Frau Venus und die Minnenden (B458)
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Frau Venus und die Minnenden (B458) | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung 1433 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | Karlsruhe, Landesbibliothek: Hs. Donaueschingen 104, 42rb-44rb |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 811f. |
Inhalt
A Exposition (1–15)
Der Sprecher ruft Venus und Minne an und stellt fest, dass nur glücklich sei, wer erhalte, was er begehre; er selbst sei unglücklich und wolle nun eine ungewöhnliche Begebenheit berichten.
B Spaziergangseinleitung (16–102)
In Liebesverwirrung verirrt er sich in einem wilden Wald, hört plötzlich herrliche Musik und folgt ihr auf ein freies Feld, wo ein großes Heer um ein Zelt lagert. Die Menschen kennen einander nicht und stammen aus vielen Ländern und Religionen. Im Zelt sieht er Venus, umringt von Männern und Frauen, die ihr in verschiedenen Sprachen ihr Liebesleid klagen. Er selbst schweigt, da er glaubt, Minne verstehe kein Deutsch.
C Klage der Dame (103–181)
Eine schöne Dame tritt mit zerzaustem Haar vor Venus und klagt auf Deutsch über Untreue und Unbeständigkeit. Sie habe Schönheit verloren, während der Treulose Ansehen genieße. Die Liebe habe gut begonnen, aber bitter geendet, und nun verlange sie Rache: Venus solle die Unbeständigen bestrafen. Sie schließt mit einem verzweifelten Ausruf.
D Klage des Sprechers (182–235)
Ermutigt erhebt nun der Sprecher selbst Klage: Auch er sei von einer Dame getäuscht worden, obwohl er treu gedient habe. Sie habe ihn beschämt, verletzt und betrogen, ihre Gesinnung wechsle wie das Märzwetter. Er denkt an Rache, erkennt aber, dass dies besser ein anderer übernehmen solle.
E Rede der Venus (236–313)
Venus erklärt, Männer und Frauen litten unterschiedlich: Männer könnten ihr Leid verbergen und ohne Schande eine neue Liebe suchen, Frauen dagegen müssten ihren Schmerz allein und schweigend ertragen. Ihre verborgene Glut richte großen Schaden an, und kein kluger Rat könne einer liebeskranken Frau helfen. Sie mahnt, dass Unbeständigkeit und Untreue unanständig seien.
F Schluss (314–334)
Der Sprecher will Venus danken, wird aber vom Stimmengewirr der Menge übertönt. Er versteht keine Sprache und vergleicht das Durcheinander mit dem Rauschen einer Mühle. Als der Abend kommt, zieht die Gesellschaft fort. Statt des beschwerlichen Hinwegs findet er nun eine breite Straße und fragt sein Publikum, wer ihn dorthin begleiten wolle, resigniert aber, dass dies wohl erst am „Sankt-Zilorpen-Tag“ geschehen werde.
(Ausführliche Inhaltsangabe bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, Band 1, S. 811f.)