Die Beichte einer Frau (B340): Unterschied zwischen den Versionen

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:München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 713, 64r-72r<br />Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum: Hs. 5339a, 306r-315v<br />Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek: Cod. Quart 566, 1r-4r<br />Berlin, Staatsbibliothek: Cod. 115, 9r-11r, 25v-26r
:[https://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb00061175-8 München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 713], 64r-72r<br />[https://dlib.gnm.de/item/Hs5339a Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum: Hs. 5339a], 306r-315v<br />Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek: Cod. Quart 566, 1r-4r<br />Berlin, Staatsbibliothek: Cod. 115, 9r-11r, 25v-26r


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:Berlin, Staatsbibliothek: Mgq 2370, 59v-64v<br />Stuttgart, Landesbibliothek: Cod. poet. et Phil. 4° 69, 266v-278r
:[http://resolver.staatsbibliothek-berlin.de/SBB000053A800000000 Berlin, Staatsbibliothek: Mgq 2370], 59v-64v<br />Stuttgart, Landesbibliothek: Cod. poet. et Phil. 4° 69, 266v-278r


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==Inhalt==
=== A Einleitung (1–19) ===
Nach dem Kirchgang sieht der Sprecher durch ein Fenster des Pfarrhauses eine Frau, die vor dem Priester kniet und beichtet. Er versteckt sich unter dem Fenster und belauscht das Gespräch, das den Hauptteil des Textes bildet.


=== B Das Beichtgespräch (20–454) ===
Der Priester fragt die Frau, ob sie eine heimliche Liebesbeziehung habe. Sie bejaht – ohne darin Sünde zu sehen. Der Priester widerspricht, doch die Dame verteidigt sich ausführlich: Ihr junger Geliebter und sie selbst strebten Tugendhaftigkeit an; ihr Verhältnis mehre ihre Ehre, und Gott kenne ihre guten Absichten. Nur die „falsche Welt“ verurteile solche Minne.
Der Priester mahnt, Gott allein solle man im Herzen lieben. Die Dame kontert mit dem Gebot der Nächstenliebe und verwischt bewusst die Grenze zwischen amor und caritas. Sie führt aus, dass ihre Liebe Tugenden hervorbringe: Gottesfurcht, Zucht, Mäßigung, Klugheit. Auch die Ritterschaft sei gottgeweiht; Ritter bewährten sich im Dienst der Damen.
Der Priester warnt, Damen trügen Schuld, wenn Ritter ihretwegen stürben. Die Dame entkräftet dies: Niemand sterbe vor Gottes festgesetzter Zeit; viele Minneritter seien alt geworden, andere ohne Damenpreis früh gestorben. Mut im Minnedienst sei ehrenvoll. Zudem bete eine liebende Frau unablässig für ihren Geliebten – das mehre Gottes Ehre.
Sie fordert den Priester auf, die Ritterschaft zu unterstützen; ohne Minne gäbe es keine Kämpfer gegen Heiden, keine Preußenfahrten, keine Überseefahrten. Ritter hielten ihre Damen zudem in Zucht – Minne sei eine „rechte Meisterin“.
Der Priester ist der Argumentation nicht gewachsen. Er dankt ihr für ihre „Weisheit“, gesteht seinen Irrtum ein und bietet Buße an: Er wolle künftig allen tugendhaften Männern und Frauen zum Minnedienst raten. Ihr auferlegt er als Buße, ihrem Geliebten treu zu bleiben.
Die Dame verspricht dies gern – mit Einschränkungen: Nur wenn sein Ruf beschädigt würde oder er heimlich untreu wäre, würde sie ihn verachten.
Der Priester fragt nun, wie ihr Geliebter sie überhaupt verlassen könne, da sie so treu sei. Die Dame gesteht, sie zweifle dennoch manchmal an seiner Beständigkeit. Der Priester warnt vor dem Verdacht Unschuldiger. Die Dame beichtet diesen Argwohn als Sünde und bittet um Absolution. Der Priester erteilt sie und wiederholt die Buße der Treue. Die Frau erhält den Segen und geht.
=== C Nachrede des Sprechers (455–552) ===
Auch der Sprecher entfernt sich und reflektiert das Gehörte. Er lobt die Dame und freut sich über die Lehre, die er durch das Belauschen erhalten hat. Er greift den Konflikt mit der Welt auf, die die Minne verurteile, und beklagt die Klaffer.
Er bekennt sich selbst als völlig der Minne verfallen und würde gern einer Dame dienen. Er preist die beichtende Frau und hält ihren Geliebten für überaus glücklich – sofern dieser ihren Wert erkenne. Er bittet Gott für sie und für alle Liebenden.
Er wolle jenen treu sein und helfen, die ohne List und Betrug lieben; einem solchen Helfer, der reden und schweigen könne und sich vor der Welt hüte, solle selbst ein Kaiser sich neigen.
=== D Schluss (553–558) ===
Der Text endet mit der Bitte an Gott, alle zu bestrafen, die guten Damen ihre Freude und ihre ehrenhafte Liebe verderben wollen.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 522-526)


[[Kategorie:Quelle Minnerede]]
[[Kategorie:Quelle Minnerede]]

Aktuelle Version vom 10. Februar 2026, 22:56 Uhr

Die Beichte einer Frau (B340)

AutorIn Anon.
Entstehungszeit Überlieferung ab 1430-1435
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Langfassung:
Berlin, Staatsbibliothek: Mgf 488, 14v-25r
Leipzig, Universitätsbibliothek: Ms. 1614, 142r-153r
Prag, Knihovna Narodniho muzea: Cod. X A 12, 9r-17v
Karlsruhe, Landesbibliothek: Cod. K 408, 60va-64vb
London, British Library: Ms. Add. 24946, 90r-96v
Wien, Österreichische Nationalbibliothek: Cod. 2959, 46r-57r

Kurzfassung I:

Heidelberg, Universitätsbibliothek: Cpg 313, 466r-472r
Trier, Stadtbibliothek: Hs. 1120/128a 4°, 3r-6r
Berlin, Staatsbibliothek: Mgq 1107, 119r-121v

Kurzfassung II:

München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 713, 64r-72r
Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum: Hs. 5339a, 306r-315v
Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek: Cod. Quart 566, 1r-4r
Berlin, Staatsbibliothek: Cod. 115, 9r-11r, 25v-26r

Kurzfassung III:

München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 270, 121v-124v
München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 379, 87r-91v
Salzburg, Stiftsbibliothek St. Peter: Cod. b IV 3, 91r-94v

Kurzfassung IV:

Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek: Cod. Oct. 145, 48r-53v

Fassung mit Umstellung:

Berlin, Staatsbibliothek: Mgq 2370, 59v-64v
Stuttgart, Landesbibliothek: Cod. poet. et Phil. 4° 69, 266v-278r

Fassung mit neuem Schluss:

Dessau, Landesbücherei: #hs. Georg. 24.8°, 239r-243v
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 522-526; Stridde, Christine: Die Beichte einer Frau; Von Schüching, Heinz: Studien zu einer kritischen Ausgabe der Dichtungen von Heinz Rosenplüt, S. 514f.

Inhalt

A Einleitung (1–19)

Nach dem Kirchgang sieht der Sprecher durch ein Fenster des Pfarrhauses eine Frau, die vor dem Priester kniet und beichtet. Er versteckt sich unter dem Fenster und belauscht das Gespräch, das den Hauptteil des Textes bildet.

B Das Beichtgespräch (20–454)

Der Priester fragt die Frau, ob sie eine heimliche Liebesbeziehung habe. Sie bejaht – ohne darin Sünde zu sehen. Der Priester widerspricht, doch die Dame verteidigt sich ausführlich: Ihr junger Geliebter und sie selbst strebten Tugendhaftigkeit an; ihr Verhältnis mehre ihre Ehre, und Gott kenne ihre guten Absichten. Nur die „falsche Welt“ verurteile solche Minne. Der Priester mahnt, Gott allein solle man im Herzen lieben. Die Dame kontert mit dem Gebot der Nächstenliebe und verwischt bewusst die Grenze zwischen amor und caritas. Sie führt aus, dass ihre Liebe Tugenden hervorbringe: Gottesfurcht, Zucht, Mäßigung, Klugheit. Auch die Ritterschaft sei gottgeweiht; Ritter bewährten sich im Dienst der Damen. Der Priester warnt, Damen trügen Schuld, wenn Ritter ihretwegen stürben. Die Dame entkräftet dies: Niemand sterbe vor Gottes festgesetzter Zeit; viele Minneritter seien alt geworden, andere ohne Damenpreis früh gestorben. Mut im Minnedienst sei ehrenvoll. Zudem bete eine liebende Frau unablässig für ihren Geliebten – das mehre Gottes Ehre. Sie fordert den Priester auf, die Ritterschaft zu unterstützen; ohne Minne gäbe es keine Kämpfer gegen Heiden, keine Preußenfahrten, keine Überseefahrten. Ritter hielten ihre Damen zudem in Zucht – Minne sei eine „rechte Meisterin“. Der Priester ist der Argumentation nicht gewachsen. Er dankt ihr für ihre „Weisheit“, gesteht seinen Irrtum ein und bietet Buße an: Er wolle künftig allen tugendhaften Männern und Frauen zum Minnedienst raten. Ihr auferlegt er als Buße, ihrem Geliebten treu zu bleiben. Die Dame verspricht dies gern – mit Einschränkungen: Nur wenn sein Ruf beschädigt würde oder er heimlich untreu wäre, würde sie ihn verachten. Der Priester fragt nun, wie ihr Geliebter sie überhaupt verlassen könne, da sie so treu sei. Die Dame gesteht, sie zweifle dennoch manchmal an seiner Beständigkeit. Der Priester warnt vor dem Verdacht Unschuldiger. Die Dame beichtet diesen Argwohn als Sünde und bittet um Absolution. Der Priester erteilt sie und wiederholt die Buße der Treue. Die Frau erhält den Segen und geht.

C Nachrede des Sprechers (455–552)

Auch der Sprecher entfernt sich und reflektiert das Gehörte. Er lobt die Dame und freut sich über die Lehre, die er durch das Belauschen erhalten hat. Er greift den Konflikt mit der Welt auf, die die Minne verurteile, und beklagt die Klaffer. Er bekennt sich selbst als völlig der Minne verfallen und würde gern einer Dame dienen. Er preist die beichtende Frau und hält ihren Geliebten für überaus glücklich – sofern dieser ihren Wert erkenne. Er bittet Gott für sie und für alle Liebenden. Er wolle jenen treu sein und helfen, die ohne List und Betrug lieben; einem solchen Helfer, der reden und schweigen könne und sich vor der Welt hüte, solle selbst ein Kaiser sich neigen.

D Schluss (553–558)

Der Text endet mit der Bitte an Gott, alle zu bestrafen, die guten Damen ihre Freude und ihre ehrenhafte Liebe verderben wollen.

(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 522-526)