Der Traum von der Liebe (B210)

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Der Traum von der Liebe (B210)

AutorIn Vor Mitte 14. Jhd.
Entstehungszeit
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Straßburg, Stadtbibliothek: Cod. A 94 (verbrannt), 1ra-4va
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob: Der Traum von der Liebe; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 277-280

Inhalt

A Minneklage (1–80)

Der Sprecher schildert seinen langanhaltenden Liebeskummer und den Wunsch, sein Herz vor weiterer Verletzung zu verschließen. Er fühlt sich der Macht der Minne ausgeliefert: betäubt, verwundet und doch unfähig, sich vom Anblick der Geliebten zu lösen. Ihre Tugend hält ihn am Leben, während seine Gedanken wie ein Jagdvogel auf den Lockvogel fixiert sind. In Schachmetaphorik beschreibt er sein drohendes Verderben. Seine Liebe wirkt in paradoxen Gegensätzen: Sie verbrennt und friert, macht klug und töricht, heilt und verwundet zugleich. In dieser Verbindung von Lust und Leid sei er unauflöslich verstrickt. Nun will er berichten, wie er in dieses „minnende Spiel“ geraten ist.

B Traum / Begegnung mit der geliebten Dame (81–193)

Im Traum führt ihn die Minne zu seiner schlafenden Geliebten, deren Anblick ihn überwältigt. Es folgt eine ausführliche, idealisierende Schönheitsbeschreibung: ihr weißer, weicher Körper, die leuchtenden Augen, goldfarbenen Haare, der rosenrote Mund, der duftende Atem. Immer wieder reflektiert er die Wirkung ihres Anblicks, spricht von Feuer, Unsagbarkeit und Minneparadoxa. Er beschreibt Hals, Brüste, Hände und Arme, bis die Decke den Rest ihres Körpers verbirgt. Er vergleicht sie mit einem Engel und einer Lilie. Von Sehnsucht ergriffen betrachtet er sie lange, nimmt sie schließlich zitternd in die Arme und küsst sie, woraufhin ihn die Minne „verwundet“. Er tadelt Frau Minne dafür, ihn an diesen Ort geführt zu haben.

C Gespräch mit Frau Minne (194–439)

Der Sprecher klagt Frau Minne an, ihn zur Geliebten geführt zu haben, ohne Erfüllung zu gewähren. Sie fordert ihn zu Treue und Beständigkeit auf und verspricht Lohn durch die tugendhafte Dame. Er fürchtet jedoch Spott und wagt kein Geständnis. Frau Minne drängt ihn, verweist auf die Macht der Beständigkeit und tadelt seine Zaghaftigkeit. Als er sich beklagt, sie nehme seinen Tod in Kauf, steigert sich das Gespräch zum Streit: Er vergleicht sie mit einem schlechten Jäger, sie droht ihm Schläge an. Schließlich erklärt sie, nur tugendhafte, verschwiegen auftretende Männer könnten bei ihr Gnade finden. Der Sprecher erkennt ihre Absicht, bittet um Gnade und versichert ihr umfassenden Dienst. Frau Minne stellt ihm Erfüllung in Aussicht, wenn er ihren Geboten folgt. Er bekennt seinen Wunsch, die vollkommene Geliebte zu gewinnen, und preist das Glück, das ihm daraus erwachsen würde, höher als alle Schätze der Welt. Frau Minne gibt ihm schließlich eine Devise für seine Kleidung, die seine Beständigkeit bezeugen soll, und fordert ihn auf, die schlafende Dame zu küssen und dann zu gehen.

D Erwachen (440–463)

Als der Sprecher die Geliebte küssen will, erwacht er vor Erregung. Er beklagt den Verlust der Traumgestalt und das erneute Aufflammen seines Leids, bekräftigt jedoch, nicht aufzugeben, bis ihm der Traum eines Tages die ersehnte Erfüllung bringe.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 277-280)