Der Turse (Der Stricker)

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Der Riese; Der Turse

AutorIn Der Stricker
Entstehungszeit Ca. 1220-1250 (Grubmüller, Klaus (Hg.): Novellistik des Mittelalters, S. 1020)
Entstehungsort Österreich? (Grubmüller, Klaus (Hg.): Novellistik des Mittelalters, S. 1020)
AuftraggeberIn
Überlieferung Wien, ÖNB: Cod. 2705 (online: [1])
München, UB: 2° Cod. ms. 731 (online: [2])
London, British Library: Add MS 24946
Heidelberg, UB: Cpg 341 (online: [3])
Genève-Cologny, Bibliotheca Bodmeriana: Cod. Bodmer 72 (online: [4])
Ausgaben Ehrismann, Otfrid (Hg.): Der Stricker. Erzählungen, Fabeln, Reden, S. 88-93
Mettke, Heinz (Hg.): Fabeln und Mären von dem Stricker, S. 141-144
Moelleken, Wolfgang Wilfried (Hg.): Die Kleindichtung des Strickers, Band V, S. 219-223
Übersetzungen Ehrismann, Otfrid (Hg.): Der Stricker. Erzählungen, Fabeln, Reden, S. 88-93
Spiewok, Wolfgang (Hg.): Altdeutsches Decamerone, S. 49-51
Forschung

Die Überlieferung wurde nach Moelleken, Wolfgang Wilfried (Hg.): Die Kleindichtung des Strickers übernommen; Seitenangaben und ggf. Neufunde fehlen noch.

Inhalt

Narratio

Zwölf Männer verirren sich im Wald, was ihnen schaden wird. Sie finden ein Haus, in dem eine schöne Frau ist. Als sie das Haus betreten haben, hören sie einen Riesen kommen. Die Dame versteckt sie vor diesem, ihrem Mann, auf dem Boden. leugnet auch erst, als er behauptet, im Hause seien Menschen. Schließlich findet er sie und fordert, sie sollten einen herabwerfen, sonst ginge es allen an das Leben. Sie werfen den Schwächsten herunter, den er binnen kurzem frisst. Er fordert einen weiteren, frisst ihn, nachdem sie ihn ihm gegeben haben, ebenso geht es mit dem dritten und allen anderen. Als nur noch einer übrig ist, fordert der Riese auch ihn auf herunterzukommen. Der aber weigert sich und will sich wehren. Der Riese dagegen sagt ihm, als sie noch zu zwölft gewesen seien, hätten sie sich wehren und er sich retten können, nun sei es zu spät. Dann holt er ihn und frisst auch ihn.

Epimythion

Wie der Riese handelt ein schlechter mächtiger Herr, der ein Geschlecht vertreiben will. Er beginnt mit dem Schwächsten, und wenn die anderen gleich verzagen und diesen vertreiben lassen, vertreibt er den nächsten und so fort, bis alle das gleiche Los haben. Je mehr sie verlieren, desto weniger können sie sich wehren. Wer mannhaft leben will, wehre sich rechtzeitig. Jener hat mit dem Kampf so lange gewartet, bis ihn der Riese bezwungen hat. Da hat er sich zu spät gewehrt.

(Ziegeler, Hans-Joachim: Erzählen im Spätmittelalter, S. 482)