Stiefmutter und Tochter (B351): Unterschied zwischen den Versionen
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
Keine Bearbeitungszusammenfassung |
||
| (4 dazwischenliegende Versionen desselben Benutzers werden nicht angezeigt) | |||
| Zeile 5: | Zeile 5: | ||
| entstehungsort = | | entstehungsort = | ||
| auftraggeberin = | | auftraggeberin = | ||
| überlieferung = Bamberg, Bibliothek des Historischen Vereins in der Staatsbibliothek: H. V. Msc. 569 (Nr. 1789), 12r-15v<br />Dresden, Landesbibliothek: Mscr. M 50, 102v-106r<br />Leipzig, Universitätsbibliothek: Ms. 1590, 43r-47v<br />London, British Library: MS Add. 24946, 133v-135v<br />München, Staatsbibliothek: Cgm 270, 59v-60r<br />München, Staatsbibliothek: Cgm 379, 148r-151v<br />München, Staatsbibliothek: Cgm 5919, 205r-210r<br />Prag, Nationalmuseum: Cod. X A 12, 245r-248v<br />Sterzing, Stadtarchiv, ohne Signatur: 39v-41v<br />Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek: Cod. Quart 564, 140r-141v<br />Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek: Cod. Oct. 145, 53v-60r<br />Privatbesitz, August Gottlieb Meißner | | überlieferung = Bamberg, Bibliothek des Historischen Vereins in der Staatsbibliothek: H. V. Msc. 569 (Nr. 1789), 12r-15v<br />[http://digital.slub-dresden.de/id276819853 Dresden, Landesbibliothek: Mscr. M 50], 102v-106r<br />[http://www.manuscripta-mediaevalia.de/dokumente/html/obj90680919,T Leipzig, Universitätsbibliothek: Ms. 1590], 43r-47v<br />London, British Library: MS Add. 24946, 133v-135v<br />München, Staatsbibliothek: Cgm 270, 59v-60r<br />München, Staatsbibliothek: Cgm 379, 148r-151v<br />München, Staatsbibliothek: Cgm 5919, 205r-210r<br />Prag, Nationalmuseum: Cod. X A 12, 245r-248v<br />Sterzing, Stadtarchiv, ohne Signatur: 39v-41v<br />[https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:gbv:32-1-10013478588 Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek: Cod. Quart 564], 140r-141v<br />Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek: Cod. Oct. 145, 53v-60r<br />Privatbesitz, August Gottlieb Meißner | ||
| ausgaben = | | ausgaben = | ||
| übersetzungen = | | übersetzungen = | ||
| Zeile 11: | Zeile 11: | ||
}} | }} | ||
==Inhalt== | |||
=== A Einleitung (1–6) === | |||
Der Sprecher berichtet, er habe nachts eine Mutter und ihre Tochter in deren Kammer belauscht. | |||
=== B Anfang des belauschten Gesprächs (7–19) === | |||
Die Tochter äußert den Wunsch, einen Mann zu finden, der ihr körperliches Begehren stillen könne. | |||
Die Mutter bestärkt sie und kündigt an, ihr zu zeigen, wie sie „Gut und Ehre“ gewinnen und bewahren könne – durch eine Erzählung ihres eigenen Lebens und durch konkrete Anweisungen. | |||
=== C Erzählung der Mutter (20–138) === | |||
Die Mutter berichtet von ihrem früheren Umgang mit Männern: | |||
Sie habe sich nur mit wohlhabenden Männern eingelassen. | |||
Männer, die „auf Kredit“ lieben wollten, habe sie wegen des Risikos einer Schwangerschaft abgewiesen. | |||
Oft habe sie drei Liebhaber gleichzeitig gehabt und sie aus finanziellen Gründen durch ihr Schlafzimmer geschleust. | |||
Sie habe heimlich die Taschen der Männer geleert. | |||
Zwei Liebhaber habe sie zum Heumachen vorgeschickt, um immer einen verfügbar zu haben. | |||
Dem Bauern habe sie sich im Stall hingegeben; im Kornfeld habe sie viel Getreide niedergewalzt. | |||
Sie nennt sich ironisch eine „wohlversuchte Magd“. | |||
Sieben uneheliche Kinder habe sie geboren und jeweils dem reichsten Liebhaber vor die Tür gelegt, um Schweigegeld zu erpressen. | |||
Ausführlich schildert sie einen Kampf zweier Männer um sie, während ihr eigentlicher Favorit ein anderer war. | |||
Die Verletzten habe sie am Krankenbett beweint, unterstützt durch einen nassen Schwamm unter dem Hut, um Tränen zu simulieren – in Wahrheit habe sie nur bedauert, keinen der Männer beerben zu können. | |||
=== D Anleitung (139–206) === | |||
Die Mutter gibt der Tochter konkrete Anweisungen: | |||
*„Lüge und betrüge jedermann.“ | |||
*Männer, die am Haus vorbeigehen, solle sie anlocken. | |||
*Sie solle mit Schmeicheleien, Berührungen, freizügiger Kleidung und leidenschaftlichen Küssen verführen. | |||
*Von unerfahrenen Werbern solle sie zunächst viel Geld verlangen, sich aber wie beim Fischhandel auf Preisnachlass einlassen. | |||
*Liebe sei schnell verderblich; die Tochter solle ihre Jugend nutzen. | |||
*Wenn ihre Schönheit verblühe, könne sie sich einen Ehemann suchen. | |||
=== E Ende des belauschten Gesprächs (207–212) === | |||
Die Tochter verspricht, den Lehren der Mutter zu folgen und den nächsten Mann gründlich auszunehmen. | |||
=== F Schluss (213–228) === | |||
Der Sprecher kommentiert mit dem Sprichwort, der Apfel falle nicht weit vom Stamm. | |||
Er berichtet, die Tochter habe seither viele Dummköpfe betrogen. | |||
Vor allem vor der Mutter wolle er sich hüten. | |||
Würde sie vom Teufel geholt, hätten viele junge Männer Ruhe, und viele ehrbare Töchter würden davor bewahrt, durch solche Lehren ihre Ehre zu verlieren. | |||
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 548f.) | |||
[[Kategorie:Quelle Minnerede]] | [[Kategorie:Quelle Minnerede]] | ||
Aktuelle Version vom 11. Februar 2026, 09:35 Uhr
|
Stiefmutter und Tochter (B351) | |
|---|---|
| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung ab erstes Drittel 15. Jhd. |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Bamberg, Bibliothek des Historischen Vereins in der Staatsbibliothek: H. V. Msc. 569 (Nr. 1789), 12r-15v Dresden, Landesbibliothek: Mscr. M 50, 102v-106r Leipzig, Universitätsbibliothek: Ms. 1590, 43r-47v London, British Library: MS Add. 24946, 133v-135v München, Staatsbibliothek: Cgm 270, 59v-60r München, Staatsbibliothek: Cgm 379, 148r-151v München, Staatsbibliothek: Cgm 5919, 205r-210r Prag, Nationalmuseum: Cod. X A 12, 245r-248v Sterzing, Stadtarchiv, ohne Signatur: 39v-41v Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek: Cod. Quart 564, 140r-141v Weimar, Herzogin Anna Amalia Bibliothek: Cod. Oct. 145, 53v-60r Privatbesitz, August Gottlieb Meißner |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Stiefmutter und Tochter; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 547-550; Von Schüching, Heinz: Studien zu einer kritischen Ausgabe der Dichtungen von Heinz Rosenplüt, S. 504f. |
Inhalt
A Einleitung (1–6)
Der Sprecher berichtet, er habe nachts eine Mutter und ihre Tochter in deren Kammer belauscht.
B Anfang des belauschten Gesprächs (7–19)
Die Tochter äußert den Wunsch, einen Mann zu finden, der ihr körperliches Begehren stillen könne. Die Mutter bestärkt sie und kündigt an, ihr zu zeigen, wie sie „Gut und Ehre“ gewinnen und bewahren könne – durch eine Erzählung ihres eigenen Lebens und durch konkrete Anweisungen.
C Erzählung der Mutter (20–138)
Die Mutter berichtet von ihrem früheren Umgang mit Männern:
Sie habe sich nur mit wohlhabenden Männern eingelassen.
Männer, die „auf Kredit“ lieben wollten, habe sie wegen des Risikos einer Schwangerschaft abgewiesen.
Oft habe sie drei Liebhaber gleichzeitig gehabt und sie aus finanziellen Gründen durch ihr Schlafzimmer geschleust.
Sie habe heimlich die Taschen der Männer geleert.
Zwei Liebhaber habe sie zum Heumachen vorgeschickt, um immer einen verfügbar zu haben.
Dem Bauern habe sie sich im Stall hingegeben; im Kornfeld habe sie viel Getreide niedergewalzt.
Sie nennt sich ironisch eine „wohlversuchte Magd“.
Sieben uneheliche Kinder habe sie geboren und jeweils dem reichsten Liebhaber vor die Tür gelegt, um Schweigegeld zu erpressen.
Ausführlich schildert sie einen Kampf zweier Männer um sie, während ihr eigentlicher Favorit ein anderer war.
Die Verletzten habe sie am Krankenbett beweint, unterstützt durch einen nassen Schwamm unter dem Hut, um Tränen zu simulieren – in Wahrheit habe sie nur bedauert, keinen der Männer beerben zu können.
D Anleitung (139–206)
Die Mutter gibt der Tochter konkrete Anweisungen:
- „Lüge und betrüge jedermann.“
- Männer, die am Haus vorbeigehen, solle sie anlocken.
- Sie solle mit Schmeicheleien, Berührungen, freizügiger Kleidung und leidenschaftlichen Küssen verführen.
- Von unerfahrenen Werbern solle sie zunächst viel Geld verlangen, sich aber wie beim Fischhandel auf Preisnachlass einlassen.
- Liebe sei schnell verderblich; die Tochter solle ihre Jugend nutzen.
- Wenn ihre Schönheit verblühe, könne sie sich einen Ehemann suchen.
E Ende des belauschten Gesprächs (207–212)
Die Tochter verspricht, den Lehren der Mutter zu folgen und den nächsten Mann gründlich auszunehmen.
F Schluss (213–228)
Der Sprecher kommentiert mit dem Sprichwort, der Apfel falle nicht weit vom Stamm. Er berichtet, die Tochter habe seither viele Dummköpfe betrogen. Vor allem vor der Mutter wolle er sich hüten. Würde sie vom Teufel geholt, hätten viele junge Männer Ruhe, und viele ehrbare Töchter würden davor bewahrt, durch solche Lehren ihre Ehre zu verlieren.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 548f.)