Die Zauberin (Z51): Unterschied zwischen den Versionen
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=== A Exposition (1–19) === | |||
Der Sprecher beschreibt zunächst allgemein, dass viele Menschen unter der Macht der Zauberei leiden. Dann bekennt er, selbst betroffen zu sein: Eine Zauberin, die besondere Künste beherrsche, übe trotz räumlicher Entfernung große Macht über ihn aus. Selbst wenn er weit fortreite, könne er sich ihrer List nicht entziehen. | |||
=== B Minneklage (20–141) === | |||
Er preist die innere und äußere Schönheit der Geliebten und klagt über sein Liebesleid, das so heftig sei, dass man ihm kaum glauben könne. Seine Qualen erklärt er allein durch die Gewalt ihrer Zauberei. Mehrfach habe er vergeblich versucht, mit ihr zu sprechen; ihr Schweigen verletze ihn zutiefst. Unverschuldet habe er die Gnade ihres roten Mundes verloren, dessen Stummheit ihn fast getötet habe. So müsse er Liebe und Leid zugleich ertragen, was er erneut ihrer Zauberkraft zuschreibt. Dennoch erfülle ihn der Anblick ihrer leuchtenden Augen und ihres lachenden Mundes mit solcher Freude, dass er den Moment segnen müsse, in dem er sie erstmals sah. | |||
=== C Frauenpreis und Schönheitsbeschreibung (142–306) === | |||
In direkter Anrede kündigt der Sprecher an, das Wesen der Zauberei zu erklären. Die Macht der Geliebten beruhe auf ihrer Vollkommenheit: Tugend, Reinheit, Schamhaftigkeit, makellose Erscheinung und ein schönes Äußeres, stellvertretend genannt ihr roter Mund. Ihre moralische Vorbildlichkeit veredle ihn selbst. Er preist ihre höfischen Tugenden und erläutert Wirkungen der Minne, bevor er eine ausführliche Schönheitsbeschreibung von Kopf bis Fuß gibt, die schließlich in erneute Tugendpreise und Liebesbeteuerungen mündet. | |||
=== D Liebesbekenntnis und Minnewerbung (307–421) === | |||
Der Sprecher schildert seine Freude über ihre Nähe; ihr Gruß sei sein Lehen. In der Kirche hoffe er, sie zu sehen: Ohne sie sei die Messe zu lang, mit ihr könne sie ein Jahr dauern. Ihre Traurigkeit breche ihm das Herz. Er könne sie niemals vergessen, doch sie wolle ihm seine Beständigkeit nicht glauben. Ein Gespräch mit ihr wird wiedergegeben, wobei nur seine Worte direkt erscheinen. Er bittet um ihr Gebot, dankt für die Berührung ihrer Hand und erfleht göttliche Gnade, um ihre Gnade zu erlangen. Trotz seiner Versicherungen bleibt sie misstrauisch und abweisend. Zwischen den Gesprächsfragmenten stehen monologische Klagen und Liebesversicherungen. | |||
=== E Minneklage (422–503) === | |||
Der Sprecher klagt über die Trennung von der Geliebten. Als er sie wieder sieht, bemerkt er ihre Traurigkeit, die ihm noch tieferes Leid zufügt. Er bereut, ihr seine Gefühle erneut offenbart zu haben, da sie zornig reagiert und ihn nicht erhören will. Ratlos gesteht er, dass er ohne sie niemals aus seinem Leid befreit werden könne. | |||
(Ausführliche Inhaltsangabe bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], Band 1, S. 1045-1047) | |||
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Aktuelle Version vom 7. April 2026, 20:15 Uhr
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Die Zauberin (Z51) | |
|---|---|
| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung um 1590 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Berlin, Staatsbibliothek: Handschrift 115, 15r-19v |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Die Zauberin; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 1045-1047 |
Inhalt
A Exposition (1–19)
Der Sprecher beschreibt zunächst allgemein, dass viele Menschen unter der Macht der Zauberei leiden. Dann bekennt er, selbst betroffen zu sein: Eine Zauberin, die besondere Künste beherrsche, übe trotz räumlicher Entfernung große Macht über ihn aus. Selbst wenn er weit fortreite, könne er sich ihrer List nicht entziehen.
B Minneklage (20–141)
Er preist die innere und äußere Schönheit der Geliebten und klagt über sein Liebesleid, das so heftig sei, dass man ihm kaum glauben könne. Seine Qualen erklärt er allein durch die Gewalt ihrer Zauberei. Mehrfach habe er vergeblich versucht, mit ihr zu sprechen; ihr Schweigen verletze ihn zutiefst. Unverschuldet habe er die Gnade ihres roten Mundes verloren, dessen Stummheit ihn fast getötet habe. So müsse er Liebe und Leid zugleich ertragen, was er erneut ihrer Zauberkraft zuschreibt. Dennoch erfülle ihn der Anblick ihrer leuchtenden Augen und ihres lachenden Mundes mit solcher Freude, dass er den Moment segnen müsse, in dem er sie erstmals sah.
C Frauenpreis und Schönheitsbeschreibung (142–306)
In direkter Anrede kündigt der Sprecher an, das Wesen der Zauberei zu erklären. Die Macht der Geliebten beruhe auf ihrer Vollkommenheit: Tugend, Reinheit, Schamhaftigkeit, makellose Erscheinung und ein schönes Äußeres, stellvertretend genannt ihr roter Mund. Ihre moralische Vorbildlichkeit veredle ihn selbst. Er preist ihre höfischen Tugenden und erläutert Wirkungen der Minne, bevor er eine ausführliche Schönheitsbeschreibung von Kopf bis Fuß gibt, die schließlich in erneute Tugendpreise und Liebesbeteuerungen mündet.
D Liebesbekenntnis und Minnewerbung (307–421)
Der Sprecher schildert seine Freude über ihre Nähe; ihr Gruß sei sein Lehen. In der Kirche hoffe er, sie zu sehen: Ohne sie sei die Messe zu lang, mit ihr könne sie ein Jahr dauern. Ihre Traurigkeit breche ihm das Herz. Er könne sie niemals vergessen, doch sie wolle ihm seine Beständigkeit nicht glauben. Ein Gespräch mit ihr wird wiedergegeben, wobei nur seine Worte direkt erscheinen. Er bittet um ihr Gebot, dankt für die Berührung ihrer Hand und erfleht göttliche Gnade, um ihre Gnade zu erlangen. Trotz seiner Versicherungen bleibt sie misstrauisch und abweisend. Zwischen den Gesprächsfragmenten stehen monologische Klagen und Liebesversicherungen.
E Minneklage (422–503)
Der Sprecher klagt über die Trennung von der Geliebten. Als er sie wieder sieht, bemerkt er ihre Traurigkeit, die ihm noch tieferes Leid zufügt. Er bereut, ihr seine Gefühle erneut offenbart zu haben, da sie zornig reagiert und ihn nicht erhören will. Ratlos gesteht er, dass er ohne sie niemals aus seinem Leid befreit werden könne.
(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 1045-1047)