Klage über die Untreue der Geliebten (B56)
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Klage über die Untreue der Geliebten (B56) | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung um 1530 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Berlin, Staatsbibliothek: Mgf 488, 364r-372v |
| Ausgaben | Dorobantu, Julia/Klingner, Jacob/Lieb, Ludger (Hg.): Minnereden, S. 100-113 |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Klage über die Untreue der Geliebten; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 101-103 |
Inhalt
A Klage (1–129):
Der Sprecher kündigt an, von großer Liebe und falscher Treue zu erzählen: Seine Leidenschaft für ein Mädchen blieb unbeachtet, ihre Scherze täuschten ihn nur – statt Gold fand er Blei. Ein Nebenbuhler kaufte sich mit Geschenken ihre Gunst. Nach einem Jahr treuen Dienstes erfuhr er, dass sie einen anderen bevorzuge. Er verflucht den falschen Freund, der ihn verdrängte, und klagt die Unbeständigkeit der Dame, Neid und übertriebene Huote an. Die Welt sei schlecht, das Begehren wandelbar. Die Geliebte habe ihn zum Narren gemacht, wie schon mehrere vor ihm, und er wisse nicht, ob Armut oder Hässlichkeit ihn benachteilige. Besonders schmerze ihn, dass sie ihm Liebe vorspielte, während sie im Herzen einen anderen gleich schätzte. Sie schmeichle jedem und sei so wechselhaft wie der April.
B Erzählung (130–351):
Der Sprecher schildert ein Erlebnis zur Bestätigung seiner Klage: Ein Freund bemerkt seine Trauer, kurz darauf beschimpft ihn die Dame und weist ihn ab. Schlaflos sucht er nach seinem Fehler und verliert jede Hoffnung. Bei einer geselligen Runde trinkt er, um nicht aufzufallen, und fasst neuen Mut. Da tritt die Geliebte freundlich an ihn heran; er weist sie scharf zurecht. Sie erklärt, sie habe aus Eifersucht gehandelt, und bittet ihn, ihr wieder zu dienen. Er lässt sich besänftigen, nimmt den Dienst erneut auf und bemüht sich unermüdlich um sie – ohne zu merken, dass sie ihn erneut täuscht und längst einen anderen bevorzugt.
C Resignation (352–420):
Seine erneute Enttäuschung beschreibt der Sprecher in sprichwörtlichen Wendungen: Der Esel habe nicht einmal, sondern mehrmals nach ihm ausgeschlagen, das wolle er sich eine Lehre sein lassen und die Stelle, wo ihm dies geschehen sei, künftig meiden. Er wolle sein gottgewolltes Schicksal tragen. Frauen, die Ähnliches täten, finde man viele. Sein Nachfolger sei zu bedauern. Er bittet das Publikum um Nachsicht: Seine Klage habe ihren Grund in der Untreue der Dame und in hinterhältiger Verleumdung. Der Sprecher verflucht den Verleumder. Hätte die Dame sich nicht freundlich gezeigt und ihre Verachtung für ihn offen gelegt, so hätte er sie in Ruhe gelassen. Nun aber fühle er sich um seinen Lohn betrogen. Er endet resignativ: Aber was ich nit soll | Mit guttem willenn gehaben | Do laß ich bald vonn abe (418–420).
(Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 101-103)