Die Nacht in der Feldscheune (B66)

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Die Nacht in der Feldscheune (B66)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung ab 1450
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 313, 228r-233r
Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 355, 121r-127r
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Die Nacht in der Feldscheune; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 114f.; Philipowski, Katharina: 'Ich' mit Narrenkappe, S. 174f.

Inhalt

A Spaziergangseinleitung (1–64):

Der Sprecher schildert, wie er nach Michaelstag ausreitet, sich verirrt und bis zur Dunkelheit niemandem begegnet. Betrübt legt er sich in einer leeren Scheune am Waldrand zur Ruhe. Ein Regenschauer weckt ihn, und ein durchnässter Fremder tritt ein, ohne ihn zu bemerken. Der Sprecher bleibt verborgen, um dessen Beweggründe zu erfahren. Der Mann singt sich ein – und bricht dann in eine ausgedehnte Liebesklage aus.

B Belauschte Liebesklage (65–258):

Der Mann ruft Gott und Christus an und klagt, die Dame beschuldige ihn zu Unrecht der Untreue, obwohl er ihr ganz ergeben sei. Er bittet Venus, ihr seine Treue zu bestätigen, damit sie gemeinsam wieder Freude finden. In der anschließenden Anrede der Geliebten fleht er sie an, nicht auf die verleumderischen „Hunde“ zu hören. Ihr Herz gehöre ihm; er bekenne sich zu ehrenhafter Minne und kenne den Standesunterschied. Seine Armut solle sie nicht abweisen – seine Treue sei unverrückbar. Fern bleibe er ihr nur aus Angst vor den Klaffern. In einer langen erneuten Bitte an Venus fordert er sie immer wieder auf, als Botin einzutreten und der Geliebten seine Treue zu versichern.

C Eingeschobener exemplarischer Dialog (140–197):

Der Dialog zeigt die Härte der Dame: Auf sein Nachfragen erklärt sie, er gefährde ihre Ehre und schätze ihre Opfer nicht. Sie erinnert an seinen mit erhobener Hand geleisteten Treueeid und wirft ihm nachredende Gerüchte über andere Liebschaften vor. Seine Beteuerungen weist sie zurück und bleibt selbst durch Kniefall und Unschuldsversicherungen ungerührt.

D Fortsetzung der Liebesklage (B) (198–258):

Um sie zur Fürsprache bei seiner Geliebten zu bewegen, verspricht der Mann der Königin Venus ewigen Dienst (212f.: in dinem gewalt muoß ich stön | Venus, die wil ich hän das leben). Das Vertrauen seiner Geliebten, das er offenbar nicht mehr herzustellen in der Lage sei, würde ihn in höchste Freude versetzen. Er beteuert, ewig an der Treue zu seiner Geliebten festzuhalten (Verweis auf Minnegefangenschaft und schmerzhaftes Meiden): Wenn er der Geliebten auch keine materiellen Geschenke machen könne, so wolle er ihr doch treu sein, wie sie ihm treu sei. – Das Ende der Liebesklage (253–258) scheint einen anderen Sprecher zu haben, denn in ihr wird der klagende Mann angesprochen und in seiner Anrufung der Venus bestärkt (mit Ziegeler 1985, 71, lässt sich diese Passage als ›Nahtstelle‹ zweier zusammengefügter, aber nicht völlig dem neuen Rahmen angepasster Redetypen interpretieren).

E Schluss (259–286):

Nach Beendigung der Klage bricht der Tag an, und der Mann reitet davon. Der Sprecher, der wissen will, wer der Besucher ist und ihm sein Lauschen eingestehen will, reitet ihm in den Wald hinterher. Er verliert die Fährte, muss aber an den Mann und seine Angebetete denken. Dann gerät er auf einen Weg, der ihn heimträgt. Er schließt mit einem Segenswunsch für den Liebenden und seine Dame. Die Rede endet mit Amen.

(Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, 114f.)