Der bösen Klaffer Trügen (B257)
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Der bösen Klaffer Trügen (B257) | |
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| AutorIn | Anon. |
| Entstehungszeit | Überlieferung um 1510 |
| Entstehungsort | |
| AuftraggeberIn | |
| Überlieferung | München, Bayerische Staatsbibliothek: Cgm 5919, 153r-164r |
| Ausgaben | |
| Übersetzungen | |
| Forschung | Klingner, Jacob: Der bösen Klaffer Trügen; Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 389-392 |
Inhalt
A Liebesklage
Der Sprecher eröffnet mit einer kurzen Klage über sein Begehren und die Trennung von der Geliebten, teils in direkter Anrede.
B Spaziergangseinleitung
Nach einem Traum von einer Fastnachtsgesellschaft macht er sich auf den Weg. Ein Wegweiser führt ihn zu einer höfischen, tanzenden Gesellschaft. Er nimmt am Fest teil, doch seine Freude bleibt gedämpft: Überall stehen Paare beieinander, nur er ist allein. Eine junge Frau steht ebenfalls allein, und er nähert sich ihr scherzend.
C Dialogische Tugendklage / Lehrrede
Nach der Begrüßung beginnt er sofort mit einer Klage über jene, die Frauen verleumden. Die Dame stimmt zu: Es gebe zu viele Klaffer, sie würden geschont, seien beliebt und blieben ungestraft. Der Sprecher gibt den Damen eine Mitschuld, da sie anständige Frauen isolierten und Klaffern Raum gäben. Die Dame beklagt, dass Turniere und höfische Feste durch Klaffer verdorben würden; nur konsequente Bestrafung könne sie zum Schweigen bringen. Der Sprecher weitet die Klage aus auf eifersüchtige Ehemänner, die ihre Frauen einsperrten und bei seltenen Ausgängen mit Aufpassern überwachten. Auch sie sollten wie Klaffer bestraft werden. Die Dame bestätigt die Durchtriebenheit der Klaffer und fordert ebenfalls Strafe. Der Sprecher gesteht, dass es kein Mittel gegen sie gebe außer Vorsicht. Die Dame ergänzt, dass verborgene Liebe am schönsten sei und sie selbst den Klaffern schon oft entkommen sei. Es folgt eine lange Klafferschelte des Sprechers: Klaffer seien verblendet, ehrbare Menschen mieden sie, und er wünsche ihnen göttliche Strafe. Er beklagt, dass manche Klaffer sogar die Gunst von Damen erhielten, während anständige Ritter leer ausgingen. Schließlich rät er, Klaffer zu ignorieren, droht ihnen aber zugleich körperliche Strafen, Höllenpein und ewige Verachtung an. Die Dame empfiehlt, die Sache Gott und der Gottesmutter zu überlassen, dankt ihm und segnet ihn im Namen aller reinen Frauen. Sie wünscht ihm Glück mit seiner Geliebten. Er erwidert den Segen und fragt, ob sie selbst einen Geliebten habe. Sie gesteht — nach Zusicherung seiner Verschwiegenheit — eine zerstörte Liebe, die Klaffer zunichte gemacht hätten. Der Sprecher, dem Ähnliches widerfahren sei, bietet sich selbst als Geliebter an und versichert seine Hingabe. Die Dame bleibt zurückhaltend und will später entscheiden. Sie bestellt ihn in einem Monat, als Kaufmann verkleidet, nach „Affenhail“. Zum Abschied gewährt sie ihm eine Umarmung.
D Termin, Enttäuschung, Klafferklage
Der Sprecher erscheint voller Vorfreude am vereinbarten Ort, doch die Dame kommt nicht. Er erfährt keinen Grund und verbindet seine Liebesklage mit einem Fluch gegen den, der sein Glück verhindert habe. Er ruft Beispiele größter Unglücksfälle an und verflucht erneut den Klaffer, der dies verursacht habe.
E Schluss
Resigniert erklärt er, dass er durch die Klaffer „freien und hohen Mut“ verloren habe, und beendet die Rede. Er fordert alle Minnenden auf, ebenfalls über die Klaffer zu schreiben; er wolle solche Texte vortragen und verbreiten. Der Titel wird genannt: Der bösen Klaffer Trügen.
(Ausführliche Inhaltszusammenfassung bei Klingner, Jacob/Lieb, Ludger: Handbuch Minnereden, S. 390-392)