dame nicht hören wolle. Von Schmach gebeugt, ergebe er sich schließlich dem Schicksal und der Pflicht zu Klage und Treue.

C Schluss (253–294):

Ohne Markierung folgt abschließend eine Ich-Rede, die sich am ehesten dem minnenden Sprecher zuordnen lässt. Jedenfalls lässt sich dieser Schluss als Ergebnis des inneren Dialogs zwischen seinem Herzen und seinem Körper auffassen: Der Sprecher beklagt sein exzeptionelles Leid, preist die Dame als Krone weiblicher ›Zucht‹ usw., versichert sie seiner Treue und findet Zuflucht bei der Gedankenminne (272: gedenck sint fry). Am Ende ruft er Frau Venus an, dass die Geliebte sich seiner erbarmen möge.

Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 89f.