Das Liedlein von der Sau: Unterschied zwischen den Versionen

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Man sagt mir in dem p(u)w(e)n<ref>Fragwürdige Abkürzung. Hier aufgelöst im Sinne von '''buwen''' = "Bauern".</ref> herbst<br />
Man sagt mir in dem p(u)w(e)n<ref>Fragwürdige Abkürzung. Hier aufgelöst im Sinne von ''buwen'' = "Bauern".</ref> herbst<br />
So sein die dreck am schwersten<br />
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Wenn man zugekochet hat<br />
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Aktuelle Version vom 16. April 2026, 06:17 Uhr

Das Liedlein von der Sau; das lidlein von der saw

AutorIn
Entstehungszeit
Entstehungsort
AuftraggeberIn
Überlieferung Nürnberg, Germanisches Nationalmuseum: Cod. 5339a, 407r-410r (online)
Ausgaben
Übersetzungen
Forschung

Transkription[1]

Das lidlein von d(er) saw

1
Ich kam dort hin auf einen mist
Vnd hett mich nahent beschissen
Do kam ein hungers töte saw
Vnd hett mich nahent zurissen
Libe saw las mich leben
Ich will dir meinen dreck geben

2
Die saw die sprach er ist zuclein
Ich han ein weiten rachen
Ich sprach er hat wol siben pfunt
Vnd ist auch new gepachen
Ysß an ysß an ich gan dir sein wol
Ich han ir noch ein magen vol

3
Die saw die sprach hastu ir mer
So wil ich dich nit peissen
Keinen pessern ton hort ich me
Denn wenn ich ein hör scheissen
Wann im sein arsloch quatert schon
Das düncket mich ein süsser don

[407v] 4
Die saw die sprach ich lob ein scheis
für harpffen vnd für geigen
Vnd ein neügewachssen dreck
fur zucker vnd für veygen
Wo er in ein winckl leit
Einer spannen dick ein(er) eln weit

5
Ich lob ein grossen pau(e)rn dreck
Für einen kramat vogel
Der mestet mir den meinen speck
Vnd macht mich allso gogel
Vnd thut mir auf meinem russel wol
Vnd macht mir meinen seüsack vol

6
Was sol mir ein gepraten hun
Ich lob ein paurn mussen
Darnach mein vat(er) vnd mein mut(er)
In die winckel luffen
Ich lob des grünen angers plan
Darauf die drecken rosen stan

[408r] 7
Einer peü(e)rin ey gefellt mir pas
Dann zwei von ein(er) gense
Ich lob ein volgeschissene pruch
Für ein seiden gefrense
Darinn ich an zupeissen vind
Des morgens in dem kulen wind

8
Eines mülners hof gefellt mir wol
Da trinck ich wenn mich dürste
So hat er einen schwern dreck
Der tünget mir mein würste
Wie fru ich lauf des morgens für
So vind ich ein grossen vor der thür

9
Pei einem scheffer ist mir wol
Der isset gern(e) preye
Dauon da wirt ein dicker dreck
Der scheist er all tag dreye
Wenn ich mich mit lust darein ruß
Das ist mir ein rechte munt suß

[408v] 10
Man lobet mir der burg(er) dreck
Die wöllen mir nit gefallen
Dafür lob ich die dorf dreck
Darzu da will ich wallen
Die sein so saftig vnd so süß
Damit ich mir des hungers püß

11
Man lobet mir der clost(er) dreck
Die wöllen mir nit liben
Dafur lob ich ein paurn mus
Darinn da vind ich griben
Die thun mir in mein(er) kelen sanft
Den scheist mir ein(er) heist nagenranft

12
Man lobet mir der Nunnen dreck
Die düncken mich zu dünne
Dafur lob ich ein(er) peü(e)rin dreck
Dort oben im dorf heist künne
Die scheist mir einen der ist warm
Der füllet mit meinen sewdarm

[409r] 13
Man lobet mir der pfaffen dreck
Die düncken mich zu cleine
Dafur lob ich die dorf treck
Dort aussen an dem reine
Darinn da vind ich veiste schuczel
Die scheist mir ein(er) heist herman struczel

14
Man sagt mir in der weichssel erndt
So sein die dreck am süsten
Das ich neür mein gute zenn
Dainnen sol verwüsten
Kern kern vnd kifen
Lob ich für lautten vnd portatifen

15
Man sagt mir in dem p(u)w(e)n[2] herbst
So sein die dreck am schwersten
Wenn man zugekochet hat
Arbeiß hufen vnd gersten
Wenn das grüczellein darinn leit
Dasselb mir ein gute craft geit

[409v] 16
Man sagt mir in dem ruben herbst
Do sein die dreck am grosten
Der küning vnd der keiser
Mochten auch nit als wol getrosten
Als ein dreck pei siben pfunden
Den ich des morgens hab gefunden

17
Im krautherbst so sein die dreck
Schlumfferig vnd feüchte
Welcher oben ein gumpffen hat
Vnd warm ist vnd reüchte
Das ist ein recht(er) pau(e)rn treck
Der mestet mir den meinen speck

18
Man sagt mir vmb sant marteins tag
Do sein die dreck am veisten
Kein pessern don gehort ich nie
Dann wenn ich ein hor scheissen
Der in einem winckel scheissen wil
Das ist meins herczen seiten spil

19
Man sagt mir vmb weyhennachten
[410r] So sein die dreck gar dicke
Kein pesser ercznei genam ich nie
Denn wenn ich ein verschluke
So weicht all mein kranckheit hinwegk
Darumb lob ich einen warmen dreck

20
Man sagt mir vil von tanczen
Von singen vnd von paden
Dafür lob ich einen opffelprei
Gekochet zwischen den waden
Von einem veisten dorf weib
Der thut mir sanft in meinem leib

21
Wer ein veiste saw wil haben
Der heb sie an zu mesten
Vnd ob mich yma(n)t ligen hieß
Der darb der praten an dem spieß
Ob yma(n)t sprech der hat nit war
Der darb des pachens hinaus ins jar

Anmerkungen

  1. Abkürzungen werden in () aufgelöst; Nachträge werden gekennzeichnet (\von unten/, /von oben\, |von der Seite|); hochgestellte Vokale werden in den Fließtext übernommen; Vereinheitlichung unterschiedlicher s-Formen zu s, Beibehaltung von ß; grundsätzliche Kleinschreibung, Großschreibung nur bei Versmarkierung beibehalten (und ggf. vereinheitlicht); ggf. Einfügen von Zeilenumbrüchen bei Versgrenzen; ӱ → y; ë → e; ẅ → w; v̈ → v.
  2. Fragwürdige Abkürzung. Hier aufgelöst im Sinne von buwen = "Bauern".