Minner und Trinker (B418): Unterschied zwischen den Versionen
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Der Sprecher berichtet, auf einem Feld ein Streitgespräch zwischen einem höfischen Minner und einem Trinker belauscht zu haben, und fordert die Zuhörer auf, aufmerksam zuzuhören. | |||
===B Streitgespräch (11–248)=== | |||
Der Trinker beginnt und verspottet den Minner: Es sei töricht, für eine Frau zu leiden; er selbst ziehe den Wein vor, der Herz und Gemüt erfreue. Der Minner weist ihn grob zurück und bekennt sich zur höfischen Minne, deren heimliche Blicke, Treffen und Küsse für ihn mehr wert seien als ein ganzes Fass Wein oder alle Güter der Welt. Der Trinker hält dies für lächerlich und beschreibt das Leben des Minnedieners als voller Entbehrung: einsames Warten, Kälte, Regen, Angst vor Entdeckung und Strafe. Er selbst genieße Frieden, Wein und gutes Essen. Der Minner entgegnet mit dem „hohen Mut“, den ihm die Geliebte schenke, und schildert eine Szene am Fenster, in der sie ihm heimlich Einlass verspricht. Der Trinker bekräftigt, dass er nur an Speise und Trank interessiert sei; der Minner möge ruhig weiter hungrig dienen. Der Minner verflucht ihn und sagt ihm Armut, Krankheit, Gewalt und seelischen Schaden voraus; seine eigenen Minnefreuden seien unvergleichlich höher zu schätzen als jeder Wein. Der Trinker antwortet mit einer Gegenprophezeiung: Der Minner werde den Verstand verlieren, hungern, verstummen, in Angst leben und bei einem heimlichen Stelldichein verstümmelt oder getötet werden. Er selbst ziehe Wein und Braten jeder höfischen Minne vor. Der Minner schließt mit einem erneuten Lob der Minne: Für ertragenen Schmerz gebe es Trost und Freude, während Trunksucht nur Ohnmacht, Armut und einen gewaltsamen Tod bringe. | |||
===C Schluss (249f.)=== | |||
Der Sprecher beendet die Erzählung mit einer Segensformel: Der Trinker habe sein Ende gefunden, den Minner aber empfehle er Gott. | |||
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei [[Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden]], S. 692f.) | |||
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Aktuelle Version vom 26. Februar 2026, 20:51 Uhr
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Minner und Trinker; Der Minner und der Luderer; Lover and drinker | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung ab Mitte 14. Jhd. |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Fassung I:
Fassung II:
Fassung III: |
| Ausgaben | Grunewald, Eckhard: Die Zecher- und Schlemmerliteratur, S. 163-209; Ridder, Klaus/Ziegeler, Hans-Joachim (Hg.): Deutsche Versnovellistik des 13. bis 15. Jahrhunderts, Band 2, S. 26-65 |
| Übersetzungen | Moret, André: Poèmes et fableaux du moyen âge allemand, S. 254-262 Ridder, Klaus/Ziegeler, Hans-Joachim (Hg.): Deutsche Versnovellistik des 13. bis 15. Jahrhunderts, Band 5, S. 182 |
| Forschung | Grunewald, Eckhard: Die Zecher- und Schlemmerliteratur, S. 116-128, 131, 133f., 136-138; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 691-693; Mihm, Arend: Überlieferung und Verbreitung der Märendichtung im Spätmittelalter, S. 77, 84 |
Inhalt
A Spaziergangseinleitung (1–10)
Der Sprecher berichtet, auf einem Feld ein Streitgespräch zwischen einem höfischen Minner und einem Trinker belauscht zu haben, und fordert die Zuhörer auf, aufmerksam zuzuhören.
B Streitgespräch (11–248)
Der Trinker beginnt und verspottet den Minner: Es sei töricht, für eine Frau zu leiden; er selbst ziehe den Wein vor, der Herz und Gemüt erfreue. Der Minner weist ihn grob zurück und bekennt sich zur höfischen Minne, deren heimliche Blicke, Treffen und Küsse für ihn mehr wert seien als ein ganzes Fass Wein oder alle Güter der Welt. Der Trinker hält dies für lächerlich und beschreibt das Leben des Minnedieners als voller Entbehrung: einsames Warten, Kälte, Regen, Angst vor Entdeckung und Strafe. Er selbst genieße Frieden, Wein und gutes Essen. Der Minner entgegnet mit dem „hohen Mut“, den ihm die Geliebte schenke, und schildert eine Szene am Fenster, in der sie ihm heimlich Einlass verspricht. Der Trinker bekräftigt, dass er nur an Speise und Trank interessiert sei; der Minner möge ruhig weiter hungrig dienen. Der Minner verflucht ihn und sagt ihm Armut, Krankheit, Gewalt und seelischen Schaden voraus; seine eigenen Minnefreuden seien unvergleichlich höher zu schätzen als jeder Wein. Der Trinker antwortet mit einer Gegenprophezeiung: Der Minner werde den Verstand verlieren, hungern, verstummen, in Angst leben und bei einem heimlichen Stelldichein verstümmelt oder getötet werden. Er selbst ziehe Wein und Braten jeder höfischen Minne vor. Der Minner schließt mit einem erneuten Lob der Minne: Für ertragenen Schmerz gebe es Trost und Freude, während Trunksucht nur Ohnmacht, Armut und einen gewaltsamen Tod bringe.
C Schluss (249f.)
Der Sprecher beendet die Erzählung mit einer Segensformel: Der Trinker habe sein Ende gefunden, den Minner aber empfehle er Gott.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 692f.)